Kommunalwahl

Ein klares Wort: Meschedes Bürgermeister tritt wieder an

Die Regierungszentrale von Meschede: Bürgermeister Christoph Weber an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Die Regierungszentrale von Meschede: Bürgermeister Christoph Weber an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.  Am 13. September 2020 findet die Kommunalwahl statt - an einem für Meschede ungünstigen Datum. Es gibt einen ersten Kandidaten.

Es gibt einen ersten Bewerber für die Kommunalwahl 2020: Amtsinhaber Christoph Weber möchte dann erneut als Bürgermeister-Kandidat in Meschede antreten. Das bestätigte der 53-jährige Christdemokrat im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch mal zu kandidieren.“ Formal entscheidet ein CDU-Stadtparteitag, wer als Kandidat der Partei ins Rennen geschickt wird. Eine wichtige Unterstützung hat sich Weber vorab schon mal gesichert: „Meine Familie trägt das mit.“ Weber ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Inzwischen hat die Landesregierung auch den Wahltag festgelegt: Die Kommunalwahl findet am Sonntag, 13. September, statt - und diesen Termin findet Christoph Weber „richtig ärgerlich“. Denn ausgerechnet an diesem Tag ist verkaufsoffener Sonntag – und vor allem auch der historische Stiftsmarkt samt Festakt zum 1150-jährigen Jubiläum des ehemaligen Stifts Meschede. Kommen wird Erzbischof Hans-Josef Becker aus Paderborn, Ministerpräsident Armin Laschet ist eingeladen. Viele engagierte Mescheder werden aber an diesem Tag in den Wahlvorständen sitzen müssen.

Schnellere Entscheidungen gewohnt

Was Christoph Weber in den ersten Jahren als Bürgermeister lernen musste: „Die Dinge dauern länger.“ Aus der Wirtschaft war der Diplom-Ingenieur in seiner beruflichen Vergangenheit schnellere Entscheidungswege gewohnt: „In der Wirtschaft hat man einen Partner, mit dem man sich einig werden muss.“ In der Kommunalpolitik sei das anders: „Es kommt häufig auf den richtigen Zeitpunkt an: Wann spreche ich am besten mit welchem Beteiligten? Ich muss zugeben: Manchmal gehen mir Dinge nicht schnell genug.“ Die Gespräche etwa zur Umgestaltung der Ruhrstraße: Zweieinhalb Jahre dauerten die im Vorfeld - immerhin gebe es ja jetzt mit dem Umbau endlich eine Lösung.

Bürgermeister schätzt das direkte Gespräch

Schwächen? Der Bürgermeister ist auch das Gesicht der Stadt, er muss repräsentieren. Christoph Weber gesteht, dass ihm das nicht leicht gefallen sei: „Es war nicht einfach, meinen Weg zu finden.“ Er schätze lieber das direkte Gespräch mit einem Gegenüber, als vor 500 Leuten zu sprechen: „Ich finde es im Kleinen schöner. Sprichst du vor vielen Menschen, darfst du nie zu konkret werden und musst im Allgemeinen bleiben.“

Klare Worte - davon würde sich Weber auch mehr in den Diskussionen in der Kommunalpolitik, im Stadtrat wünschen. Vielleicht kämen dann auch wieder mehr Besucher zu den Sitzungen: „Ich mag es, wenn richtig viele Besucher da sind.“ Dass so wenige inzwischen kämen, liege vielleicht auch an den häufig schwer zu verstehenden Begriffen - alles müsse eben juristisch sicher formuliert sein. „Das ist stellenweise harte Kost“, sagt er beispielsweise zu Themen wie dem Flächennutzungsplan. Weber überlegt deshalb, ob nicht zumindest künftig bei jeder Vorlage, die die Stadtverwaltung erstelle, eine leicht verständliche Erklärung hinzugefügt werde, in der das Ziel erläutert werde.

Erfolg: Bau des Henne-Ruhr-Marktes

An Erfolgen in den letzten Jahren nennt Christoph Weber an erster Stelle den Bau des Henne-Ruhr-Marktes - und auch nach der Bövingloh-Pleite die Nerven bewahrt zu haben: „Es war richtig, an dem Projekt festzuhalten.“ An ein Wahlprogramm hat Weber noch keinen Gedanken verschwendet. Es werde in Zukunft vor allem darum gehen, die Infrastruktur im Stadtgebiet aufrecht zu erhalten, „ohne dass wir mehr Menschen werden.“ Etwa 1400 Menschen seien in Meschede mit einem Zweitwohnsitz gemeldet, davon geschätzt 600 Studenten. Die übrigen 800 seien Pendler, die man stärker ansprechen müsste und vielleicht für einen ständigen Wohnsitz in Meschede begeistern könnte.

Bürgermeister auch Unternehmenschef

Der Bürgermeister ist in Meschede auch Chef eines mittelständischen Unternehmens mit 240 Beschäftigten in der Stadtverwaltung. Christoph Weber bildet zusammen mit Kämmerer Jürgen Bartholme und Fachbereichsleiter Klaus Wahle den Verwaltungsvorstand als Leitungsgremium im Rathaus. „Bisher musste ich noch kein Machtwort sprechen“, so der Bürgermeister: „Im Großen und Ganzen sind wir einvernehmlich unterwegs. Ich versuche stets, einen Konsens zu finden.“

Weniger Personal im Rathaus hält er für nicht möglich: „Wir arbeiten hier am Limit.“ Weber kritisiert Bund und Land: Die Bürokratie sei nicht weniger, sondern eher mehr geworden - „Wir bekommen quartalsweise neue Aufgaben dazu. So schnell lassen sich Prozesse gar nicht optimieren. In vier Jahren habe ich noch nicht erlebt, dass man uns von einer Aufgabe befreit hätte.“

>>>HINTERGRUND

Mit 55,2 Prozent der Stimmen hatte Christoph Weber 2015 die Bürgermeister-Wahl gewonnen. Er wurde damit Nachfolger von Uli Hess, ebenfalls CDU.

Beide Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl kamen aus Freienohl - das hatte es in der Stadt Meschede noch nicht gegeben. Herausforderer von Christoph Weber war Jürgen Lipke (SPD): Er hatte sein Ziel verfehlt, „50 plus x-Prozent“ zu erreichen.

Mit der Stimme von Weber als Vorsitzendem des Stadtrates hat die CDU dort auch k napp die Mehrheit.

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