Menschen

Ein Weihnachtsgeschenk aus Meschede mit Folgen

Beim Wiedersehen (von rechts): Friedegard Sieß wuchs in Meschede auf. Sie freute sich über das Treffen mit Helga Domeier, Dagmar Sträter-Müller, Elisabeth Olbricht-Cross,und Gisela Ruhrmann. Mit dabei war auch Sohn Gottfried Sieß.    

Beim Wiedersehen (von rechts): Friedegard Sieß wuchs in Meschede auf. Sie freute sich über das Treffen mit Helga Domeier, Dagmar Sträter-Müller, Elisabeth Olbricht-Cross,und Gisela Ruhrmann. Mit dabei war auch Sohn Gottfried Sieß.    

Foto: Privat

Meschede.  Friedegard Sieß hatte eine schwere Kindheit. Ihre schönsten Jahre verbrachte sie in Meschede und Dorlar. Nach 65 Jahren ist sie zurückgekehrt.

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Vor einem Jahr suchte eine Frau aus Süddeutschland ein Weihnachtsgeschenk für ihre fast 80-jährige Mutter. Diese hatte oft von Meschede erzählt, wo sie aufgewachsen war, hatte aber jeglichen Kontakt verloren, nachdem sie die Stadt mit 14 Jahren verlassen musste. Über das Internet erfuhr die Tochter von dem Buch, das die Frauengeschichtswerkstatt Sauerland im Mai 2018 veröffentlichte: „Das Kriegsende 1945 in der Erinnerung heutiger Sauerländerinnen und Sauerländer“ und bestellte es direkt bei der Geschichtswerkstatt.

Reger Briefkontakt

Die Mutter war überglücklich und fand in den Beschreibungen der Menschen, die das Kriegsende in Meschede erlebt hatten, ihr Meschede wieder. Es entwickelte sich ein reger Briefkontakt mit Dagmar Sträter-Müller, eine der Redakteurinnen des Buches. Friedegard Sieß, geb. Mann, wurde 1939 in Meschede geboren. Ihr Vater arbeitete als Schmelzer bei Honsel, wurde als Soldat eingezogen und fiel 1944 in Weißrussland noch vor der Geburt des vierten Kindes.

Die Familie wohnte in der neu gebauten „Honsel-Siedlung”, Am Krähenberg. Doch die Mutter, Else Mann, bekam eine zunehmend schwere Lungenerkrankung, so dass sie häufig von der Familie weg in Krankenanstalten kam. Friedegard als Älteste musste viel Verantwortung übernehmen. Die vier Halbwaisen wurden oft in Kinderheimen versorgt, zum Beispiel im heutigen Martinswerk in Dorlar.

Der Gründer des Martinshofes, Pfarrer Friedel Birker, wurde zu einer fast väterlichen Person für Friedegard. 1953 starb die Mutter. Verwandte hatten Pläne, die die Geschwister auseinanderrissen und – zum Leid der Kinder – auch weit weg von Meschede in verschiedene Kinderheime brachten.

Aber der Wunsch, Meschede, an das sie so viele und schöne Erinnerungen hat, einmal wiederzusehen, ehemalige Klassenkameraden und andere Bekannte zu treffen, blieb so stark, dass Friedegard oft plante, nach Meschede zu kommen.

Kaffeerunde mit Mitschülern

Nun hatte sie durch das Buch die Frauengeschichtswerkstatt als Ansprechpartnerin gefunden. Und die hatte – nach langem Suchen – auch einige ehemalige Klassenkameradinnen und -kameraden ausfindig gemacht, die sich noch an sie erinnern konnten.

So reiste Friedegard Sieß Anfang Juli mit ihrem behinderten Sohn Gottfried vom Bodensee nach Meschede, fand in der Innenstadt kaum die alten Straßen, aber ihren letzten Wohnort am Krähenberg, die Christuskirche (ohne den alten Altar), in der sie konfirmiert worden war, und traf bei einer Kaffeerunde mit Helga Domeier und Gisela Ruhrmann ehemalige Mitschülerinnen, um Erinnerungen auszutauschen.

Auch den geliebten Martinshof, damals ein Heim für Kriegswaisen, das heutige Martinswerk Dorlar, besuchte sie und wurde von dem Leiter Ulrich Vogelheim herzlich empfangen.

Zur besonderen Freude der 80-Jährigen konnte Vogelheim sogar noch Briefe überreichen, die ihre Mutter Anfang der 50er-Jahre an Pfarrer Friedel Birker geschrieben hatte.

Die Pläne für das kommende Jahr stehen schon fest: Ein weiterer Besuch und das Wiederentdecken der Stadt, mit der so viele gute Erinnerungen verbunden sind.

>>>HINTERGRUND
Der Frauengeschichtswerkstatt gehören etwa 20 Frauen an, die sich ehrenamtlich mit der Erarbeitung der Lokal- und Regionalgeschichte von Frauen im Sauerland befassen.

Durch Recherchen und Interviews mit Zeitzeuginnen versucht die Geschichtswerkstatt ein Bild von dem Leben der Frauen im Sauerland früher und heute entstehen zu lassen.

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