Tierschutz

Eine Schweinerei, diese Sau in Meschede auszusetzen

„Trude“ ist neugierig. Im Tierheim in Enste ist sie jetzt auch artgerecht untergebracht: Inklusive Gelegenheit zum Suhlen und ausreichendem Schutz vor der Sonne.     

„Trude“ ist neugierig. Im Tierheim in Enste ist sie jetzt auch artgerecht untergebracht: Inklusive Gelegenheit zum Suhlen und ausreichendem Schutz vor der Sonne.     

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.  Das bei Meschede ausgesetzte Schwein ist eingefangen worden. Tierschützer wissen: Es gibt leider die Unart, Schweinchen als Gag zu verschenken.

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Trude hat mächtig Hunger: Trude frisst und frisst und frisst - und ist offenbar sehr glücklich dabei. Trude ist gerade der verfressenste Gast im Tierheim in Enste. Nico Mairing, Leiter des Tierheims, ist es gelungen, das freilaufende Schwein, das – wie berichtet – am Haus Dortmund entdeckt worden ist, einzufangen. Jetzt lebt es erst einmal im Tierheim. Nico Mairing hat die Sau als erstes auf den Namen Trude getauft.

Ohne Wasser ausgesetzt

Es ist eine Schweinerei, was da am Haus Dortmund auf dem ehemaligen Spielplatzgelände passiert ist. Denn Trude ist dort definitiv ausgesetzt worden. Ihr Besitzer hatte zumindest jede Menge Kartoffelschalen für das Schwein als Futter hinterlassen.

Woran er nicht gedachtet hatte: Das Schwein hatte nichts zu trinken – und das bei der Hitze und Trockenheit der letzten Tage. „Trude hatte einen Riesendurst“, sagt Nico Mairing. Er lockte das Hängebauchschwein mit Futter an, konnte es letztlich in eine Ecke und dann in einen Transportkäfig treiben: „Das hat sie mit Bravour gemeistert.“ Das Verhalten von Trude im Tierheim lobt er: „Trude ist die Ruhe selbst.“

Klaus Pehle, Vorsitzender des Tierschutzvereins für den Hochsauerlandkreis, der Träger des Mescheder Tierheims ist, hat eine Ahnung, woher die Sau stammen könnte: „Wir kennen die Fälle leider, in denen ein Schweinchen zu einem runden Geburtstag verschenkt wird. Das soll ein Gag sein. Als Geschenke sind Schweinchen leider angesagt.“ Dieses Geschenk mag für den Augenblick auch lustig sein. Bis das bisherige Mini-Schwein wächst. Und wächst. Und wächst. Und sein Besitzer merkt: „Das Schweinchen kann ja nicht aufs Katzenklo gehen.“

Besitzer offenbar überfordert

Natürlich ist es nicht artgerecht, ein Schwein im Haus zu halten: „Schweine möchten sich suhlen können“ – nur, wer kann das schon bieten? Dazu muss die Unterbringung stimmen.

„Ein Schwein muss sich vor Sonne schützen können“ – denn Schweinehaut ist empfindlich: „Die kriegen sehr schnell einen Sonnenbrand.“ Dass der bisherige Besitzer mit Trude überfordert gewesen ist, merken Klaus Pehle und Nico Mairing am Verhalten der Sau: Sie geht zögerlich auf Menschen zu – möglicherweise hat sie zuletzt schlechte Erfahrungen machen müssen.

Artgerechtes Zuhause gesucht

Ein artgerechtes neues Zuhause wird jetzt gesucht. Wer Trude haben möchte, muss eine entsprechend große Fläche, muss einen Stall und einen Auslauf nachweisen können. Am besten wäre es, wenn Trude Anschluss an weitere Schweine bekäme.

Melden kann man sich gerne im Tierheim unter 0291 / 1776. Im Tierheim wird Trude gechippt, also gekennzeichnet, und damit beim Deutschen Tierschutzbund registriert.

Trude ist als Schwein ein Nutztier, deshalb muss es beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse gemeldet werden – das war auch so ein Fehler, den der Vorbesitzer mit seinem Aussetzen begangen hat: Dadurch bestand die Gefahr, dass es am Haus Dortmund mit Wildtieren in Kontakt kam und sich ansteckte.

Um die 50 Kilo wird Trude inzwischen auf die Waage bringen. Wie gesagt: Trude kann fressen ohne Ende. Von der Mescheder „Tafel“ erhält das Tierheim Lebensmittelreste, die dort aussortiert worden sind: Trude ist ein dankbarer Abnehmer dafür. Wer dazu noch Gemüse, Obst oder Heu abzugeben hat: Spenden sind sehr willkommen im Tierheim.

Was Trudes Besitzer mit ihr hätte machen können? „Jeder kann beim Tierheim anrufen“, sagt Klaus Pehle. Auch, wenn er sich mit einem Tier überfordert sieht. Der Tierschutzverein hilft weiter: „Wir nehmen jedes Tier, das in Not geraten ist. Wir machen keine Geschäfte damit.“

Auch Waran und Python gefangen

Das Hängebauchschwein ist nicht der ausgefallenste Gast hier. In Enste kam schon ein Waran unter, den die Helfer des Vereins aus einem Keller holen mussten – und für den dann im Tierheim eigens Wärmelampen aufgehängt wurden, damit er auf Temperatur kam. Der Waran kam letztlich in eine Auffangstation nach Koblenz.

Und da war die 1,80 Meter lange Python, die Klaus Pehle auf einem Dachboden hinter Brettern fand. Er brauchte Helfer, um sie daraus zu holen. „Auch die Python hat mal als ganz kleine Schlange angefangen. Auch das fand jemand lustig“, sagt er. Die Python wurde an den Wuppertaler Zoo abgegeben. Klaus Pehle rät: „Wer sich ein Tier anschafft, der sollte mit Weitsicht darangehen.“

>>>HINTERGRUND<<<

Nico Mairing ist seit letzter Woche neuer Leiter des Tierheims in Enste. Er löst Birgit Müller ab, die sich beruflich verändert hat. Das Tierheim wird vom Tierschutzverein für den Hochsauerlandkreis getragen.

Der 31-Jährige aus Ense-Lüttringen hat vorher schon zweieinhalb Jahre in Enste in dem Tierheim gearbeitet. Er ist selbst ausgebildeter Tierpfleger.

Außer „Trude“ sind 25 Katzen und zehn Hunde in der Obhut des Tierheims, außerdem viele Kleintiere wie Kaninchen und Vögel.

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