Geschichte

Eslohe: Tödliche Tragödie ist Thema im Deutschlandfunk

Josef Maria Schäfers bei seiner Recherche in den Tageszeitungen aus der damaligen Zeit.

Josef Maria Schäfers bei seiner Recherche in den Tageszeitungen aus der damaligen Zeit.

Foto: Oliver Eickhoff

Eslohe.  Hörspiel zu einem dunklen Kapitel: Die tödliche Tragödie um Eslohes ehemaligen Gemeindedirektor Bernhard Stahl ist Thema im Deutschlandfunk.

„Solange deine Mutter hier wohnt, würde ich nicht in der alten Wunde bohren“, rät ihm sein Freund Edgar. Und Josef Maria Schäfers bohrt doch. Der gebürtige Esloher hat die tödliche Tragödie um den damaligen Gemeindedirektor Bernhard Stahl als Hörspiel aufgearbeitet. Am heutigen Mittwoch um 21.30 Uhr wird das Ergebnis im Deutschlandfunk zu hören sein.

Es ist ein düsteres Kapitel der Esloher Geschichte: Stahl hatte sich im September 1977 das Leben genommen - auch seine Frau und zwei seiner drei Söhne starben im Auto in der Garage ihres Eigenheims. Dem Verwaltungsfachmann war persönliches Fehlverhalten unterstellt worden.

Thema nie aus dem Kopf bekommen

„Ich habe dieses Thema nie aus dem Kopf bekommen“, sagt Josef Maria Schäfers. Der gebürtige Esloher lebt heute in Berlin. Dort produziert er zusammen mit Stella Luncke seit knapp 20 Jahren als freier Mitarbeiter Hörspiele und Features für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sein neuestes Werk trägt den Titel „Idylle“ und war in den vergangenen Tagen bereits zweimal auf WDR 3 zu hören. Obwohl Hörerreaktionen bei Hörspielproduktionen eher selten seien, wie Schäfers sagt, sei beim WDR ein interessanter Brief eingegangen.

„Der Verfasser, der in den 80er-Jahren in Eslohe gewohnt hat, fand die Stimmung im Stück gut eingefangen“, sagt Schäfers. Er selbst habe versucht, einiges über den Rufmord heraus zu finden und festgestellt, dass über die Sache ein „Mantel völligen und kollektiven Schweigens ausgebreitet“ wurde.

Schäfers, der damals neun Jahre alt war, erinnert sich, dass vor der Tragödie viel über den Gemeindedirektor gesprochen wurde, wusste das Gerede der „Erwachsenen“ aber nicht richtig einzuordnen.

Recherche vor Ort

„Für das Hörspiel war die Recherche vor Ort nicht unbedingt nötig, da ich das Stück aus meiner damaligen Perspektive geschrieben habe, der eines 10-jährigen Jungens“, sagt Schäfers. Er habe sich auf seine Erinnerungen verlassen. Der Text thematisiere nicht ausschließlich den Rufmord, sondern zeige auch andere Einflüsse, die seine kindliche Welt getrübt hätten und von ihm als Jungen verarbeitet werden mussten - wie zum Beispiel die atomare Bedrohung, die Schleyer-Entführung und die Jagd auf die Mitglieder der RAF.

„Wer heute nachforscht kommt zu dem Ergebnis, dass es nur wenige ‘Täter’ gab“, sagt Josef Maria Schäfers über seine Recherche vor Ort. Er glaube nicht, dass es so einfach sei. „Ich denke, dass durch das Gerede über den Gemeindedirektor etwas angestoßen wurde, das außer Kontrolle geraten ist - eine Art Kettenreaktion“, sagt der gebürtige Esloher. Aber natürlich habe niemand gewollt, dass so etwas Schreckliches passiere.

Kompromisse habe er aufgrund der Schwierigkeiten bei der Recherche nicht eingehen müssen. „Auf textlicher Ebene gab es Kürzungen, aber keine Kompromisse“, sagt er. An der Produktion habe er zusammen mit Stella Luncke und Giuseppe Maio gearbeitet. „Wir haben so lange diskutiert und nach Lösungen gesucht, bis am Ende alle zufrieden waren“.

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