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Eslohe: Tödliche Tragödie wird als Hörspiel aufgearbeitet

Der gebürtige Esloher Josef Maria Schäfers

Der gebürtige Esloher Josef Maria Schäfers

Foto: Oliver Eickhoff

Eslohe.   Ein gebürtiger Esloher arbeitet die tödliche Tragödie um den damaligen Gemeindedirektor Bernhard Stahl auf. Ein düsteres Kapitel der Geschichte.

Ein düsteres Kapitel der Esloher Geschichte wird zum Thema eines Hörspiels bei Deutschlandfunk Kultur. Erinnert wird dabei an die Tragödie um den früheren Gemeindedirektor Bernhard Stahl.

Stahl hatte sich im September 1977 das Leben genommen, auch seine Frau und zwei seiner drei Söhne starben im Auto in der Garage ihres Eigenheims. Dem Verwaltungsfachmann war persönliches Fehlverhalten unterstellt worden.

Gerede und Gerüchte

„Ich habe dieses Thema nie aus dem Kopf bekommen“, sagt Josef Maria Schäfers. Der gebürtige Esloher lebt heute in Berlin. Dort produziert er zusammen mit Stella Luncke seit knapp 20 Jahren als freier Mitarbeiter Hörspiele und Features für den öffentlich- rechtlichen Rundfunk.

Schäfers, der damals neun Jahre alt war, erinnert sich, dass vor der Tragödie viel über den Gemeindedirektor gesprochen wurde, wusste das Gerede der „Erwachsenen“ aber nicht richtig einzuordnen. So erinnert er sich auch an die Berichte seines Vaters über ein Gemeindeschützenfest, bei dem Stahl, der eine Rede halten wollte, von Schützenbrüdern ausgebuht und beschimpft wurde.

„Es geht nicht um Schuld“

Jetzt, mehr als vier Jahrzehnte später, will Schäfers die Tragödie auch für sich aufarbeiten. „Dabei geht es nicht um Schuld und es geht nicht darum, alte Wunden aufzureißen“, betont der 50-Jährige. Schäfers möchte sich mit den Mechanismen von Gerede und Gerüchten in einer Dorfgemeinschaft beschäftigen: Wie konnte so etwas passieren? Und könnte so etwas auch woanders wieder passieren? Erzählt wird die Tragödie aus der Ich-Perspektive eines Kindes. Für das Hörspiel „Idylle“, das viele persönliche Erinnerungen enthält, hat Schäfers zusätzlich in den Archiven der Zeitung recherchiert.

Droh- und Schmähbriefe an die Familie

„Nach wochenlangen Gerüchten und Drohbriefen hat sie die Verzweiflung in den Tod getrieben“ titelte diese Zeitung am 26. September 1977. Zu lesen ist von dem Abschiedsbrief - und von der andauernden Gerüchteküche, „nach der Stahl Verfehlungen mit einer anderen Frauen vorgeworfen wurden“. Droh- und Schmähbriefe an seine Familie waren die Folge.

Der damalige Pfarrer Arens sagte am Abend der Tragödie in der Vorabendmesse: „Die Verzweiflung - nicht über die eigene Schuld, von der ich weiß, dass sie nicht vorlag - hat sie mit ihren Kindern in den Tod getrieben. Aus einigen persönlichen Gesprächen und mehreren verlässlichen Quellen weiß ich, dass die Anschuldigungen, die seit Wochen in verschiedenen Variationen verbreitet wurden, nicht stimmten.“

Recherche vor Ort

Schäfers attestiert dieser Zeitung nach Durchsicht der Berichterstattung, dass sie damals umfassend und ungeschminkt berichtet habe: Es finden sich Recherchen, dass die Familie zuletzt noch erwogen hatte, mit einer Fangschaltung dem Psychoterror zu begegnen, sie aber die Kraft nicht mehr hatte.

Es findet sich auch ein Bericht über die Rede Stahls als Geschäftsführer des Sauerländer Schützenbundes, die im Getöse und Geraune untergegangen ist. Schäfers möchte dieses Geschehen der Erwachsenenwelt, das er als Kind miterlebte, in dem Hörspiel thematisieren. „Es war wie stille Post“, sagt er.

Dafür hat der Autor auch in Eslohe recherchiert. Nach seiner persönlichen Einschätzung können oder wollen sich Ältere nicht mehr an die Tragödie erinnern „oder haben Angst, etwas zu sagen.“ Bei Jüngeren ist das Thema hingegen kaum präsent.

„Welche schrecklichen Dinge passieren können“

Auch deshalb hält Schäfers es für wichtig, das Geschehen in einem Stück zu verarbeiten: „In Zeiten von Fake-News und Gerüchten im Internet zeigt diese Tragödie, welche schrecklichen Dinge passieren können.“

Nebenbei ist Schäfers noch der Frage nachgegangen, wie sich heutzutage junge Menschen auf dem Lande und speziell in Eslohe fühlen. Schäfers, den es nach Berlin verschlagen hat, erging es so wie vielen in seiner Jugendzeit - „wir wollten fast alle nur weg.“ Heute, das hat ihn durchaus erstaunt, „leben die jungen Leute gern auf dem Dorf und finden es hier im Sauerland sehr ok.“

Veröffentlichung vermutlich im Frühjahr 2019

Die Arbeiten an dem Hörspiel werden noch die kommenden Monate andauern.

Material hat Josef Maria Schäfers gesichtet, auch O-Töne aufgenommen.

Voraussichtlich im Mai oder Juni 2019 wird das Stück bei Deutschlandfunk Kultur gesendet.

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