Familienfreundlicher Betrieb

Familienfreundliche Arbeit:Zeit für Schwiegermutter und Baby

Steuerberater Thorsten Hegener ist ein familienfreundlicher Arbeitgeber. Seine Mitarbeiterin Martina Baer-Brunkel pflegt ihre Schwiegermutter und arbeitet drei Tage im Home-Office, zwei Tage im Büro. Ann-Christin Pieper hat vor sechs Wochen ein Baby bekommen und wird demnächst im Home-Office Teilzeit in Elternzeit arbeiten.  

Steuerberater Thorsten Hegener ist ein familienfreundlicher Arbeitgeber. Seine Mitarbeiterin Martina Baer-Brunkel pflegt ihre Schwiegermutter und arbeitet drei Tage im Home-Office, zwei Tage im Büro. Ann-Christin Pieper hat vor sechs Wochen ein Baby bekommen und wird demnächst im Home-Office Teilzeit in Elternzeit arbeiten.  

Foto: Laura Nowicki

Enste.   In einer Mescheder Steuerkanzlei können Mitarbeiter mit flexiblen Arbeitszeiten Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Wie das funktioniert.

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„Man kann eine Menge leisten, wenn das Umfeld einen mitträgt“, sagt Martina Baer-Brunkel. Sie pflegt ihre 90-jährige Schwiegermutter und arbeitet in der Steuerkanzlei Thorsten Hegener, die als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet ist.

Drei Tage im Home-Office, zwei Tage im Büro in Enste. Ihr Arbeitgeber ermöglicht es ihr, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Home-Office in der Elternzeit

Das nutzt demnächst auch Ann-Christin Pieper. Sie ist im April zum ersten Mal Mutter geworden. Auch die 29-Jährige wird schon bald im Home-Office arbeiten - und zwar Teilzeit in Elternzeit.

So hat sie Zeit, sich um ihre kleine Tochter zu kümmern, kann aber gleichzeitig die persönliche Beziehung zu ihren Mandanten aufrecht erhalten. „Das ist mir sehr wichtig“, sagt Ann-Christin Pieper.

Nach einer längeren Auszeit in ihrem Beruf würde ihr der Wiedereinstieg schwer fallen, ist sie überzeugt. Die Handhabung der Programme, neue Urteile - das Steuerfach unterliegt ständigen Veränderungen.

Aktuell halten ihre Kollegen sie auf dem Laufenden. Denn auch ein kollegiales Miteinander gehört zu einem familienfreundlichen Arbeitsplatz dazu.

Kernerreichbarkeit vereinbaren

Thorsten Hegener hat mit seinen Mitarbeitern im Home-Office eine Kernerreichbarkeit vereinbart, einen Teil der Zeit können sie sich aber auch frei einteilen. „Vieles ist heute ja auch über E-Mail möglich“, sagt Hegener. Und da seien verzögerte Reaktionszeiten völlig in Ordnung.

Heimarbeitsplätze sind für Thorsten Hegener absolut unproblematisch. „Das hängt vor allem mit unserem hohen Digitalisierungsgrad zusammen. Wir arbeiten fast papierlos“, fügt er hinzu. Grund dafür ist, dass alle Kundendaten bei der Datev, einem IT-Dienstleister, gescannt und auf einem Server sicher verwaltet werden.

Voraussetzung fürs Home-Office ist dennoch, dass zu Hause ein gesicherter Arbeitsplatz geschaffen wird. „Der Küchentisch ist nicht unbedingt geeignet“, sagt Thorsten Hegener und lacht. Schließlich gehe es nach wie vor um sensible Kundendaten.

Gute Organisation ist wichtig

Wenn er als Arbeitgeber eine junge Frau einstellt, weiß er, dass Familienplanung vermutlich demnächst ein Thema sein wird. „Ich finde es aber gut, wenn Frauen eine Familie gründen“, sagt er. Man müsse dann eben Mittel und Wege finden. „Natürlich muss ich zusehen, dass die Arbeit erledigt wird. Eine gute Organisation ist da wichtig, aber nicht besonders schwierig.“

Als familienfreundlicher Arbeitgeber möchte Thorsten Hegener aber allen Mitarbeitern eine hohe Flexibilität ermöglichen - unabhängig vom Home-Office. So hat ein Familienvater zum Beispiel seine Arbeitszeiten an die Schulzeiten der Kinder angepasst.

„Im Notfall nehmen unsere Mitarbeiter ihre Kinder auch einfach mal mit zu einem Termin“, erzählt Hegener. „Mir ist Offenheit wichtig, wenn kurzfristig ein Notfall eintritt.“

Und das könne schließlich jedem mal passieren. Sich einfach krank schreiben zu lassen, das seien Lösungen, die Mitarbeiter dann selbst suchen, wenn sie nicht mit ihrem Arbeitgeber sprechen können.

Thema in den Vordergrund stellen

Thorsten Hegener selbst hat vier Kinder und weiß aus eigener Erfahrung, dass es manchmal schwierig ist, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Aber nicht nur deshalb ist er offen und sensibel für dieses Thema.

„Wir haben einen Fachkräftemangel. Der Markt ist leer“, sagt er mit Nachdruck. „Wir müssen attraktive Angebote machen.“ Und mit „wir“ meine er die gesamte Region. Daher sei es wichtig, dass möglichst viele Unternehmen das Thema „Familienfreundlichkeit“ in den Vordergrund stellen und sich zertifizieren lassen.

Martina Baer-Brunkel hat sich in den vergangenen Jahren auch schon um ihre Tante und um ihre Eltern gekümmert, bis diese verstorben sind. Dass sie jetzt auch ihre Schwiegermutter pflegt, ist für die 57-Jährige eine moralische Verpflichtung. „Das ist mein Wille“, sagt sie. Es gehe auch darum, ein Stück davon zurück zu geben, was sie in ihrer Kindheit bekommen hat.

>>>> INFO: So funktioniert die Zertifizierung

Thorsten Hegener hat die Kanzlei 2002 von seinem Vorgänger Dr. Meyer-Wentrup übernommen. Damals hatte er vier Mitarbeiter, heute sind es 13.
Zum zweiten Mal in Folge hat sich die Kanzlei als Familienfreundliches Unternehmen zertifizieren lassen.

Zum achten Mal vergeben die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Hochsauerlandkreises (WFG) und das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Hellweg-Hochsauerland in diesem Jahr das Zertifikat „Familien-Freundliches-Unternehmen“.

Für alle Unternehmen, die sich für das Thema interessieren, bieten die WFG und das Kompetenzzentrum am Donnerstag, 6. Juni, 14 Uhr, eine Infoveranstaltung im Kreishaus Meschede an. Anmeldungen sind bis zum 3. Juni bei Frank Kleine-Nathland möglich. E-Mail: frank.kleine-nathland@hochsauerlandkreis.de

Betriebe und Einrichtungen, die an dem Tag verhindert sind, können einen persönlichen Beratungstermin vor Ort im Unternehmen vereinbaren.

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