Ehrenamt

Flüchtlingshelfer: Die Sprache bleibt das größte Problem

Sabine Folkers (rechts) betreut seit zwei Jahren eine siebenköpfige Mescheder Familie aus Syrien im Rahmen des Malteser-Projektes, das Elke Milosevic (links) leitet.  In der Mitte Etidal Abd Alrhman mit den Kindern Avesta (zwei Monate) und Serkhabun (5)

Sabine Folkers (rechts) betreut seit zwei Jahren eine siebenköpfige Mescheder Familie aus Syrien im Rahmen des Malteser-Projektes, das Elke Milosevic (links) leitet.  In der Mitte Etidal Abd Alrhman mit den Kindern Avesta (zwei Monate) und Serkhabun (5)

Foto: Ute Tolksdorf

Meschede.  Sabine Folkers engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung. Sie berichtet von Schönem und Schwierigem. Neue Helfer sind willkommen.

Sabine Folkers kam 2014 als Rentnerin ins Sauerland - mit der Flüchtlingskrise stieg sie als Betreuerin erst in Haus Dortmund und dann als Lotsin ins Projekt der Malteser ein. Ein Gewinn für beide Seiten, wie sie betont. Sie berichtet von den schönen und schwierigen Seiten ihres Engagements.

Wie alles begann

Mitte 2015 richteten die Malteser die Jugendherberge Haus Dortmund als Flüchtlingsunterkunft ein. Sabine Folkers gehörte zu den ersten Unterstützerinnen. Die pensionierte Lehrerin gab Deutsch-Kurse. 2016 starteten die Malteser mit Elke Milosevic als Leiterin den Integrationsdienst, der geflüchteten Menschen auf kommunaler Ebene bei der Eingliederung helfen soll. Wohnung, soziales Umfeld, Schule und Arbeit sind die Themen, für die Ehrenamtliche gewonnen, qualifiziert und betreut werden. Die Finanzierung über die Malteser Stiftung ist bis 2020 gesichert.

Die Patin

Sabine Folkers hält seit Frühjahr 2016 Kontakt zu ihrer syrischen Patenfamilie: Etidal Abd Alrhman ist jetzt 33, ihr Mann Ali Khalaf 40. Die beiden haben fünf Kinder, das Jüngste, Avesta, kam im November zur Welt. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich gern eine Familie betreue, aber nichts mit Verträgen zu tun haben will“, erzählt Sabine Folkers und schmunzelt. Elke Milosevic berücksichtigt solche Wünsche. „Das ist ein Ehrenamt, kein Job“, sagt sie.

Sabine Folkers besucht die Familie regelmäßig, hört sich ihre Sorgen an. „Wir sind zusammen zum Spielplatz gegangen, haben Arzt- und Behördentermine wahrgenommen.“ Gemeinsam wurde gebacken und gefeiert. Sabine Folkers half der Siebenjährigen bei den Hausaufgaben und vor allem sprach sie viel mit Etidal.

„Als kürzlich ein Bekannter der Familie starb, wollte sie von mir wissen, wie man in solchen Fällen in Deutschland reagiert“, erzählt Sabine Folkers. „Etidal hat dann am christlichen Begräbnis teilgenommen.“ Zunehmend werde die Familie selbstständiger. Loslassen ist deshalb der nächste wichtige Schritt. Die Syrerin ist froh über die Hilfe: „Ohne Sabine wäre alles viel schwieriger gewesen.“

Problem: Sprache

Die Sprache ist und bleibt das größte Hindernis. Während die Kinder schon gut sprechen, tun sich die Eltern schwer. Sabine Folkers hat dafür Verständnis. „Ich weiß nicht, ob es mir noch gelingen würde, eine neue Sprache zu lernen.“ Hinzu kommt: Etidal hat wegen der Kinder bisher keinen Integrationskurs besuchen können, ihre eigene Schulbildung in Syrien war nur kurz. „Aber die Eltern geben sich Mühe“, betont Sabine Folkers: „Etidal spricht jeden an, wenn sie Fragen hat, sie geht zum Keksebacken in die Schule und ihr Mann besucht das Eltern-Café.“

Problem: Kontakte

Was für den Erwerb der deutschen Sprache vor allem fehle, das sei der Kontakt zu Deutschen, sagt Sabine Folkers. Dafür sei es jetzt gut, dass die Familie in eine neue Wohnung „im Süden“ von Meschede gezogen sei. So schön der enge Kontakt der geflüchteten Frauen untereinander im Mescheder Norden war, mit einem eigenen Frauen-Café und ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen - es machte die Integration schwer. Nach dem Umzug gab es jetzt schon erste Besuche und Hilfsangebote der deutschen Nachbarn.

Problem: Wohnungen

Große, bezahlbare Wohnungen, so hat es Sabine Folkers erlebt, sind in Meschede nur schwer zu finden. Fünf Kinder, zwei Erwachsene - diesen Platz bieten nur wenige. „Das ganze Thema Wohnungssuche, hat mich besonders gestresst“, sagt sie.

Problem: Erziehung

Syrische Eltern sind keine Helikopter-Eltern, haben Sabine Folkers und Elke Milosevic erlebt und meinen das durchaus positiv. „Vieles läuft entspannter. Ein Mittelding zwischen deutscher und syrischer Erziehung wäre optimal.“

Die Paten-Familie von Sabine Folkers bemüht sich, gute Schulbildung ist den Eltern wichtig. Dass die Jungs wie kleine Prinzen behandelt würden, gebe es, könne man aber nicht verallgemeinern. Milosevic: „Es gibt auch Familien in denen die Jungs gleichberechtigt mitanpacken müssen.“

>>>HINTERGRUND

Heute betreut Elke Milosevic in Meschede 53 Lotsen, die sich mit unterschiedlich viel Zeit und Engagement einbringen. Sie begleiten elf Patenschaften, darunter sind Einzelpersonen, aber auch Großfamilien.

Es gibt Menschen, die sich allgemein um die Belange einer Familie kümmern und es gibt Eins-zu-eins-Betreuung - zum Beispiel als Helferin bei den Hausaufgaben. „Die meisten Lotsen sind bereits älter“, erzählt Elke Milosevic. Einige sind, wie Sabine Folkers, bereits Rentner, andere stehen noch im Arbeitsleben. „Im Schnitt engagieren sie sich eine bis anderthalb Stunden pro Woche.“

Auch die ersten „neuen Nachbarn“, wie Elke Milosevic, die geflüchteten Menschen stets nennt, gehören zu den Lotsen. Neun hat sie „unter Vertrag“: „Ihnen ist es wichtig von der Hilfe, die sie selbst erhalten haben, etwas zurückzugeben“, sagt die Koordinatorin, „beispielsweise als Dolmetscherin oder beim monatlichen Frauen-Café.“

Neue Ehrenamtliche sind jederzeit willkommen und können sich bei der Koordinatorin Elke Milosevic unter 0171/9106207 oder per E- Mail elke.milosevic@malteser.org gerne melden.

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