Tierrettung

Hilfloser Uhu kämpft in der Wenne um sein Leben

Ein Uhu hat sich im Gestrüpp an der Wenne in Wenholthausen verfangen. Anwohner entdeckten ihn und handelten genau richtig.

Ein Uhu hat sich im Gestrüpp an der Wenne in Wenholthausen verfangen. Anwohner entdeckten ihn und handelten genau richtig.

Foto: Oliver Reyer

Wenholthausen.   Anwohner haben in Wenholthausen einem hilflosen Uhu das Leben gerettet. In wenigen Tagen entscheidet sich das weitere Schicksal des Tieres.

Aufmerksame Wenholthauser haben einem verletzten und hilflosen Uhu vermutlich das Leben gerettet. Das Tier hatte sich am Montag im Gestrüpp der renaturierten Wenne in der Nähe der Brücke im Ort verfangen und durch heftiges Flügelschlagen immer wieder vergeblich versucht, sich zu befreien. Und genau das war wohl sein Glück - denn durch das Geräusch der auf das Wasser schlagenden Flügel wurden die Anwohner auf das verunglückte Tier aufmerksam.

Mit einem Uhu hatten sie allerdings beim besten Willen nicht gerechnet. „Sie hatten zunächst geglaubt, dass es sich um Bisamratten handelt, die sich in der Nähe des Gewässers tummeln“, sagt Nicole Flemke von der Eichhörnchen- und Bilchestation in Bremke.

Mit Decke, Box, Handschuhen und Kescher

Als sie dann dem Mitleid erregenden Tier in seine großen Augen blicken, handeln die Anwohner genau richtig: Sie melden sich bei Tierarzt Dr. Jörg Janßen in Eslohe. Der wiederum vermittelt sie umgehend weiter an Nicole Flemke. „Ich bin zwar keine Greifvogelexpertin, aber die Tierärzte wissen, dass die Auffangstationen untereinander sehr gut vernetzt sind“, sagt Flemke, die sich nach dem Hilferuf schnellstmöglich auf den Weg macht.

Weil Schnabel und Fänge des Uhus nicht ganz ungefährlich sind, stattet sie sich zuvor noch mit dicken Handschuhen aus, packt eine dicke Decke, eine Box und einen Kescher ein. Damit gelingt es ihr, das Tier zu befreien und an Land zu holen.

Ganz ohne Gegenwehr lässt sich der Uhu von ihr samt Decke in eine Box setzen. „Das Gefieder war komplett voll Wasser gesogen. Er war total entkräftet“, sagt Flemke. Auf dem Wenneplatz übergibt sie das Tier schließlich an eine Greifvogel-Expertin, die inzwischen ebenfalls eingetroffen ist.

Uhu droht Erblindung auf einem Auge

Aktuell ist der Uhu bei einem pensionierten Tierarzt in Soest. „Der kennt sich mit Greifvögeln aus und kümmert sich um ihn“, sagt Nicole Flemke. Der Experte habe beim Röntgen eine ältere Flügelverletzung festgestellt. Außerdem hat das Tier Blessuren im Bereich des Schnabels und an einer Kralle davon getragen.

„Das ist alles nicht so wild und schon gar nicht lebensbedrohlich“, sagt Flemke. Was viel schwerer wiege sei ein Problem mit dem linken Auge. Dort laufe die Pupille aus. Und daran entscheide sich das weitere Schicksal des Tieres. Im Moment sei noch unklar, ob das Auge wieder abheile oder der Uhu darauf erblinde.

Das hätte dann weitreichende Konsequenzen. Denn nur mit einem Auge sei es dem Tier nicht möglich, erfolgreich auf Beutejagd zu gehen. Immerhin: „Im Moment erweckt es den Anschein, dass die ganze Sache gut ausgehen könnte“, so die Bremkerin. „Wir alle hoffen das Beste.“

Auswilderung in der Nähe des Fundortes

Und das Beste wäre in diesem Fall eine Auswilderung. In den kommenden Tagen wird sich das Schicksal des Tieres entscheiden. Hat der Uhu Glück, wird er in der Nähe des Fundortes wieder in die Freiheit entlassen. Andernfalls werde ihn entweder der pensionierte Tierarzt in Soest oder die Greifvogelstation Essenthoer Mühle in Marsberg-Essentho aufnehmen.

Warum das Tier hilflos in der Wenne gelandet ist, ist unklar. „Möglicherweise hat es einen Kampf in der Luft gegeben“, sagt Flemke. Es sei aber auch durchaus möglich, dass der Uhu mit einem Auto kollidiert sei.

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