Rettungsdienst

Hochsauerlandkreis plant Rettungsschule in Meschede

Im Kreisfeuerwehrzentrum in Meschede-Enste

Foto: Jürgen Kortmann

Im Kreisfeuerwehrzentrum in Meschede-Enste

Meschede / Hochsauerlandkreis.   Mitarbeiter für den Rettungsdienst sind so gefragt wie nie: Der Hochsauerlandkreis reagiert darauf mit einer eigenen Idee.

Der Bedarf nach diesen Spezialisten ist so groß, dass sie auf dem Arbeitsmarkt kaum zu bekommen sind: Mitarbeiter für den Rettungsdienst sind so gefragt wie nie. Der Hochsauerlandkreis will jetzt einen neuen Weg gehen, um an Personal zu kommen: Am Kreis-Feuerwehrzentrum in Enste soll 2019 eine eigene Rettungsschule gegründet werden. Das ist nächste Woche Thema im Gesundheits- und Sozialausschuss des Kreises. Geld soll das auch sparen.

Es fehlt an Notfallsanitätern

Die Kreisverwaltung mit Landrat Dr. Karl Schneider befürwortet die Gründung eindringlich. Denn es fehlt vor allem an Notfallsanitätern.

Bis 2026 sollen 70 Prozent der Stellen in den neun Rettungswachen mit ihnen besetzt sein. Das verlangt das NRW-Rettungsgesetz. Den Beruf des Notfallsanitäters gibt es aber erst seit 2015: Sie dürfen arztähnliche Tätigkeiten ausüben, dürfen Zugänge legen und damit in den Körper von Patienten eingreifen.

Der Kreis hat erste Notfallsanitäter, außerdem Rettungssanitäter und Rettungsassistenten im Einsatz, die aber weniger medizinische Befugnisse haben. Die Ausbildung zum Rettungsassistenten ist inzwischen weggefallen. Bis Ende 2021 können sich bisherige Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter weiterqualifizieren lassen.

Für junge Leute attraktiv werden

Weil alle Rettungswachen im Land so einen großen Bedarf haben, ist der Wettbewerb um Personal entbrannt. Die Lage, so die Kreisverwaltung: Notfallsanitäter, die nicht im eigenen Betrieb ausgebildet worden seien, wären auf dem Arbeitsmarkt gar nicht vorhanden, bei den Rettungssanitätern könne der Arbeitsmarkt „mit dem landesweit hohen Bedarf nicht mehr schritthalten“.

Die Fluktuation ist auch im HSK groß, dazu sind die geburtenschwachen Jahrgänge da, wie der für den Rettungsdienst zuständige Fachdienstleiter Christof Dürwald weiß. Viele junge Leute nutzen eine Zeit als Sanitäter, um danach ihr Medizinstudium aufzunehmen – und fallen dann weg.

Um Nachwuchs werben

110 Mitarbeiter des Kreises wollen sich zwar nachqualifizieren lassen. Das reicht aber nicht aus: „Wir müssen attraktiv bleiben“, so Dürwald.

Und da kommt auch die eigene Rettungsschule vor Ort ins Spiel: „Damit kann künftig besser um Nachwuchs geworben werden.“

Bislang ist das zum Beispiel auf Berufsbörsen nicht möglich, auch Schülerpraktika gibt es nicht. Weil die Enster Rettungsschule auch Rettungssanitäter ausbilden würde, könnten zum Beispiel Realschüler dafür begeistert werden.

Verbesserung der Ausbildung

Hinzu kommt: Alle Mitarbeiter der Rettungswachen und die Disponenten in der Kreisleitstelle müssen jährlich eine 30-stündige Fortbildung machen, um ihre Qualifikation im Krankentransport und in der Notfallrettung zu erhalten. Das bedeutet einwöchige Kurse für 200 Mitarbeiter. Sie werden von einer externen Rettungsschule durchgeführt.

Der Hochsauerlandkreis nutzt dafür ein DRK-Institut in Münster. Während der Rettungsdienst für die praktische Ausbildung von Notfallsanitätern verantwortlich ist, erledigt die Rettungsschule den theoretischen Teil: Von einer eigenen Schule erhofft sich die Kreisverwaltung künftig eine bessere Struktur und Stringenz der Ausbildung – unter anderem wäre die Zusammenarbeit mit den heimischen Krankenhäusern besser zu gestalten.

Außerdem erhofft sich die Kreisverwaltung eine Wirkung nach innen durch eine eigene Schule: „Es ist unverzichtbar, eine erhöhte Bindungswirkung an den Betrieb zu vermitteln“, hat man im Kreishaus erkannt. Denn viele Mitarbeiter möchten sich in die schulische Ausbildung einbringen – dadurch würden sie möglicherweise auf einen Stellenwechsel verzichten.

500 000 Euro an Ersparnis

Die Verwaltung hat errechnet, dass die Aus- und Fortbildungen 2,2 Millionen Euro im Jahr kosten. Der Betrieb einer eigenen Rettungsschule betrage dagegen nur 1,7 Millionen Euro. Als Unterrichtsräume können in Enste die Schulungsräume im Feuerwehrzentrum genutzt werden.

Interkommunal ist schon angedacht, Ausbildungsverbünde mit den Trägern der Rettungswachen in Arnsberg anzustreben. Erster Schritt zur Umsetzung wäre, sich bei der Bezirksregierung um die staatliche Anerkennung als Rettungsschule zu bemühen.

>>>HINTERGRUND<<<

Der Hochsauerlandkreis beschäftigt 174 Mitarbeiter in seinen Rettungswachen. Das entspricht 154 Vollzeitstellen. In der Kreisleitstelle in Enste arbeiten 22 Disponenten.

Seit 2015 bildet der HSK Notfallsanitäter aus: 2018 haben die ersten ihre Vollausbildung abgeschlossen. Die Jahrgänge 2016 (3 Schüler), 2017 (3) und 2018 (9) sind in ihrer Ausbildung.

Ab 2021 befinden sich 27 Schüler in der Ausbildung.

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