Natur

Käfer und Klima: Schmallenberger Forst schreibt rote Zahlen

Stadtförster Siegfried Hunker und Christian Bröker sind auf der Suche nach Lösungen für den bedrohten Wald.

Stadtförster Siegfried Hunker und Christian Bröker sind auf der Suche nach Lösungen für den bedrohten Wald.

Foto: Ute Tolksdorf

Schmallenberg.  315.000 Euro Verlust fahren der Stadtwald Schmallenberg und der Ortswald Nordenau durch Wetter und Käferbefall ein. Auf der Suche nach Lösungen.

Der Wald leidet und mit ihm die Förster. Den Eindruck muss man bekommen, wenn man hört, wie die Stadtförster Siegfried Hunker und Christian Bröker den Forstwirtschaftsplan vorstellen. Borkenkäfer und Klimawandel, Sturm und Dürre schlagen sich auch ganz konkret in den Zahlen nieder: 290.000 Euro Verlust macht allein der Stadtforst in diesem Jahr und auch für 2020 prognostizierte Hunker erneut die gleiche Summe, bevor sie 2021 mit 17.400 Euro wieder auf leichten Gewinn hoffen. Für den Ortswald Nordenau kommen noch einmal 25.000 Euro Verlust für beide Jahre hinzu.

Nur noch reagieren

„Bei Kyrill konnten wir noch agieren“, sagte Hunker, „jetzt können wir nur noch reagieren“. 150 „Baustellen“ habe er im Stadtforst. Stellen, an denen er Kalamitätsholz aus dem Wald holen müsse. „Andere Förster haben das bereits ganz aufgegeben.“ Aber die Sägewerke in der Region, mit denen man traditionell ein sehr gutes Verhältnis habe, nähmen den Schmallenbergern das Holz noch ab. „Deshalb versuchen wir zurzeit noch zu retten, was zu retten ist.“

Und das obwohl die Holzpreise beim Fichten-Käferholz schon rund auf ein Drittel der normalen Erlöse gefallen sind. „Mittlerweile offenbaren sich aber bei allen Baumarten Schäden“, so Hunker. „Wir versuchen mit unseren Maßnahmen allein das Vermögen der Stadt zu erhalten.“ Die Verluste ergeben sich auch durch hohe Fixkosten.

Wie es weitergeht, dazu konnte Hunker auch nicht viel sagen: „Das wäre Kaffeesatzleserei. Aber wir werden mit diesen Wetterunbilden klar kommen müssen.“ Schon jetzt lasse sich aber sagen, dass es die größten Schäden in alten Fichtenbeständen gebe. Die Frage stelle sich, ob man Fichten noch 80 bis 90 Jahre alt werden lassen könne. Hunker hält sie schon nach 60 Jahren für hiebreif. „Wir müssen auch deshalb antizyklisch arbeiten“, so Hunker, „weg vom jährlichen Hiebsatz , mehr hin auf eine Zehn-Jahres-Betrachtung.“ Und das Waldbild werde sich verändern.

Wildbestände deutlich reduzieren

Ansonsten arbeite der Stadtforst an einer weiteren Naturverjüngung und dem Ausbau der Artenvielfalt. Wichtig sei dafür auch die Neubetrachtung der Jagdpachtverträge. „Wir wollen keinen Wald ohne Wild, aber wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Wildbestände deutlich reduzieren“, betonte Hunker. Letztlich gehe es auch darum, den Boden als Kapital zu schützen, wenn wir dem Generationenvertrag gerecht werden wollen.“

Und auch das aktuelle Wetter mache es nicht leichter: „Der Boden lechzt weiter nach Wasser. Drei Monate Regen könnten wir schon vertragen.“

Auch Bürgermeister Bernhard Halbe unterstützte die Vorschläge der Stadtförster. „Wir müssen mehr Mischwälder aufbauen und mittlerweile scheint klar, dass schnell wachsende Bäume auch mehr CO2 binden“, sagte der Bürgermeister. „Mit einem Wort: Wir brauchen mehr Vielfalt“, sagte er.

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