Kino

Kino hat Zukunft: Linden-Theater kann ab Mai neu eröffnen

Das Linden-Theater in Meschede ist seit Ende September geschlossen. Jetzt wird die Wiedereröffnung konkreter.

Das Linden-Theater in Meschede ist seit Ende September geschlossen. Jetzt wird die Wiedereröffnung konkreter.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Endlich: Der Hauseigentümer erhält sein Gebäude zurück - das Linden-Theater in Meschede. Damit ist der Weg frei für einen neuen Kino-Pächter.

Eine gute Nachricht zu Ostern: Meschede wird sein Kino behalten, im Linden-Theater wird es weitergehen. Ab Mai könnten wieder Filme zu sehen sein.

Denn seit gestern steht ein entscheidender Termin dafür fest: Am 14. Mai gibt es im Linden-Theater über einen Gerichtsvollzieher die offizielle Rückgabe des Kinos an den Hauseigentümer und Verpächter Egon Böhmer, Architekt aus Köln. Der bisherige Pächter hatte in seinem Vertrag die Klausel, dass nach zweieinhalb nicht gezahlten Monatsmieten das Kino wieder an den Verpächter zurückfällt.

Im Dezember und Januar hat Böhmer keine Mieten mehr erhalten, inklusive rechtlicher Fristen steht damit Mitte Mai als Räumungstermin fest. Der bisherige Pächter (der für Anfragen nicht erreichbar ist) hatte nicht einmal selbst Schlüssel zu dem Kino: Er sei immer nur vorbeigekommen, um nach der Kasse zu schauen, heißt es – und nur die Mitarbeiter hatten Schlüssel. Seit Ende September ist er nicht mehr in Meschede gesehen worden.

Projektoren können sofort anlaufen

Wobei: Zu räumen ist da eigentlich auch nichts – außer abgelaufenen Süßigkeiten und Getränken. Im Kino ist ansonsten alles so geblieben, wie vor der plötzlichen Schließung Ende September 2018.

Die Projektoren im Kino stehen im Stand-by-Betrieb: Sie könnten sofort wieder anlaufen. Böhmer hat in den letzten Monaten darauf geachtet, dass nicht etwa der Strom abgestellt wird oder das es über den Winter nicht zum Rohrbruch in den Toiletten kommt. Angesichts des Termins Mitte Mai kann jetzt mit dem Anwerben von Personal und dem Disponieren von Filmen begonnen werden.

Mieten nicht gezahlt

Die ausstehenden Mieten sind der Hebel, damit es im Kino weitergehen kann. Deutlicher werden inzwischen auch die Hintergründe für die Schließung des Linden-Theaters, für die der bisherige Pächter laut Aushang im Schaukasten „technische Schwierigkeiten“ verantwortlich machte.

Tatsächlich sind es finanzielle Probleme gewesen: „Die Verleiher haben ihm das Genick gebrochen“, weiß Egon Böhmer mittlerweile. Weil Raten nicht mehr gezahlt worden seien, wurde das Kino von den Verleihern nicht mehr mit Filmen beliefert. Böhmer kann sich das Verhalten seines Pächters nicht erklären, der urplötzlich von der Bildfläche verschwunden ist: „Warum hat er nicht nach Hilfe gefragt? Er hätte die Hilfe bekommen. Er hätte sich nur bewegen müssen.“

Schnelle Eröffnung angestrebt

Neuer Pächter will Robert Schütte werden. Der Iserlohner war schon der Vorgänger des bisherigen Pächters, er hatte ihn selbst als Nachfolger empfohlen und das Linden-Theater im Januar 2015 an ihn übergeben. Auch Schütte war im Herbst 2018 aus allen Wolken gefallen, als das Mescheder Kino über Nacht geschlossen wurde.

Gemeinsam mit Egon Böhmer hatte er noch versucht, mit dem abgetauchten Pächter das Gespräch zu suchen, um einen schnelleren Übergang zu ermöglichen – letztlich erfolglos. Schütte sagt: „Ich stehe bereit. Ich bin froh, wenn ich eröffnen könnte.“ Er möchte eine schnelle Eröffnung. Klären muss er seinerseits, dass durch die Betriebsübernahme zum Beispiel keine noch ausstehenden Schulden beim Finanzamt auf ihn zukommen.

Großer Einzugsbereich

Egon Böhmer glaubt an den Erfolg eines Kinos: „Der große Einzugsbereich spricht für das Mescheder Kino.“ Auch Robert Schütte ist überzeugt, dass ein Kino in Meschede eine Zukunft hat – trotz der Konkurrenz beispielsweise durch Streaming-Möglichkeiten: „Denn trotzdem gehen die Leute ins Kino.“ Schütte muss es wissen: Schließlich betreibt er auch die Filmbühne „Zur Postkutsche“ in Dortmund-Aplerbeck und das „Park-Theater“ in Lüdenscheid. Schütte hatte die Technik im Linden-Theater 2013 modernisiert und für Digital-Technik fit gemacht, er ist immer noch Bürge für die Projektoren darin.

>>>HINTERGRUND<<<

Seit 1928 besteht das Linden-Theater der Familie Böhmer als Kino in Meschede. Im Krieg wurde es zerstört.

Direkt über dem Kino befand sich auch eine Wohnung, in der die Betreiber des Kinos wohnen sollten. Bis 2017 war sie bewohnt gewesen.

Egon Böhmer hat die Wohnung seit Anfang April, nach umfangreicher Renovierung, nun an eine junge Wohngemeinschaft vermietet: Mit einer Wohnungsgröße von sage und schreibe 185 Quadratmetern war sie für normale Wohnzwecke nicht zu vermieten.

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