Digitalprojekt

Künstler Ulrich Rützel fordert Bennis in Meschede heraus

Ist das Kunst? Oder kann das Weg? Ulrich Rützel entwickelt kreative Projekte mit und aus digitaler Technik. Auch aus dem Müll des Technik-Zeitalters. 

Ist das Kunst? Oder kann das Weg? Ulrich Rützel entwickelt kreative Projekte mit und aus digitaler Technik. Auch aus dem Müll des Technik-Zeitalters. 

Foto: Gudrun Schulte

Wenholthausen/Meschede.  Ulrich Rützel (74) entwickelt mit Schülern des Benediktiner-Gymnasiums in Meschede digitale Projekte. Schaffenskraft der Schüler begeistert ihn.

Vor 26 Jahren zog Ulrich Rützel mit seiner Frau Julia von Hamburg in die Honsel Villa ins beschauliche Wenholthausen. Damit entfloh er nicht nur der Stadt, sondern seinem rastlosen Leben als Musikproduzent und Musikverleger. Doch mit seinem Umzug ging Rützel weder in Ruhestand noch in Dornröschenschlaf.

Von Wenholthausen aus betrieb er immer noch seine Schallplattenfirma und seinen Musikverlag „Erdenklang“ bis Ende 2005 und arbeitete später als selbstständiger Musik- und Medienberater. Er installierte vor seinem Wohnhaus eine Klanghecke, die heute nach wie vor von Einheimischen, Gästen und Wanderern besucht wird. Man sitzt auf der Bank vor der Hecke und kann mit den wunderbaren Klängen aus der Hecke meditieren, mit der Natur verschmelzen. Die Ruhe genießen und den Blick über die sauerländischen Berge schweifen lassen. Doch Rützel kann auch anders.

Dampf ließ ihm keiner Ruhe

Seit 2013 verfolgt er das Thema „Dampf“ in allen seinen Varianten und Entwicklungen. Was lag da näher als im Esloher Museum anzufragen. Gemeinsam veranstaltete man nach Rützels Ideen und Konzept 2013 „Stahl und Eisen bricht, aber unsere Essel nicht...“. Hier ging es in erster Linie um die künstlerische Umsetzung der beginnenden Industrialisierung des 19. Jahrhundert, um die Produktion von Stahl und Eisen, die die Welt mit Maschinen veränderte. 2014 folgte der „DampfArbeiterBlues“, ebenfalls im Esloher Museum. Diesmal stand der Mensch, seine Arbeit und seine Stellung in der Produktion im Mittelpunkt. Damit war der Rahmen in Eslohe zunächst erschöpft. Doch Rützel ließ das Thema keine Ruhe. „Zwar produzieren wir längst nicht mehr mit Dampfmaschinen, aber Dampf hat noch immer seine Bedeutung. Ohne Dampf kann man nichts bewirken. Und bei Wutanfällen müssen wir auch schon mal Dampf ablassen“, lacht Rützel.

Gemeinsam mit der Fachhochschule Meschede und Schülern des Gymnasiums der Benediktiner veranstaltete Rützel 2016 die erste Ausgabe von „Dampflos-Digital“. „Dampflos“ steht als Synonym für das Industriezeitalter des 19. Jahrhunderts von dem wir uns verabschiedet haben und ins Informationszeitalter gebeamt wurden“, so erklärt es der passionierte Musiker. Damals ging es um künstlerisches und kreatives Werkeln mit digitalen Technologien. Es wurden beispielsweise verrückte Apps entwickelt und damit sogar Musik gemacht.

Superfreche Satire

„2019 war es besinnlicher und zugleich haptischer, materieller, ursprünglicher,“ so Rützel. In Workshops entstanden etwa Skulpturen aus nutzlosen Müllteilen digitalen Schrotts. Ein Fake Kanal brachte falsche Meldungen in die Schule und die Schüler machten daraus eine satirische Nachrichtensendung. Aus digitalen, analogen und mechanischen Materialien wurden Musikinstrumente gebaut und dazu eine Tanzperformance einstudiert. Den berühmten Fries „Totentanz der Marienkirche Lübeck“, den die FH einst für eine Ausstellung digitalisierte, wurde von den Schülern entfremdet. Bekannte Personen der Zeitgeschichte wurden hineingesetzt und mit neuen Texten versehen. Es entstand eine reche Satire, die allein das Anschauen der Ausstellung wert ist. Parallel entstanden Schüler-Videos über die Arbeit und die Projektwoche und schließlich organisierten einige Schüler die Abschlussveranstaltung mit der dazugehörigen Audio, -Licht und Videotechnik, den Sicherheitsmaßnahmen und lernten Grundregeln der Veranstaltungswerbung kennen.

Sorgloser Umgang mit Problemen und Gefahren des Internets

Was reizt einen 74-Jährigen daran, mit jungen Menschen an einem Thema wie „Dampflos-Digital“ zu arbeiten? Rützel: „Probleme des Internets und die Gefahren der immer einflussreicheren sozialen Medien, haben die Jugendlichen nicht auf dem Schirm. Sie kommunizieren und daddeln den ganzen Tag mit ihren Smartphones und Tablets herum. Wir wollten zeigen, wie kreativ und künstlerisch man mit digitaler Technik umgehen kann. Umschalten vom Ablenkungs- in Gestaltungsmodus. Es macht ungeheuren Spaß, den jungen Leuten bei der Umsetzung ihrer Ideen zuzuschauen. Mit wie viel Begeisterung, Engagement und Ausdauer die dabei sind, ist einfach toll und beeindruckend. Wenn meine Gesundheit das zulässt, freue ich mich schon jetzt auf die nächste „Dampflos-Digital.“

  • Weitere Informationen zu dem Projekt finden Interessierte im Internet, unter der Adresse: www.dampflos-digital.de
  • Die Ausstellung „Dampflos-Digital“ ist aktuell auf der Galerie des Abteiforums zu sehen und kann dort auch noch mindestens bis zum Ende der Sommerferien besichtigt werden.
  • Anmelden können sich Besucher bei Ulrich Rützel. Er ist erreichbar unter 02973/2088.
  • dee und künstlerische Leitung der Ausstellung „Dampflos Digital“: Ulrich Rützel aus Wenholthausen in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Südwestfalen Stadnort Meschede, Professor Dr. Stephan Breide, und dem Gymnasium der Benediktiner Meschede, Ulrich Prenger und Christoph Mause.

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