Mein Eslohe

Leidenschaft im Einzelhandel: Über das Tintenfass in Eslohe

Reinhold Hesse in seinem Schreibwarenladen an der Esloher Hauptstraße. Als ambitionierter Hobbyfotograf bietet er eine eigene Kartenserie mit Motiven aus der Region an. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat der Wenholthauser nicht bereut - auch, wenn es eine Herausforderung ist.

Reinhold Hesse in seinem Schreibwarenladen an der Esloher Hauptstraße. Als ambitionierter Hobbyfotograf bietet er eine eigene Kartenserie mit Motiven aus der Region an. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat der Wenholthauser nicht bereut - auch, wenn es eine Herausforderung ist.

Foto: Frank Selter

Eslohe.  Seit fünf Jahren betreibt Reinhold Hesse in Eslohe das Tintenfass. Zum leidenschaftlichen Einzelhändler wurde er durch einen glücklichen Zufall.

Dass er jemals im Herzen der Gemeinde Eslohe seinen eigenen Schreibwarenladen betreiben würde? Nein, das hätte Reinhold Hesse vor ein paar Jahren im Traum nicht für möglich gehalten. Aber er sei glücklich, sich für diesen Weg entschieden zu haben, sagt er. Auch, wenn dieser Weg nicht immer leicht sei.

Es ist der 1. Februar des Jahres 2014 als Hesse zum ersten Mal den Schlüssel in der Ladentür umdreht und sein „Tintenfass“ für die Kunden öffnet. Der Beginn eines neuen Kapitels in seinem Leben. Zuvor war Hesse zwölf Jahre lang als Niederlassungs- und Vertriebsleiter einer österreichischen Backwarenfirma in Neheim-Hüsten tätig. Zwölf Leute hatte er damals unter sich.

Als es im Unternehmen immer unruhiger wurde, reifte in dem Wenholthauser der Wunsch nach einer Veränderung. Und in genau dieser Phase erfährt er mehr oder weniger zufällig, dass Annegret Wagener einen Nachfolger für ihren Schreibwarenladen und die Buchhandlung an der Hauptstraße sucht.

Erinnerung ans erste Treffen

Hesse erinnert sich noch genau an das erste Treffen. „Ich bin Samstagmorgen zum Gespräch hingefahren und die Chemie hat direkt gestimmt. Ich glaube, wir hatten beide direkt ein gutes Gefühl“, sagt der 54-Jährige. Es folgen weitere Gespräche und schließlich die alles entscheidenden Unterschriften, die Hesse zum Einzelhändler machten.

Ein mutiger Schritt in der heutigen Zeit. Hesse weiß von Anfang an: Es wird eine Herausforderung sein, stets genügend Leute in den Laden zu bekommen, um davon seine Familie ernähren zu können. Diese Herausforderung meistert er nun im fünften Jahr - ohne jemals bereut zu haben, dass er sie angenommen hat. „Dafür macht mir die Arbeit im Laden einfach zu viel Spaß“, sagt Hesse und lächelt. Schließlich gehe es ja nicht nur ums Verkaufen.

„Ein Geschäft ist immer auch ein Kommunikationstreffpunkt“, sagt er und ergänzt: „Bei vielen meiner Kunden ergibt sich im Laden auch ein Schwätzchen“. Man kennt sich halt in Eslohe. Im Schnitt seien es rund 100 Kunden, die Tag für Tag in seinem Laden ein- und ausgehen. „Und die meisten, die kommen, kaufen auch etwas“, freut sich Reinhold Hesse.

„Bei uns ist jeder ein Prime-Kunde“

Was er aber auch weiß: „Es gibt auf der anderen Seite Leute, die jeden Bleistift im Internet bestellen“. Und ja, das ärgere ihn schon. Nicht nur, weil es Geld sei, dass dem Einzelhandel vor Ort fehle. „Jeder, der aus Bequemlichkeit im Internet Dinge bestellt, die er genauso gut vor Ort kaufen könnte, sollte sich mal überlegen, wo sein Ort in ein paar Jahren stehen könnte.“

Dabei gehe es nicht nur um drohende Leerstände. „Das geht ja alles viel weiter“, erläutert Hesse. „Wer unterstützt denn dann zum Beispiel die Vereine, wenn es mal wieder um Tombola-Preise geht? Wer kümmert sich um die Leseförderung von Kindern. Wer übernimmt das Sponsoring von Veranstaltungen und lässt im Gegenzug sein Firmenlogo auf ein Veranstaltungsbanner drucken“, fragt er rhetorisch und liefert einen Teil der Antwort gleich mit: „Überregionale Onlinehändler ganz sicher nicht!“ Und mit Blick auf einen gigantischen Onlineversandhändler ergänzt er noch: „Bei uns ist jeder Kunde ein Prime-Kunde, ohne dass er dafür einen jährlichen Beitrag zahlen muss.“

Eine Tischdecke für Kolping

An einem Beispiel muss Reinhold Hesse nicht lang überlegen: eine Tischdeckenbestellung der Esloher Kolpingsfamilie für eine Veranstaltung. „Der Lieferant hat mir zugesagt, aber nicht geliefert“, erinnert sich Hesse. Der Kolpingsfamilie beim Abholtermin kurz vor knapp diese Nachricht zu überbringen und ihr so unnötige Scherereien zu bereiten, sei für ihn keine Option gewesen.

„Die Kunden verlassen sich auf mich. Da ist es doch völlig egal, wo am Ende der Fehler im System gelegen hat“, weiß der leidenschaftliche Einzelhändler. Also sei er nebenbei zu einem Großhändler“ gefahren und habe die Tischdecken eben selbst gekauft.

Verdient hat er daran am Ende keinen einzigen Cent. Im Gegenteil. „Ich gehe davon aus, dass ich dabei sogar drauf gezahlt habe“, sagt Hesse und muss lachen. Darum gehe es aber auch gar nicht. Als Einzelhändler dürfe man einfach nicht immer spitz gegenrechnen. Da sei die Zufriedenheit der Kunden das größte Ziel. „Wenn sie zufrieden sind, bin ich es auch“, sagt Hesse. Und das klappe seit inzwischen fünf Jahren ganz gut.

Als Hobbyfotograf eine eigene Kartenserie erstellt

Immer mehr Buchhändler schließen sich im Internet so genannten „White Label Shops“ an. Reinhold Hesse macht hier keine Ausnahme. Soll heißen: Kunden, die auf der Internetseite des Tintenfasses unterwegs sind, finden dort auch einen Bereich, auf dem sie Bücher, Spiele, CDs, DVDs und viele andere Dinge bestellen können. Im Internet steht der Begriff „White Label“ für einen Service, bei dem der Anbieter einer Webseite ein Produkt oder einen Service einer Partnerwebsite in das Layout seiner eigenen Homepage einbinden kann. Der Vorteil für Einzelhändler: Sie haben mit dem technischen Support und der Logistik nichts zu tun.

Für Transaktionen, die über das „White Label“ generiert worden sind, erhält der Anbieter der Webseite vom Anbieter des Produktes eine Provision. Zu einer Besonderheit des Tintenfasses in Eslohe zählt eine ganz eigene Kartenserie. Reinhold Hesse hat als begabter Hobbyfotograf Postkarten und Klappkarten mit Motiven aus der Region selbst gestaltet. Und wer die Stelle, an der das Foto entstanden ist, gern selbst besuchen möchte: Auf der Rückseite der Karten befinden sich die GPS-Daten.

Bringdienst und Abholstationen

Und auch für alle, denen die Öffnungszeiten des Tintenfasses nicht ausreichen, hat Hesse als pfiffiger Einzelhändler eine Lösung gefunden: Mit der benachbarten Eisdiele und der Aral-Tankstelle in Bremke hat er zwei eigene Abholstationen, die bis 22 Uhr geöffnet sind. Und für Kunden, die gerne im Ort kaufen, aber keine Möglichkeit haben selbst zu fahren, gibt es sogar einen Bringdienst.

  • Einzelhändler und Gastronomen tragen viel zum Wohlfühlfaktor einer Gemeinde bei. Sie betreiben ihre Geschäfte mit viel Herzblut. In unserer Rubrik „Mein Eslohe“ stellen wir sie genauer vor. Es geht um Motivation, die Liebe zum Ort und die Freude am Schwätzchen mit dem Kunden.

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