Klimaschutz

Meschede will statt Klimanotstand lieber praktisch mehr tun

Die großen Photovoltaik-Freianlagen, hier bei Enste, werden als Erfolg der lokalen Bemühungen zum Klimaschutz angesehen.

Die großen Photovoltaik-Freianlagen, hier bei Enste, werden als Erfolg der lokalen Bemühungen zum Klimaschutz angesehen.

Foto: Hans Blossey

Meschede.  Auch in Meschede soll mehr im Klimaschutz geschehen. Wie, ist noch offen. Die FDP sagt, „wir müssen nicht wegen Greta auf den Zug aufspringen“.

Der Klimanotstand wird in Meschede nicht ausgerufen. Aber auch die Stadt Meschede will mehr für den Klimaschutz tun. Wie das konkret aussehen soll, darüber wird im späten Herbst in einem Arbeitskreis zur weiteren „Stadtstrategie“ diskutiert, außerdem können sich die Bürger im Rahmen der „Stadtgespräche“ einbringen.

Kein weiteres Konzept

Im Ausschuss für Stadtentwicklung gab es eine Generaldebatte rund um den Klimaschutz. Denn die SPD wollte ein eigenes Klimaschutzkonzept für Meschede – das am Ende aber zurückgestellt wurde, um besagte „Stadtstrategie“ und „Stadtgespräche“ abzuwarten. Ingrid Völcker (FDP) meinte, „wir müssen nicht wegen Greta auf den Zug Klimaschutz aufspringen“: „Das haben wir alle nicht nötig.“ Denn es sei doch vieles erreicht worden. Auf diese Erfolge hatte zuvor Fachbereichsleiter Klaus Wahle hingewiesen: Von der energetischen Sanierung städtischer Gebäude über die Verbesserung der Radwege und die Anlage von Blumenwiesen bis hin zur Anschaffung von Dienst-E-Bikes.

Kornelius Kuhlmann (SPD) sah das aber als Mogelpackung an, einfach alles als Erfolge verkaufen zu wollen: Bei den Umbauten an Schulen oder am Rathaus habe durch finanzielle Förderungen „die Aussicht auf günstige Subventionierung und nicht der Klimaschutz“ im Mittelpunkt gestanden. Man solle echte Klimaschutzprojekte schaffen: Er warb für das Bauen mit Holz zum Beispiel im künftigen neuen Wohngebiet am Langeloh. Und das Radverkehrskonzept beschränke sich auf das Aufmalen von Streifen auf Straßen – mehr nicht.

Bürgermeister Christoph Weber warnte davor, sich alles zu einfach zu machen: „Ich habe nicht das Gefühl, wir hätten nichts getan.“ Beim Radverkehr zum Beispiel müsse man eben auch bedenken: Schaffe die Stadt mehr Radwege, könnten die Anwohner darauf nicht ihre Autos abstellen – wo aber sollten sie dann parken? Klaus Wahle wiederum nannte die Kuhlmann-Idee vom Bauen mit Holz „einen frommen Wunsch“: „Man kann nicht Vorschriften machen, wie man zu bauen hat.“ Wenn, dann müsse man Fördergelder geben – und die habe die Stadt nicht.

Auch Marcel Spork (CDU) teilte die Einschätzung, die Stadt habe vieles für den Klimaschutz getan – aber vieles eben nicht unter diesem Begriff eigens ausgeflaggt. Die Zeiten seien anders geworden: „In der öffentlichen Wahrnehmung achtet man jetzt auf diese Wortwahl.“ Er wies beim Klimaschutz zum Beispiel auf den hohen Grad an regenerativer Energie in Meschede hin, unter anderem durch die Photovoltaik-Freianlagen. Er teilte die Kritik am Radverkehr: „Da fehlt noch der große Wurf.“

Verwaltung muss neu untersuchen

Antonius Vollmer (Grüne) erkannte eine „Doppelmoral“ in der Politik: Man wolle zwar Klimaschutz – aber bei der Ausschreibung für die Stromlieferung der kreiseigenen und städtischen Gebäude sei eine mögliche Ökostrom-Belieferung nicht berücksichtigt worden.

Eine Kleinigkeit setzte Bürgermeister Weber in der Sitzung von sich aus um. Jede Idee, die als Vorlage in der Stadtverwaltung an die Politiker weitergereicht wird, muss bislang auf ihre finanziellen Auswirkungen und auf die Auswirkungen auf die demografische Entwicklung hin extra untersucht werden. Jetzt wird die Demografie gestrichen: Dafür soll nun alles unter dem Gesichtspunkt Klimaschutz hin genauer untersucht werden.

>>>HINTERGRUND<<<

Im Jahr 2013 hat der HSK ein Klimaschutzkonzept für sich und die Kommunen erstellt.

Demnach hat allein die Verwaltung der Stadt Meschede im Jahr 2010 970 Tonnen an CO2 produziert: Der Großteil der Emissionen durch die Wärmebereitstellung für die kommunalen Liegenschaften.

Bei den Gesamtemissionen lag Meschede mit 16,38 Tonnen pro Einwohner und Jahr deutlich über dem Bundesdurchschnitt, was vor allem dem Industriesektor zuzuordnen ist.

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