Gericht

Mescheder schläft nach der Nachtschicht am Steuer ein

Bei dem Unfall im April 2017 am Schafstall bei Laer werden die beiden beteiligten Fahrer schwer verletzt.

Bei dem Unfall im April 2017 am Schafstall bei Laer werden die beiden beteiligten Fahrer schwer verletzt.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Nach der Nachtschicht ist ein Honselaner am Steuer seines Pkw eingeschlafen. Eine Straftat, die vermeidbar gewesen wäre, urteilt das Gericht.

Ein 47-Jähriger fuhr weiter, obwohl er total übermüdet war, und steuerte in den Gegenverkehr. Das Amtsgericht hat ihn jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs zu 30 Tagessätzen verurteilt. Zwei Monate muss er den Führerschein abgeben.

Jeder Autofahrer hat das schon mal erlebt: Die Augenlider werden schwer, man muss sich zusammenreißen, um wach zu bleiben. Fenster auf, Musik an oder besser auf einen Parkplatz fahren und eine Runde schlafen. Der 47-Jährige fuhr trotzdem weiter. Er schlief ein und verursachte einen schweren Verkehrsunfall, bei dem er selbst und der Fahrer des entgegenkommenden Lastwagen verletzt wurden. Dabei haben nach Ansicht des Richters Sebastian Siepe alle Beteiligten noch viel Glück gehabt.

Tochter nach Arnsberg gefahren

Der Mann arbeitet bei Martinrea Honsel und hatte am 11. April Nachtschicht von 22 bis 6 Uhr gehabt. „Er fühlte sich fit und wach“, ließ er durch seinen Anwalt erklären. Deshalb habe er auch keine Bedenken gehabt, nach Dienstschluss noch nach Arnsberg zu fahren. Seine Tochter musste zum Berufskolleg und der Zug fuhr nicht.

Auf der Rückfahrt durchfuhr er die Kurve bei Laer, bevor sein Auto dann auf der Geraden vor dem Schafstall in den Gegenverkehr fuhr, und frontal mit einem 7,5 Tonner-Lkw zusammenprallte. Der Fahrer, der als Zeuge geladen war, sagte: „Ich habe noch gesehen wie er mir entgegenkam, plötzlich aufschreckte und die Augen aufriss.“

Ihm und weiteren Zeugen, die zum Fahrzeug geeilt waren erklärte der Unfallfahrer, direkt er habe Nachtschicht gehabt und sei eingeschlafen. Vor Gericht konnte er sich an diese Aussage aber nun nicht mehr erinnern. Sein Anwalt erklärte, sein Mandant habe unter Schock gestanden und könne sich erst wieder daran erinnern, dass er im Krankenhaus angekommen sei. Zu dem Unfall sei es nicht gekommen, weil er eingeschlafen sei. „Mein Mandant war abgelenkt, weil neben ihm das Handy klingelte.“ Offensichtlich eine Schutzbehauptung - urteilten Staatsanwaltschaft und Richter, nachdem sie die Zeugen gehört hatten.

Diese hatten übereinstimmend erklärt, dass der Angeklagte direkt nach dem Unfall ihnen selbst gesagt habe, er sei übermüdet gewesen und eingenickt. Dazu kam die Tatsache, dass der Unfallfahrer durch die Nachtschicht tatsächlich unter Schlafmangel litt.

Klares Bild durch Zeugenaussagen

Das ergab für Richter und Staatsanwalt ein klares Bild: „Sie waren übermüdet und deshalb nicht in der Lage ein Kraftfahrzeug sicher zu führen.“ Thomas Poggel kritisierte: „Das hätten Sie erkennen müssen.“ Auf der anderen Seite hatte der Unfallfahrer sich bisher nichts zu schulden kommen lassen. Er war weder im Straßenverkehr noch sonst an andere Stelle aufgefallen. Deshalb milderte Richter Siepe in seinem Urteil den Antrag der Staatsanwaltschaft noch mal leicht ab: Statt drei Monate Fahrverbot entschied er auf zwei Monate ohne Führerschein. Aber auch er sagte: „Der Unfall wäre vermeidbar gewesen.“

>>>HINTERGRUND

Wer sich übermüdet hinters Steuer setzt, begeht eine Straftat, die mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden kann.

Hinzu kommt in jedem Fall der Entzug der Fahrerlaubnis. Zusätzlich kann auch das Straßenverkehrsamt die Verkehrstauglichkeit des Pkw-Fahrers überprüfen.

Die Behörde erhält allerdings nur Kenntnis von einem Vorfall, wenn die Polizei entscheidet, dass der Vorfall im Rahmen der Überprüfung der Kraftfahrtauglichkeit an die Straßenverkehrsbehörde weitergegeben wird.

Die Straßenverkehrsbehörde prüft in solchen Fällen, ob Zweifel an der Kraftfahrtauglichkeit bestehen.

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