Kreativ

Mode-Idee: Polizei in Meschede erfindet die Taschen neu

Jede Tasche sieht unterschiedlich aus - und ist ewig haltbar: Projektleiterin Petra Feische, Ideengeber Sebastian Held von der Polizei in Meschede und EnsTeC-Standortleiter Michael Scholand (von links) zeigen hier, wie vielfältig die Taschenmode aus Enste ist.

Jede Tasche sieht unterschiedlich aus - und ist ewig haltbar: Projektleiterin Petra Feische, Ideengeber Sebastian Held von der Polizei in Meschede und EnsTeC-Standortleiter Michael Scholand (von links) zeigen hier, wie vielfältig die Taschenmode aus Enste ist.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede/Enste.  Jede Tasche ist ein Unikat. Die ungewöhnliche Idee dafür kommt - von der Polizei in Meschede! Dahinter steckt auch der Wille, Müll zu vermeiden.

Die pfiffige Idee der Mescheder Polizei zieht ihre Kreise. Und sie sichert inzwischen gleich zwei Arbeitsplätze vor Ort. Denn seit eineinhalb Jahren entsteht in der Caritas-Werkstatt in Enste in aufwändiger Handarbeit ausgefallene Taschen-Mode – angefertigt aus ausgedienten Transparenten der Polizei.

Kein Massenprodukt

Sebastian Held, Polizeioberkommissar und stellvertretender Sprecher der Kreispolizeibehörde, hatte die Idee. Er hatte sich gefragt, was eigentlich aus den Bannern und Transparenten wird, die seine Polizei für ihre Kampagnen verwendet – etwa zur Personalwerbung, zum Handy-Verbot am Steuer, gegen die Unfallflucht, und, und, und… Irgendwann löst eine Kampagne nun einmal die andere ab, die ausgedienten Transparente landen im Behördenkeller. Und irgendwann werden sie weggeworfen. Das ist überflüssiger Müll, dachte sich Held. Auf der Suche nach einer neuen Verwendung fand er EnsTeC als Partner – für die Produktion und natürlich auch, weil die Polizei selbst ja keine Taschen verkaufen darf.

Seitdem werden Transparente in der Caritas-Werkstatt, in der Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung arbeiten, in ungewöhnliche Taschen umfunktioniert. Weit über 100 sind schon entstanden: Taschen zum Shoppen, Taschen zum Umhängen, Bauchtaschen, Rucksäcke. Gerade hat die Sozialstation der Caritas in Hüsten noch 35 Hüfttaschen abgenommen, für den Arbeitseinsatz. Das Erfassungsgerät findet darin Platz, andere Utensilien, man hat die Hände frei.

Idee wird zum Selbstläufer

„Jede Tasche ist ein Unikat. Die gibt es nicht noch einmal“, sagt Petra Feische, Leiterin des Projektes. Auch Standortleiter Michael Scholand betont: „Das soll kein Massenprodukt sein und nichts von der Stange.“

Die Werkstatt hat dafür einen eigenen Arbeitsbereich abgetrennt und eigens eine Industrie-Nähmaschine angeschafft, die auch mit dem schweren, steifen Transparent-Kunststoff fertig wird. Christina Grewe und Maria Luttermann schneiden und nähen die Taschen täglich zu. Alles ist individuelle Handarbeit, keine Fließbandarbeit. Die Taschen halten ewig. Der Käufer einer Tasche ermöglicht damit eben auch, dass Menschen mit einer mehrfachen Behinderung am Arbeitsleben teilhaben können.

Die Idee wird inzwischen zu einem Selbstläufer. Über den Flurfunk haben auch andere Polizei-Dienststellen von der Mescheder Aktion erfahren. Jede hat schließlich ihren Keller… Der Keller der Mescheder Polizei ist inzwischen leer. Andere sind noch voll.

Nachahmer sind gern gesehen

Nachschauen lohnt. Sebastian Held hat gerade vom Innenministerium in Düsseldorf und vom Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten die Zusagen bekommen, von dort ebenfalls Transparente zu erhalten. Nicht nur die Polizei hat Keller. Die Caritas ihrerseits funktioniert ihre alten Banner für Taschen-Muster um. Übrigens: Wer ebenfalls Transparente, dünnen Fahnenstoff oder Stoffreste abzugeben hat – bevor das weggeworfen wird, nimmt das Team in Enste sie gerne an.

Auch Nachahmer sind ausdrücklich erwünscht, nicht nur aus Polizeikreisen: Die Caritas in Enste hat zuletzt von der Halle Münsterland eine Anfrage bekommen, was sich hinter dem Projekt verbirgt – auch in Münster landen schließlich zum Beispiel Konzert-Transparente und Banner für Messen irgendwo in einem Keller. Sebastian Held freut sich: „Das Projekt soll Schule machen!“

>>>HINTERGRUND<<<

113 Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung arbeiten seit dem Jahr 2007 in der Caritas-Werkstatt in Enste.

Die Werkstatt versteht sich als Dienstleister für die hiesige Industrie, sagt Standortleiter Michael Scholand – unter anderem für die Unternehmen SKS, ITH, Gefu und Möller.

Die Beschäftigten arbeiten von 7.45 bis 16 Uhr, einige krankheitsbedingt auch in Teilzeit. EnsTeC will die Menschen im Unternehmen fit für den ersten Arbeitsmarkt machen.

>>>VERLOSUNG<<<

Wir verlosen eine Tasche der Polizei aus Fahnenstoff und eine Hüfttasche von der Caritas-Werkstatt EnsTeC . Wer mitmachen möchte: Bitte eine Mail mit Namen und Adresse an gewinnspiel-meschede@westfalenpost.de. Betreff: Tasche. Einsendeschluss: Dienstag, 10. Dezember, 12 Uhr.

Umhängetaschen kosten 17,50 Euro, Bauchtaschen 15 Euro, Shoppertaschen 12,50 Euro, Rucksäcke oder Stofftaschen 6,50 Euro. Die Taschen sind erhältlich bei EnsTeC in Enste am Heerweg, bitte einfach am Empfang nachfragen. Infos unter .

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