Religion

Moral und Missbrauch: Christen in der Region wollen reden

Auch Maria 2.0. - hier ein alternativer Gottesdienst anlässlich der Aktion - hat die Dialogabende mit angestoßen.

Auch Maria 2.0. - hier ein alternativer Gottesdienst anlässlich der Aktion - hat die Dialogabende mit angestoßen.

Foto: Ute Tolksdorf

Meschede.  Mit einer Umfrage bereitet die katholische Kirche Dialogabende in Bestwig, Calle und Meschede vor: Wie sehen Christen die Zukunft der Kirche?

Es ist eine außergewöhnliche Situation in der Geschichte der katholischen Kirche Meschede. Die 25.364 Gläubigen im Pastoralen Raum Meschede-Bestwig und Menschen darüber hinaus werden erstmals nach ihrer Meinung zur Situation in ihrer Kirche gefragt. Im Anschluss folgen Diskussionsabende zu den Themen Glaube und Gottesdienst, Missbrauch und Moral sowie Verkündigung. Pfarrer Michael Schmitt erläutert, wie es dazu kam und was er sich davon erhofft. Er betont, jeder ist gefragt, der an der katholischen Kirche vor Ort interessiert ist.

Kennen Sie eigentlich ähnliche Dialogangebote im Umkreis und wie reagiert man in Paderborn darauf?

Pfarrer Michael Schmitt Mir ist zumindest nichts Ähnliches bekannt. Und für Paderborn ist das Angebot nicht so ungewöhnlich, dass es deshalb Nachfragen gab.

Wie kam es zur Umfrage und zu den Dialogabenden?

Anlass war die Kritik an der Kirche, am Umgang mit dem Missbrauchsskandal und der Diskussionskultur vor Ort, Themen, die auch über Maria 2.0 laut geworden waren. Dazu beschäftigt die Katholiken in ihrer Reformdebatte der Synodale Weg der Bischofskonferenz und der Papstbrief „An das pilgernde Volk in Deutschland“. Mit der vorgeschalteten Umfrage hat ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen, das die Dialogabende organisiert, nun die Themen gebündelt. Wir erhoffen uns so erste Anregungen zu den Themenabenden, die darauf schauen, was wir vor Ort ändern können.

Haben Sie schon erste Ergebnisse?

Die Aktion läuft ja noch. Deshalb sind die Bögen, die man auch online ausfüllen kann, noch nicht ausgewertet. Aber ich habe schon mal in die Bögen geguckt, die im Pfarrbüro lagen. Da war die ganze Bandbreite vorhanden. Es gab Menschen, die sich keinerlei Änderungen wünschten und andere, die schon sehr konkrete Vorschläge machten.

Was erwarten Sie von der Auswertung und dann anschließend von den Dialogabenden?

Ich hoffe schon auf ein Stimmungsbild und auf neue Sichtweisen zu den Themen. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass wir miteinander reden und uns dann auf die Dinge fokussieren, die auch vor Ort zu lösen sind.

Tenor ist, bei aller gegenseitiger Kritik, dass die verschiedenen Strömungen die Sorge um die Kirche eint?

Ehrlich gesagt, mache ich mir nicht so viel Sorge um die Kirche. Sie ist schließlich kein Selbstzweck. Die Frage ist doch, wie schaffen wir es, die Freude an der Verkündigung und am Faszinosum Gott und Glauben weiterzugeben. Das Problem der leeren Kirchen hängt nicht nur am Missbrauchsskandal und an der Stellung der Frau. Es steckt tiefer. Wir haben ein Gottes- und Glaubensproblem. Dabei denke ich nicht, dass die Menschen vor 50 Jahren unbedingt mehr oder besser geglaubt haben, nur weil die Kirchen voller waren. Da ist vieles auch aus Angst und Tradition passiert und das, obwohl das Christentum immer eine Entscheidungsreligion war. Es gibt die Freiheit zu gehen und zu bleiben. Heute sind wir in der pluralen Gesellschaft ein Anbieter unter vielen.

Haben Sie Ideen, wie Sie die Kirchenfernen zurückholen wollen?

Patentantworten gibt es da nicht. Interessant ist auch, warum die anderen - und das sind gar nicht so wenig - bleiben. Noch lassen ja auch Eltern ihre Kinder taufen, Kinder werden auf die Kommunion vorbereitet und in einem normalen Alltagsgottesdienst in St. Walburga sitzen bis zu 100 Menschen. Ich denke, bei allen berechtigten Kritikpunkten als Gemeinde müssen wir mehr die positiven und fröhlich machenden Erfahrungen unseres Glaubens vermitteln als nur zu lamentieren. Und dann müssen wir Formen finden, den Glauben an den personalen Gott auch zu feiern und zu bekennen.

Können Sie sich vorstellen, dass sich die Rolle der Frau und ihre Aufgaben in der Kirche verändern?

Ich halte es für schwierig, die Fragen zur Zukunft der Kirche allein auf die Frauenordination zu fokussieren, wie es bei uns in Teilen der kfd und darüber hinaus geschieht. Deutschland ist ein Teil der Weltkirche, aber gerade mal 2 Prozent. An anderen Stellen, beispielsweise in der beruflichen, hierarchischen Gleichberechtigung, sehe ich schon noch viel Luft nach oben. Ich glaube deshalb nicht, dass die Frauenordination so kommen wird oder die Kirche zerbricht an dieser Frage. Über alles andere kann und muss man reden.

>>>HINTERGRUND

Die Fragebögen liegen in den Kirchen zur Mitnahme aus und sind online unter www.katholische-kirche-meschede-bestwig.de abrufbar und können persönlich, durch Einwurf in den Briefkasten oder per Post bis zum 13. Oktober im Mescheder Pfarramt am Stiftsplatz 6, bzw. den Pfarrbüros vor Ort abgegeben werden.

Außerdem können sie auch online beantwortet werden unter www.dekanat-hsm.de/Fragebogen. Sie sollen möglichst breit gestreut werden. Gerne können die Antworten auch ans pfarramt@katholische-kirche-meschede-bestwig.de“ gemailt, werden.

Die drei Abende beginnen jeweils um 19.30 Uhr, ihre Inhalte werden in sich abgeschlossen sein:

„Gottesbegegnung heute - Glaube und Gottesdienst“ findet am Dienstag, 29. Oktober, im Gemeinsamen Kirchenzentrum St. Franziskus in Meschede statt.

„Die schwierigen Fragen Missbrauch und Moral“ heißt es am Mittwoch, 13. November, im Bergkloster in Bestwig

„Glaubensweitergabe - Verkündigung heute und morgen“ lautet das Thema am Dienstag, 14. Januar 2020, im St.-Severinus-Haus in Calle.

Moderiert werden alle drei Abende von Christine Balkenhohl.

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