Gericht

Nach Brand in Meschede: Mann tritt Polizisten in Zelle

Überall Blaulicht und Einsatzfahrzeuge: Alarm seinerzeit am Bahnhof.

Überall Blaulicht und Einsatzfahrzeuge: Alarm seinerzeit am Bahnhof.

Meschede/Bestwig.  Weil er einen Polizisten getreten hatte, war ein Mann vor dem Amtsgericht Meschede angeklagt. Er war wegen eines Brandes festgenommen worden.

Weil er einen Polizisten getreten hat, ist ein 43-jähriger Briloner jetzt vom Amtsgericht Meschede zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Der Mann selbst kann sich an den Vorfall kaum erinnern. Er ist zwar im Methadon-Programm, hatte aber bei der Tat zusätzlich Heroin konsumiert und etwa zwölf Flaschen Bier getrunken.

„Eine gefährlichem Mischung“, wie auch Richter Dr. Sebastian Siepe sagte. Der Angeklagte selbst glaubte bis zuletzt nicht, dass er den Polizisten getreten hatte: „Das würde ich nie tun. Ich weiß doch, dass Polizisten bewaffnet sind.“

Brand am Bahnhof

Dafür konnten sich der Beamte aber um so genauer an den Mann erinnern. Am Tattag, 19. April diese Jahres, hatte es in Meschede am Bahnhof gebrannt. Schon da hatten Beamten vor Ort den offensichtlich betrunkenen Briloner gesehen. Er habe randaliert. Auch er erinnerte sich daran, dass er dort gewesen war, angeblich friedlich: „Ich wollte gucken, was da los war.“

Später dann brannte es erneut - ein kleines Feuer am Bahnhof in Bestwig. Direkt daneben stand der Angeklagte und pinkelte ins Gebüsch. „Ich habe ihn aus dem Gebüsch rausgezogen“, berichtete der Polizist, der als Zeuge vor Gericht aussagte. Das Feuer habe er austreten können. „Doch zu seinem Schutz und zur Verhinderung weitere Straftaten sollte der Betrunkenen ins Gewahrsam gebracht werden.“

In die LWL-Klinik gebracht

Das ging auch erstmal gut. „Einmal riss er sich los, ließ sich dann aber die Handschellen anlegen. Als wir ihm die dann in der Zelle wieder abnehmen wollten, hat er um sich getreten und mich getroffen.“ Der Angeklagte selbst war vor Gericht fest davon überzeugt, dass sich die Aktion nicht im Polizei-Gewahrsam, sondern bereits am Bahnhof in Meschede abgespielt hatte. „Ohne Grund“ habe man ihm die Handschellen angelegt. „Ich habe das nicht verstanden.“

Am nächsten Tag kam er in die Psychiatrische LWL-Klinik nach Marsberg. Im Anschluss setzte offenbar ein Umdenken ein. „Der Arzt hat mir geraten, dass ich einen Entzug machen soll, wenn ich noch ein paar Jahre leben will.“ Für Entgiftung und Therapie konnte er bereits Termine vorweisen. Das und der Umstand, dass er seitdem er im Methadon-Programm ist, nicht mehr strafrechtlich groß in Erscheinung getreten war, rechnete Richter Siepe ihm in seinem Urteil positiv an.

Vorherige Strafe hinzugerechnet

Zu den vier Monaten Freiheitsstrafe wegen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte rechnete er eine vorherige Verurteilung wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmittel hinzu und verurteilte ihn zu den genannten sechs Monaten Freiheitsstrafe, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden.

„Es ist dringend angezeigt, dass Sie in Therapie gehen“, sagte Siepe. „Sehen Sie zu, dass es zu keiner weiteren Straftat kommt.“ Um den Druck auf den Mann zu erhöhen, gab er ihm als Bewährungs-Auflagen mit auf den Weg, dass er die Therapie nicht ohne ärztlichen Rat vorzeitig abbrechen darf und im Anschluss regelmäßig die Suchtberatung aufsuchen muss.

So war das Feuer entdeckt worden

Mitarbeiter des McDonald’s am Bahnhof in Meschede hatten in der Nacht vom 18. auf den 19. April plötzlich Brandgeruch wahrgenommen. Sie wählen den Notruf.

Daraufhin rückten Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst aus. Vor Ort hatte es an einem Container gekokelt - die Lage war schnell unter Kontrolle. Die Ursache war zunächst unklar, es gab Hinweise auf Brandstiftung.

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