Mescheder Traditionen

Nicht nur Veltins: Bier ist in Meschede schon lange Thema

Beschaulich ging’s in den 1920er-Jahren am Grevensteiner Ortsausgang nach Altenhellefeld zu: Dort, wo heute noch das Sudhaus der Brauerei C. & A. Veltins steht, wurde damals schon eifrig gebraut, gelagert und verladen. Der Veltins-Lkw der ersten Generation wartet gerade auf die Beladung mit den schweren bis zu 150 Liter fassenden Holzfässern und trägt noch den Schriftzug der „Grevensteiner Brauerei“.                      

Beschaulich ging’s in den 1920er-Jahren am Grevensteiner Ortsausgang nach Altenhellefeld zu: Dort, wo heute noch das Sudhaus der Brauerei C. & A. Veltins steht, wurde damals schon eifrig gebraut, gelagert und verladen. Der Veltins-Lkw der ersten Generation wartet gerade auf die Beladung mit den schweren bis zu 150 Liter fassenden Holzfässern und trägt noch den Schriftzug der „Grevensteiner Brauerei“.                      

Foto: Veltins

Meschede.  Biertrinken und Bierbrauen gehört zu den Mescheder Traditionen. Doch früher war der Genuss selbst für Kinder erlaubt und erwünscht.

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„Meschede, das leichtlebigst Völkchen des ganzen Sauerlands“, so nannte es Friedrich Wilhelm Grimme (1827 – 1887), wobei er sich ganz offenkundig auf eigene, fröhliche Erfahrungen stützte. Bier gehörte als Haustrank einfach zum Leben dazu. Im Jahr 1664 gab es in Meschede drei gewerbliche Brauereien und zusätzlich elf Bürger, die im Besitz eines Braukessels waren.

Auch Gerste und Hopfen, beide unerlässlich für die Herstellung von Bier, wurden in Meschede angebaut, so dass alle Zutaten für ein ordentliches Bier vor Ort vorhanden waren. Dazu muss man allerdings wissen, dass der Alkoholgehalt im Bier im Mittelalter bei 2,5 Volumen-Prozent lag (heute 4,5 bis 6), wir also von einem alkoholreduzierten Bier sprechen.

Dieses Bier tranken auch Kinder, sozusagen als Ersatz für das oft verunreinigte Trinkwasser. Wegen der Abwesenheit von Sauerstoff und der Anwesenheit von Alkohol können im Bier keine für den Menschen schädlichen Keime wachsen.

Flüssiges Brot

Auch der Kaloriengehalt des Bieres konnte als „flüssiges Brot“ gute Dienste leisten. Genau das haben die Mönche für die Fastenzeit nicht nur herausgefunden, sondern auch fleißig praktiziert, denn: Flüssiges bricht das Fasten nicht.

Da wir heute kein verunreinigtes Trinkwasser mehr fürchten müssen, und auch nicht mehr auf die Kalorien im Bier angewiesen sein sollten, gelten für den Bierkonsum andere Argumente: Bier ist ein Genussgetränk, und für echten Genuss ist immer das Maß (nicht die Maß!) ausschlaggebend.

Das Sauerland, als eine Hochburg des Bieres in Deutschland, bietet uns in Meschede eine Brauerei mit 3,01 Millionen Hektolitern Ausstoß den Beweis für die Mescheder Biertradition. Heute gehören die Grevensteiner zu den größten Brauereien Deutschlands.

Start der Veltins-Geschichte in Grevenstein

1824 wurde in einer kleinen Landbrauerei in Grevenstein Bier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. 1852 übernahm Clemens Veltins die kleine Landbrauerei, vererbte sie an seine Zwillingssöhne Carl und Anton, Carls gleichnamiger Sohn Carl stellte die nächste Veltins-Generation.

Ihm folgte Rosemarie Veltins und in der fünften Generation der inhabergeführten Familienbrauerei finden wir die heutige alleinige Gesellschafterin Susanne Veltins. Sie ist nicht nur eine mehr als erfolgreiche Geschäftsfrau, sondern ebenso eine kulturell und sozial engagierte Mescheder Bürgerin. Glamour und Selbstdarstellung sucht man bei ihr vergebens. Mescheder Understatement und Zurückhaltung in der Öffentlichkeit zeichnen sie aus. Der Pioniergeist ihrer Vorfahren, gepaart mit Fleiß, verantwortungsvoller Firmenphilosophie und Sauerländer Heimatverbundenheit stehen neben Hopfen und Malz.

Kritik nicht erwünscht

Ein kleiner Tipp für die überregionalen Leser: In Meschede wird natürlich fast jede bekannte Biermarke ausgeschenkt. Es gibt keinen lokalpatriotisch geforderten Bierzwang. Da sind die Mescheder tolerant und großzügig.

Kritik am lokal gebrauten Bier sollten sich Nicht-Mescheder allerdings verkneifen, die steht nur den Einheimischen zu, und das auch nur, wenn sie unter sich sind. So sind sie, die Mescheder.

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