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Obere Ruhrtalbahn bei Freienohl: Vollsperrungen über Monate

2008 waren die letzten Gleisarbeiten am Tunnel in Freienohl. Ab 2023 beginnen hier die umfangreichen Sanierungsarbeiten.

2008 waren die letzten Gleisarbeiten am Tunnel in Freienohl. Ab 2023 beginnen hier die umfangreichen Sanierungsarbeiten.

Foto: Stefan Pieper

Freienohl.  Es wird enorm laut in Freienohl und ungemütlich für Pendler sowie Reisende auf der Oberen Ruhrtalbahn. Jetzt gibt es Detail zur Tunnel-Sanierung.

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Da kommt mächtig was zu auf die Menschen in Freienohl - und auf die Nutzer der Oberen Ruhrtalbahn. Ab Anfang 2023 werden die beiden Eisenbahntunnel in Freienohl saniert. Das bekommen auch die Bewohner von 1300 Gebäuden zu spüren: 42 Monate lang, rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche.

Die Deutsche Bahn muss schon jetzt, Jahre vor dem eigentlichen Baubeginn, mitteilen, wann Vollsperrungen auf der Strecke zu erwarten sind - denn das hat dann Auswirkungen auf das ganze Netz in Deutschland. Dadurch wird das Ausmaß nun deutlich, welche Dimensionen diese Baustellen haben werden. Bis 2026 wird es dauern, bis der Freienohler Tunnel (der direkt unter dem Ort her verläuft) und der Glösinger Tunnel am Ortsrand saniert sind.

Sprengungen und Sperre

Während der Arbeiten muss unter Freienohl gesprengt werden. Mit Ladungen, die zwischen einem und neun Kilogramm Sprengstoff liegen werden. Das soll tagsüber geschehen, dreimal am Tag. Zu diesen Explosionen mit mehreren hundert Erschütterungen kommt der ganz normale Baustellenkrach hinzu. „Der Lärm wird ein echtes Problem während der Bauzeit“, sagte Fachbereichsleiter Klaus Wahle im Mescheder Ausschuss für Stadtentwicklung: Gerade dann, wenn die Maschinen am Eingang bzw. am Ausgang der Tunnel arbeiten, „wird es wirklich, wirklich laut“.

Nachts kündigt die Bahn selbst sehr hohe Überschreitungen der Richtwerte an. Als letzten Ausweg hat ein Gutachter bereits empfohlen, notfalls Ersatzwohnraum für die Freienohler anzubieten. Wer als Hauseigentümer über dem Tunnel lebt, für den gilt in der Baustellenphase eine Veränderungssperre: Er müsste sich Umbauten in dieser Zeit vom Eisenbahnbundesamt genehmigen lassen.

Viel Baustellenverkehr

Zum Lärm kommt dreieinhalb Jahre lang eine höhere Verkehrsbelastung durch die Baustellenfahrzeuge im Ort hinzu: 40 Lkw tagsüber, 14 nachts. Nutzen sollen sie nach derzeitiger Planung Straßen im Ort, die bisher (außer der Hauptstraße) kaum Lastwagenverkehr kennen - zum Beispiel der Talweg, Im Langel, Konrad-Adenauer-Straße. Das sind auch Schulwege in Freienohl. Der größte Teil der Baustoffe und Geräte wird am Tunnelanfang an der Kaiserwiese geliefert. An der Kaiserwiese werden alle Bäume abgeholzt.

Mehrmonatige Vollsperrungen

Die Bauarbeiten werden im laufenden Betrieb stattfinden: „Tunnel in Tunnel-Bauweise“, nennt sich das. Deshalb steht während der Bauarbeiten aber nur ein Gleis zur Verfügung, Züge können dann zudem auch nur langsamer fahren. Das kann zu Verspätungen führen. Sicher sind auch Vollsperrungen während der Arbeiten, die sich über mehrere Monate hinziehen werden. Dann müssen ersatzweise Busse fahren.

In Verhandlungen

Die Stadtverwaltung bemüht sich in Verhandlungen mit der Bahn, die Folgen der Baustellen für die Freienohler zu mildern. Schallschutzwände oder Einhausungen sollen den Lärm mindern. Damit Radfahrer den Ruhrtalradweg weiter nutzen können, plant die Bahn am Mühlenberg zum Überqueren der Ruhr den Bau einer zeitweisen Hilfsbrücke. Im Ausschuss setzte sich die Politik auch dafür ein, dass ein unabhängiger Gutachter Beweissicherungsverfahren durchführt: Damit sollen Schäden, die durch Erschütterungen entstehen, erfasst werden. Wohnstraßen sollen möglichst frei bleiben von Baustellenverkehr.

Einwendungen möglich

Noch bis zum 10. Januar 2020 sind Einwendungen gegen das Vorhaben möglich. Im Gespräch mit dieser Zeitung ermunter der Bezirksausschussvorsitzende Jürgen Lipke alle betroffenen Bürger eindringlich, sich mit Anregungen und Einwendungen schriftlich an die Stadt Meschede oder direkt an die Bezirksregierung zu wenden.

>>>HINTERGRUND<<<

Der Freienohler und der Glösinger Tunnel sind mehr als 145 Jahre alt. Sie entsprechen nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen.

Durch die Sanierung werden sie zweigleisig erneuert, dazu erhalten sie neue Sicherheits- und Rettungseinrichtungen.

Die Tunnel werden nicht elektrifiziert. Allerdings werden sie mit einer Erdung ausgestattet, so dass eine Oberleitungsnachrüstung möglich wäre.

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