Einzelhandel

Räumungsverkauf: Darum schließt Elektro Pelster in Meschede

Ingeborg und Peter Papenheim schließen ihr Elektrofachgeschäft EP Pelster in Meschede.

Ingeborg und Peter Papenheim schließen ihr Elektrofachgeschäft EP Pelster in Meschede.

Foto: Ilka Trudewind

Meschede.  Eine traurige Nachricht aus dem Mescheder Einzelhandel: Elektro Pelster wird Ende August schließen. Das sind die Gründe.

Traurige Nachricht aus der Mescheder Innenstadt. Mit dem Elektrofachgeschäft EP Pelster schließt Ende August ein inhabergeführtes Unternehmen mit Tradition in der Fußgängerzone. Wir sprachen mit den Inhabern Ingeborg und Peter Papenheim über die Gründe.

„Darüber könnte ich ein Buch schreiben“, sagt Peter Papenheim und zieht einen Bürostuhl heran. Um ihn herum sind die

Regale schon sehr gelichtet. Auf vielen Fernsehern und Kleingeräten klebt ein „Verkauft“-Zettel. Auf den übrigen Artikeln heften orangefarbene Preisschilder. Der komplette Räumungsverkauf läuft seit Anfang der Woche. Die Gründe sind vielfältig: Der Online-Handel – „ja. Das veränderte Kaufverhalten – ja. Die Bürokratie – auf jeden Fall. Aber auch Umstände wie die Parkplatzsituation in Meschede. „Die Kunden haben bei uns ja oft sperrige Gegenstände gekauft. Niemand trägt einen Karton mit einem Fernseher bis zum Parkhaus“, sagt Peter Papenheim. Und wenn Kunden nur zum Einladen vor das Geschäft gefahren sind, habe es oft Knöllchen gegeben. „Die Kunden kommen natürlich nie wieder.“

Zwei Jahre Nachfolger gesucht

Das Ehepaar hatte zwei Jahre nach einem Nachfolger gesucht. Zunächst wollte ein Geselle das Geschäft übernehmen, er hatte 25 Jahre dort gearbeitet, sich dann aber gegen die Selbstständigkeit und für eine Stelle in der Industrie entschieden. Papenheims haben Verständnis für die Entscheidung. Es gab noch weitere Interessenten, das habe sich aber alles zerschlagen. Die letzte Absage kam vor vier Wochen. „Dann haben wir entschieden: Das war’s jetzt.“

Geschäft 1990 gegründet

Peter Papenheim (65) gründete das Geschäft 1980 mit seinem Geschäftspartner Bernhard Pelster. Zunächst führten sie das Geschäft in der Emhildisstraße (jetzt Käselinde) und zogen vor 29 Jahren in die Fußgängerzone an den heutigen Standort. Vor 15 Jahren stieg Pelster aus, Papenheim führte den Betrieb, zum dem eine Werkstatt und der Laden gehört, fortan allein. Natürlich mit großer Unterstützung seiner Frau Ingeborg. Beide waren von Montag bis Samstag im Geschäft, fuhren jeden tag von Elleringhausen nach Meschede. „Wir hatten seit 15 Jahren keinen Urlaub. Und bei zwei Leuten darf auch keiner krank werden“, sagt Ingeborg Papenheim.

  • Das Geschäft heißt EP Pelster. In Meschede ist der Laden nur unter Elektro Pelster bekannt. Das EP steht allerdings für den Fachhändlerverbund Electronic Partner.
  • Das Geschäft ist durchgehend von 9-18 Uhr geöffnet.
  • Peter Papenheim lernte Radio- und Fernsehtechniker bei Kropf an der Klause in Meschede. Später machte er seinen Meister und eröffnete 1990 das Geschäft mit Werkstatt.
  • Der Ausverkauf läuft bis Ende August.

Dank an alle Stammkunden

Viele Erinnerungen hängen an dem Geschäft. Auch die Kinder René und Nora wuchsen quasi im Laden auf. „Und

wir haben wirklich viele nette Stammkunden“, sagt Ingeborg Papenheim und erzählt von den arbeitsreichen Monaten als vor zwei Jahren der Fernsehempfang von analoger auf digitale Technik umgestellt wurde: „Da kamen die Kunden nachher und haben uns Pralinen und Blumen gebracht, weil sie so dankbar waren.“ Wie auf das Stichwort kommt eine blonde Frau in den Laden und fragt fassungslos: „Was macht ihr denn? Erst Adams und jetzt auch ihr?“ Sie fragt nach einem gebrauchten Fernseher. Papenheim verspricht, sich zu kümmern. Kundenservice gehörte immer zu den Stärken von EP Pelster, so die Eigentümer. „Wir versuchen immer zu helfen“, so Peter Papenheim. Oft auch erst telefonisch – und kostenlos. „Gerade Rentner müssen auf jeden Zehner achten, und wenn ich per Telefon helfen kann, mache ich das. So haben wir schon so manchen Fernseher wieder ans Laufen gekriegt““, erzählt er.

Räumungsverkauf bis Ende August

Allerdings gab es auch die anderen Kunden. Die, die jetzt zum Räumungsverkauf das erste Mal seit Jahrzehnten wieder im Laden stehen, und die Unverschämten. So wie der Kunde, der mit einem sechs Monate alten Handy in den Laden kam. Das Display gesprungen, das Gehäuse mit Tesa zusammengeklebt. Es war ihm offensichtlich hingefallen. Der Kunde wollte allerdings einen Garantiefall melden. „Er hat uns so zusammen geschrien. Und auch noch draußen vor der Tür weiter gebrüllt“, sagt Ingeborg Papenheim und schüttelt den Kopf. „Was machst du dann?“, fragt Peter Papenheim.

Preise von Mediamarkt oder XXL Euronics mitgehen

Preisbewusstes Denken bei den Kunden sei vollkommen ok, so Papenheim. Aber vielen sei gar nicht bewusst gewesen, dass auch kleine Läden die Preise der großen mitgehen können. „Wenn wir günstig eingekauft haben, gaben wir den Preisvorteil auch an den Kunden weiter“, erklärt Peter Papenheim. Deshalb sei es oft vorgekommen, dass Kunden, die bei Mediamarkt oder XXL Euronics einkauften, überrascht gewesen seien, dass es den günstigeren Preis bei EP Pelster gab.

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