Schließung

Schmallenberg: Schneiderei Henneke schließt nach 28 Jahren

Die Schneiderei Henneke in Schmallenberg schließt am 30.April.

Die Schneiderei Henneke in Schmallenberg schließt am 30.April.

Foto: Magdalena Tigges

Schmallenberg.   Am 30.April öffnet Frank Henneke sein Nähstübchen in Schmallenberg das letzte Mal. Einen Nachfolger für das Geschäft gibt es nicht.

Im Eingangsbereich gibt es eine Umkleidekabine und einen kleinen Tresen, an dem die Aufträge entgegen genommen werden. Darauf steht eine Schale mit vielen Nadeln zum Abstecken. Das Geschäft ist 100 Quadratmeter groß - und bietet genug Platz für ein extra Zimmer zum Abstecken.

In einem großen Änderungsraum gibt es mehrere Tische zum Nähen und Zurechtschneiden. Kleiderstangen voll mit Aufträgen stehen im Raum, Bügeleisen liegen griffbereit daneben.

Heute ist nicht so viel los, wie sonst. „Einige Kundenaufträge kann ich auch zeitlich einfach nicht mehr annehmen“, sagt Frank Henneke, Inhaber der Schneiderei Henneke. „Bis zur Schließung muss aber alles fertig sein.“

Denn: Der 51-Jährige schließt aus gesundheitlichen Gründen nach fast 28 Jahren am 30. April seine Änderungsschneiderei in der Schmallenberger Bahnhofstraße.

Das Geschäft

Vor 28 Jahren übernahm Frank Henneke die Schneiderei „Wulf und Krengel“ in der Weststraße 72. „Eine Freundin hatte mich damals auf die Anzeige für die Suche nach einem Nachfolger für das Geschäft

aufmerksam gemacht. Ich war da gerade Mal 24 Jahre alt“, erinnert sich Henneke mit einem Lächeln zurück.

Er übernahm das Geschäft. Vor vier Jahren folgte dann der Umzug in die Bahnhofstraße 21.

Bis zum vergangenen Sommer wurde im Laden noch zu dritt gearbeitet, jetzt besteht das Team nur noch aus einer Gesellin und Frank Henneke selbst.

Die Schließung

Dem 51-Jährigen ging es gesundheitlich schon besser: Probleme mit dem Rücken und den Augen beschäftigen ihn und beeinträchtigen ihn im Alltag. Der Hauptgrund für die Schließung seiner Schneiderei. „Wenn ich jetzt nicht mehr umsattele, dann will mich vielleicht irgendwo anders niemand mehr haben“, begründet er seine Entscheidung.

Aus privaten Gründen wird auch seine Gesellin bald weggehen. Über die Jahre wurde immer im Team gearbeitet, alleine wollte Henneke nicht weiter machen: „Ich kann nicht gleichzeitig annehmen und nähen“.

Viele seiner Kunden trauern und finden es sehr schade, dass er aufhört, sagt er: „Meine Arbeit hatte auch viel mit Vertrauen zu tun, die Kunden überließen mir ihre wertvolle Kleidung und haben auf meine Fähigkeiten vertraut“, erklärt Henneke.

Er schätzte den Kontakt zu seinen Kunden, den offenen und ehrlichen Umgang miteinander. Zu seiner Arbeit gehörte auch immer die kompetente und ehrliche Beratung.

Die Zukunft

„In den 28 Jahre war ich nie ohne Arbeit, das hat sich und soll sich auch nie ändern“, berichtet Frank Henneke. Einen Beruf im Textilbereich könnte sich der Schneider für seine Zukunft gut vorstellen. Zunächst freue er sich aber darauf, den Alltag zu genießen und alte Menschen zu unterstützen. Denn: Er engagiert sich schon länger in der Pflege von älteren Menschen, sagt er.

Trotzdem lässt ihn die Schließung seines Ladens etwas wehmütig werden, auch, weil leider kein Nachfolger gefunden wurde - „die letzten 28 Jahre waren eine schöne aber auch anstrengende Zeit.“ Die Entscheidung sei für ihn gleichzeitig aber auch eine Erleichterung, der Druck von den Kunden sei groß gewesen.

„Etwas Distanz zu bekommen tut mir bestimmt ganz gut“, sagt der 51-Jährige. Für die Zukunft hat er noch einen Wunsch: Mehr Anerkennung für das Handwerk. „Viele unterschätzen den Aufwand, der hinter solchen Aufträgen steckt.“

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