Prozess

Schmallenberger Asylbewerber taucht vor Gerichtstermin unter

Der Angeklagte erschien nicht vor dem Jugendschöffengericht.

Der Angeklagte erschien nicht vor dem Jugendschöffengericht.

Foto: Ute Tolksdorf

Schmallenberg/Meschede.  Ein Schmallenberger Asylbewerber ist trotz Ausreiseabsicht untergetaucht. „Gefühlt passiert das bei jedem Zweiten“, so die Aussage beim HSK.

Eigentlich hätte sich am Mittwochmorgen ein junger Asylbewerber vor dem Mescheder Amtsgericht verantworten sollen. Er war allerdings unauffindbar.

Vorgeworfen wurde dem 19-jährigen Iraker eine gefährlicher Körperverletzung. Er soll im November 2018 einem Mitbewohner in der Asylunterkunft in Schmallenberg ein Messer an den Hals gehalten haben und ihn dadurch verletzt haben.

Der freiwilligen Ausreise zugestimmt

Bei der jetzt anstehenden Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht erschien er nicht. Eigentlich so, erklärte eine Mitarbeiterin der Stadt Schmallenberg, habe er einer freiwilligen Ausreise zugestimmt. Doch beim Ausreisetermin am Dienstag trafen ihn die Mitarbeiter an der Asylunterkunft - mittlerweile lebte er in Bödefeld - nicht mehr an. „Der gebuchte Flug wurde storniert, beim Sozialamt der Stadt ist er bereits abgemeldet“, erklärte sie.

Klaus Neulken, Vertreter der Staatsanwaltschaft, beantragte daher einen Haftbefehl gegen den jungen Mann. Der Iraker wurde zur Fahndung ausgeschrieben. „Wird er gefasst, kommt er erstmal ins Gefängnis“, erklärte Neulken. Dann werde entschieden, ob Fluchtgefahr bestehe. Wahrscheinlich ist, dass er dann bis zur erneuten Hauptverhandlung in Haft bleiben muss.

Jeder Zweite taucht unter

Martin Reuther, Pressesprecher des Hochsauerlandkreises, erklärte, dass es immer wieder vorkomme, dass auch freiwillige anberaumte Ausreisen nicht stattfänden und die Menschen untertauchten. „Genaue Zahlen zu freiwilligen, gescheiterten Ausreisen haben wir leider nicht“, sagte er. Im Schnitt aller Abschiebungen sei es aber jeder Zweite, so Reuther, und dabei spiele es keine Rolle, ob eine Abschiebung angeordnet worden sei oder die Ausreise freiwillig angetreten werde.

Die bekannten Zahlen zu Abschiebungen und Ausreisen im Hochsauerlandkreis:

Im Jahr 2018 gab es 112 Abschiebungen und 65 freiwillige Ausreisen von Asylbewerbern im Hochsauerlandkreis, davon scheiterten 55 Abschiebungen. In 45 Fällen war der Grund, dass man die Personen nicht antraf.

Im Jahr 2019 waren es bisher 60 Abschiebungen und 32 freiwillige Ausreisen. Es scheiterten 26 Abschiebungen, 18 mal wurden die Personen nicht angetroffen.

(Die Zahlen wurden zur Ursprungsfassung nachträglich ergänzt.)

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