Menschen in Schmallenberg

Schmallenberger erzählt vom Handwerk des Stellmachers

Der gelernte Schreiner Heinz-Josef Simon (50) hält das Rad in die Kamera, welches er früher mit seinem Vater gemacht hat.

Der gelernte Schreiner Heinz-Josef Simon (50) hält das Rad in die Kamera, welches er früher mit seinem Vater gemacht hat.

Foto: Nina Kownacki / WP

Mittelsorpe.  Der gelernte Schreiner Heinz-Josef Simon aus Mittelsorpe will sein Handwerkswissen weitergeben: „Es war damals der wichtigste Beruf im Dorf“.

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Behutsam hebt Heinz-Josef Simon (50) aus Mittelsorpe die Dokumente seiner Familiengeschichte auf. Sein Hof, auf dem der gelernte Schreiner mit seiner Familie lebt, hat viele Geschichten zu erzählen.

Besonders die damalige Stellmacherei und das dazugehörige Handwerk liegen dem 50-Jährigen am Herzen. Er hofft darauf, dass das Wissen darüber irgendwann nicht ausstirbt.

Ihre Familie lebt schon seit Generationen in Mittelsorpe im Raum Schmallenberg. Was ist Ihre Familiengeschichte?

Heinz-Josef Simon: Unser Haus hat eine lange Familiengeschichte. Das Haus wurde 1675 gebaut, unser Name Simon-Hamer ist aus dieser Zeit gelistet. Vorher war an dem Hof ein Hammerwerk bis 1840, später um 1927 hat mein Großvater eine Stellmacherei gegründet.

Aber die Geschichte geht noch viel weiter zurück: 1563 wurde unsere Hofstelle als Eisenhammer das erste Mal erwähnt. Es gibt so viele Dokumente und Geschichten rund um meine Familie und den alten Handwerksbetrieb. Ich würde gar nicht mehr aus dem Erzählen rauskommen (lacht). Gut, dass meine Vorfahren nichts weggeworfen haben.

Heute wohnen Sie mit Ihrer Familie dort. Was gibt es alles auf Ihrem Hof?

Wir haben einen kleinen landwirtschaftlichen Nebenbetrieb, mit seltenen Rindern, ein paar Hühnern, Ziegen und ein Pferd. Daneben betreiben wir ein wenig Forstwirtschaft und bieten Ferienwohnungen an. Wir modernisieren demnächst auch den Hof, damit das alte Traditionsgebäude erhalten bleibt.

Kennen Sie noch selbst den Beruf des Stellmachers?

Ja, ich kenne ihn sehr gut. Mein Vater hat alles von seinem Großvater erlernt, ich dann von meinem Vater. Auch wenn ich das nicht im Hauptberuf ausübe, habe ich viel Spaß, daran die alte Handwerkskunst als Hobby auszuüben und diese den Menschen zu zeigen. Auch meinen Kindern möchte ich mein Wissen weitergeben, damit es zukünftig nicht ausstirbt.

Was ist eigentlich eine Stellmacherei?

Die Stellmacherei hat eng mit dem Schmied zusammengearbeitet. Der Betrieb war einer der wichtigsten Berufe im Dorf. Beispielweise hat man die Heuwagen aus Holz gebaut – deren Räder wurden dann vom Schmied mit Eisen überzogen. Aber auch Sensen, Mistwagen, Schlitten und alles was man für die Landwirtschaft und die Menschen im Ort benötigte, wurden hergestellt - Bis zu dem Punkt in den 50er-Jahren als das Stellmacherei-Sterben begann.

Machen Sie beispielsweise heute noch Räder im alten Stil?

Ein Rad zu bauen ist sehr zeitintensiv, denn man braucht allein schon dafür circa zehn Stunden. Letztens habe ich einen kleinen Bollerwagen gemacht und verfolge etwas kleinere Projekte. Mein letztes Rad habe ich tatsächlich mit meinem jetzt verstorbenen Vater hergestellt. Er hat mich alles gelehrt – das Rad halte ich in Ehren. Und auf dem Dachboden ist noch ein kompletter Leiterwagen. Vielleicht wird das nächste Großprojekt, diesen wiederaufzubauen.

Wie sieht es mit der Zukunft aus? Was wünschen Sie sich für alte Handwerkskünste, wie die von Ihnen?

Mir ist es wichtig, dass die alten Handwerkskünste nicht aussterben und deren Geschichte erhalten bleibt. Ich möchte das Interesse an dem „Stellmacherberuf“ wecken, mein Wissen weitergeben und auch jungen Leuten vermitteln, dass Handwerk Spaß macht. Dabei suche ich immer wieder nach einem Austausch mit anderen traditionellen Handwerksbetrieben.

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