Gericht

Schmallenberger Landwirt soll Kitz vorsätzlich getötet haben

Rehkitze sind im hohen Gras nur schwer zu finden.

Rehkitze sind im hohen Gras nur schwer zu finden.

Foto: Simone Wolzenburg

Bad Fredeburg/Werntrop.   Ein Landwirt hatte ein Rehkitz übermäht. Absicht oder Vorsatz? Das Urteil soll vor allem dem Tierschutz dienen.

Ein Landwirt aus Selkentrop musste sich am Mittwoch wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten. Er hatte im Juni 2018 ein Rehkitz übermäht und war deswegen vom Jagdaufseher angezeigt worden. Die Anzeige hatte eine Vorgeschichte und ungewöhnlich ist dann auch ihr Abschluss.

Streit als Vorgeschichte

Schon zwei Jahre zuvor hatte der Jagdaufseher, der auch Förster des Landesbetriebs ist, den Moped fahrenden Sohn des Landwirtes auf einem Feldweg angehalten und ermahnt. Im Anschluss gerieten Landwirt und Jagdaufseher aneinander. Er habe ihn aufs Übelste beschimpft, sagte der Förster als Zeuge. In dem Streit soll auch der Satz gefallen sein: „Und eure Rehe mähe ich in Zukunft auch kaputt, davon gibt es sowieso genug!“ Im Anschluss meldete der Landwirt nicht mehr, wenn er beabsichtigte, zu mähen. „Ich habe selbst die Wiesen vor dem Mähen kontrolliert“, gab er vor Gericht an.

Landwirte sind nach dem Tierschutzgesetz verpflichtet, zum einen von innen nach außen zu mähen, um die Tiere nach außen zu drängen und zum anderen mit geeigneten Maßnahmen zu versuchen, das Leben der Kitze zu schützen. Das war offensichtlich nicht geschehen.

Von außen nach innen gemäht

Im Juni 2018 fand dann der Jagdaufseher abends eine verstörte Ricke und das tote Kitz auf der Wiese des Landwirtes. Außerdem war das Gras offensichtlich entgegen der Verpflichtung von außen nach innen gemäht worden. „Ein Drittel des Grases stand noch“, beschrieb der Jagdaufseher. Er fotografierte das tote Tier und erstattete Anzeige.

Für Richter Ralf Fischer war es vor allem die Drohung, alle Kitze absichtlich übermähen zu wollen, die zu dem jetzigen Verfahren geführt hatte. Der Landwirt gab den Streit mit dem Jagdaufseher zu, betonte aber, der Satz sei nicht gefallen und die Wiese so steil, dass man sie nicht von innen mähen könne. Außerdem habe er im Vorfeld die vier Hektar große Fläche an den „markanten Punkten“ abgesucht. So habe er auch ein Kitz gefunden und es aus dem 15 bis 20 Zentimeter hohen Gras getragen.

Der Fuchs findet die „markanten Punkte“

Der Jagdaufseher widersprach: „Markante Punkte gibt es nicht, die würde ja auch der Fuchs finden.“ Und er halte die Wiese nicht für besonders steil. 460 bis 440 Höhenmeter, ein Unterschied von 20 Metern, zeigte die von der Verteidigung vorgelegte Karte. Der Förster erläuterte auch, dass niemand eine Wiese von vier Hektar abgehen könne. „Da sind Sie sechs bis sieben Stunden unterwegs.“ Jäger nutzten dafür so genannte Wildwarner, die blaues Licht und einen Pfeifton abgeben, der die Ricke verstört, so dass sie das Kitz aus der Wiese treibt. „Das funktioniert sehr gut.“ Zusätzlich würden am Abend vor der Mahd noch Plastik-Tüten aufgestellt.

Abschluss im Sinne des Tierschutzes

Das Verfahren fand unter Richter Ralf Fischer in Absprache mit Staatsanwalt Gregor Keller und dem Angeklagten „im Sinne des Tierschutzes“ ein ungewöhnliches Ende: Der Mann muss im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs innerhalb von drei Wochen einen zivilrechtlichen Vertrag abschließen, in dem er sich verpflichtet, für die Dauer der Pacht, mindestens einen Tag vor dem Mähen, den Jagdaufseher zu informieren, so dass der geeignete Maßnahmen zum Schutz des Wildes ergreifen kann. Kommt er dem nicht nach, muss er eine Strafe von 2000 Euro zahlen. Außerdem muss er 300 Euro Geldbuße an eine Tierschutzorganisation leisten.

Nicht vorbestraft

Dafür wird das Verfahren eingestellt und der Selkentroper ist nicht vorbestraft. Auch die Gerichtskosten trägt die Landeskasse. Staatsanwalt Gregor Keller mahnte aber an, dass der Landwirt natürlich trotzdem - wie jeder - sich um den Tierschutz bemühen müsse.

„Manchmal ist es für den Rechtsfrieden und den gesellschaftlichen Frieden besser kein Urteil zu sprechen!“, sagte Fischer zum Abschluss. Er hoffe, dass der Streit, der eigentlich aus einer Banalität entstanden sei, nun beigelegt werden könne.

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