Polizei

Schon neun tote Motorradfahrer im Hochsauerlandkreis

Benzin läuft aus an der Unfallstelle am Hirschberger Weg bei Meschede: Bei diesem Unglück stirbt ein 23 Jahre alter Motorradfahrer aus Borchen.

Benzin läuft aus an der Unfallstelle am Hirschberger Weg bei Meschede: Bei diesem Unglück stirbt ein 23 Jahre alter Motorradfahrer aus Borchen.

Foto: Polizei

Meschede/Hochsauerlandkreis.  Die Zahlen sind schrecklich: Zuletzt starb auch bei Meschede ein junger Motorradfahrer. Die Polizei droht Rasern im HSK Konsequenzen an.

Neun Motorradfahrer sind in diesem Jahr auf den Straßen im HSK bereits getötet worden – zwei waren es im ganzen letzten Jahr. Acht der neun Toten sind Fahrer von außerhalb des Kreisgebietes, die offenbar die Strecken unter- oder sich überschätzen – etwa der 23-Jährige aus Borchen, der im August am Hirschberger Weg frontal in ein Auto fuhr.

Zu schnell unterwegs

Zwei Drittel der Unfälle, an denen Motorradfahrer beteiligt sind, werden auch von ihnen verursacht, sagt Sebastian Held, Sprecher der Kreispolizeibehörde in Meschede. Aus einer Auswertung 2018 weiß er: „Die Hälfte der Motorradfahrer war zu schnell unterwegs.“ Auch bei dem Unfall am Hirschberger Weg gebe es Hinweise, so die Polizei, dass zu hohe Geschwindigkeit die Ursache dieses tödlichen Unglücks gewesen ist. Sebastian Held sagt: „Es muss in die Köpfe der Motorradfahrer hinein: Beherrsche ich meine Maschine? Das fällt in die Verantwortlichkeit jedes Fahrers.“ Auch im eigenen Interesse: „Motorradfahrer sind schwache Verkehrsteilnehmer.“

Vorgeschrieben sei für sie lediglich, einen Helm zu tragen und einen Führerschein zu besitzen. Nicht einmal Schutzkleidung ist erforderlich. Die Unfallfolgen für Autofahrer haben sich dank des technischen Fortschritts verringert, betont Held. Dagegen hätte sich bei Motorrädern, abgesehen von der Einführung des ABS, technisch nichts verändert: „Es ist alles in der Verantwortung des Fahrers, ob er eine Airbagweste zum Schutz trägt oder eine Warnweste, um besser gesehen zu werden.“

„Manche Fahrer ignorieren bewusst die Verkehrsregeln“

Für Raser und rücksichtslose Fahrer sei bei uns kein Platz, sagt Erster Hauptkommissar Gregor Mertens, Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde in Meschede:

Haben Sie eine Erklärung für die gestiegene Zahl an toten Motorradfahrern?

Gregor Mertens: Ob man als Motorradfahrer einen Verkehrsunfall überlebt, hängt von vielen Faktoren ab. Insbesondere die Geschwindigkeit entscheidet über Leben und Tod. Fast jeder Unfall oder Sturz hat bei einem Zweiradfahrer Verletzungen zu Folge, daher hängt es manchmal auch vom Zufall ab, ob man überlebt oder nicht.

Gibt es „den“ typischen Motorradfahrer, den die Polizei als besonders gefährdet für Unfälle ansieht? Und was unternimmt die Polizei?

Mit einer Vielzahl von Maßnahmen bekämpft die Polizei die Unfallursachen im HSK.

Durch unsere Plakataktion „Elf arbeiten – einer liegt rum!“ soll zum Beispiel den Bikern gezeigt werden, welche Verantwortung in ihrer Fahrweise liegt. Leider stellen wir aber immer wieder fest, dass unsere Präventionshinweise in vielen Köpfen nicht ankommen. Manche Fahrer ignorieren bewusst die Verkehrsregeln. Sie nutzen unsere Straßen als Rennstrecke und setzen bewusst ihr eigenes und das Leben anderer aufs Spiel. Die unverantwortlichen Fahrer erreichen wir nur über den Geldbeutel und den Führerscheinentzug. Deshalb ziehen wir konsequent die Raser aus dem Verkehr. Technisch veränderte Maschinen werden von uns sichergestellt. Besucher sollen gerne ins Sauerland kommen, um die Strecken und die Landschaften zu genießen. Für Raser und rücksichtslose Fahrer ist hier allerdings kein Platz.

Werden immer noch Motorradrennen auf unseren Straßen gefahren? Gibt es dafür Belege?

Klassische Rennen sind bislang nicht bekannt. Allerdings erleben wir immer wieder, dass Zeiten gestoppt werden und die schnellsten Fahrten auf Youtube hochgeladen werden.

Helfen bauliche Veränderungen weiter? Können Sie sich beispielsweise vorstellen, den Hirschberger Weg noch zu verändern – oder sind nicht im Grunde alle Sicherungsmaßnahmen umgesetzt worden?

Der Hirschberger Weg galt lange als Unfallhäufungsstelle und dementsprechend wurden dort zahlreiche Veränderungen der Strecke vorgenommen.

Dort wurden beispielsweise Rüttelstreifen und Sichtzeichen auf der Straße angebracht. Auch wurde die Geschwindigkeitsbegrenzung für Motorräder auf 50 km/h eingeführt. Zahlreiche Tafeln am Straßenrand und auf den Parkplätzen der Strecke weisen zusätzlich auf die Gefahren der Strecke hin. Trotz all der präventiven Maßnahmen kommt es dennoch immer wieder zu Unfällen auf der Strecke. Der letzte tödliche Motorradunfall auf dem Hirschberger Weg ist bedauerlicherweise erst im August passiert.

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