Politischer Konflikt

Türken werfen Kurden in Meschede eine Nähe zur PKK vor

Vertreter der kurdischen Gemeinde beim Schweigemarsch in Meschede.

Vertreter der kurdischen Gemeinde beim Schweigemarsch in Meschede.

Foto: Oliver Eickhoff

Meschede.  Anlässlich des Schweigemarsches in Meschede zeigt sich ein Konflikt zwischen Türken und Kurden - bis hin zum Boykott und drastischen Vorwürfen.

Sind die Spannungen zwischen türkischer und kurdischer Gemeinde in Meschede größer als bislang bekannt? Einen Hinweis darauf liefert der Schweigemarsch, der in dieser Woche stattgefunden hat. Seit Jahrzehnten wird er in Gedenken an die Reichspogromnacht von 1938 veranstaltet. Die türkisch-islamische Gemeinde gehörte seit langem zu den Unterzeichnern des Aufrufs - und war damit in einer Gesellschaft mit Landrat Dr. Karl Schneider sowie Vertretern von evangelischer und katholischer Kirche. Jetzt fehlten Verantwortliche der Fatih-Moschee aus dem Schwarzen Bruch erneut - das sind die Gründe.

„Die oder wir“, soll es im Vorfeld der Veranstaltung geheißen haben. Gemeint ist damit: Wenn die kurdische Gemeinde teilnimmt, wird die türkische Seite nicht mitmarschieren. Recherchen dieser Zeitung bestätigten diese Haltung.

Laut EU eine Terrororganisation

In einer E-Mail zum Thema schreibt der Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Gemeinde Meschede, Ahmet Arslan: „Die Durchführung eines Schweigemarsches mit Sympathisanten der PKK kommt für uns deshalb nicht in Frage, weil die PKK laut dem Rat der Europäischen Union eine Terrororganisation ist.“

Diese Begründung, betont Arslan in seiner E-Mail, stelle die einfachste Form der Erklärung dar. Mit anderen Worten: Die türkische Seite unterstellt der kurdischen in Meschede zumindest in Teilen eine Nähe zur verbotenen PKK, und deshalb bleibt sie der Veranstaltung fern, zum zweiten Mal übrigens schon. Den Mitorganisatoren des Schweigemarsches wirft er zugleich vor, dass „die blutrünstige, gewalttätige und menschenfeindliche PKK über den friedlichen und unpolitischen Schweigemarsch salonfähig wird. Was für eine paradoxe Situation!“

Den Organisatoren der Veranstaltung ist die Situation unangenehm. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass jeder teilnehmen kann, der dieses Satz unterschreibt: „Wir treten ein für die Wahrung der Menschenrechte, widersprechen jeder Art von Judenhass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, engagieren uns für Flüchtlinge und führen den Dialog über ethnische, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg.“

Ein Sprecher der übrigen Unterzeichner sagt: Es gibt keine Gruppe oder ein Organisationskomitee, das einladen oder auch bestimmte Gruppierungen ausschließen würde. Wer sich mit diesen Zielen und Werten identifiziert, ist eingeladen.“

Erklärung unterschrieben

Das kurdische Kulturzentrum Mala Kurda von der Lagerstraße hatte die Erklärung unterschrieben - und war zum wiederholten Male dabei. Die kurdische Gemeinde äußert sich öffentlich grundsätzlich zurückhaltend zu Spannungen mit den Türken in Meschede. Seit dem Einmarsch türkischer Truppen in kurdische Gebiete in Nordsyrien kommt es auch hierzulande immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen.

>>> Hintergrund

Die verbotene PKK war in Meschede im März 2018 an einem Brandanschlag beteiligt auf das Vereinsheim der türkisch-rechtsextremen Grauen Wölfe am Lanfertsweg.

Die Täter konnten nie gefasst werden, es gibt keine Hinweise drauf, woher sie stammen. Die Staatsanwaltschaft musste das Verfahren letztlich einstellen.

Nach dem Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien führte die Polizei im Hochsauerlandkreis im Oktober ein Gespräch mit beiden Seiten. Ein Ziel: Eskalationen wie während Demonstrationen im Ruhrgebiet zu vermeiden.

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