Gesundheit

„Vernichtungskopfschmerz“: Meschederin lebt mit Aneurysma

Ulrike Welz erhielt ihre Diagnose durch einen Zufall. Sie lebt jetzt mit der Gewissheit, dass sie ein Aneurysma im Kopf hat, das jederzeit platzen kann.

Ulrike Welz erhielt ihre Diagnose durch einen Zufall. Sie lebt jetzt mit der Gewissheit, dass sie ein Aneurysma im Kopf hat, das jederzeit platzen kann.

Foto: Ute Tolksdorf

Meschede.  Ulrike Welz lebt mit einem Aneurysma im Kopf. Vernichtungskopfschmerzen prophezeite ihr der Arzt, wenn es platzt.

Will man wissen, dass man ein Aneurysma, eine lebensbedrohliche Zeitbombe, in seinem Kopf hat? Ulrike Welz hat die Frage für sich mit „Ja“ beantwortet - auch weil sie dadurch Vorsichtsmaßnahmen ergreifen kann. Trotzdem belastet sie die Diagnose, und sie wünscht sich einen Austausch mit anderen Betroffenen. „Vernichtungskopfschmerzen“ hat ihr der Radiologe vorhergesagt, wenn das Aneurysma platzt. Ein Wort, das die 61-Jährige seitdem verfolgt.

Zweitmeinung einholen

Anfang des Jahres hatte die Meschederin extreme Kopfschmerzen. „Auf einer Skala von eins bis zehn, neun dreiviertel“, sagt sie. Im Walburga-Krankenhaus fand man trotz MRT und CT nichts. Behandelt wurde sie schließlich wegen ihres Hustens mit Antibiotika auf Lungenentzündung. Wieder zu Hause, die Kopfschmerzen waren weniger geworden, drängte ihr Mann darauf, das noch einmal abklären zu lassen.

Als ihr der Mescheder Neurologe Christoph Jung die MRT-Aufnahmen zeigte, sah Ulrike Welz nur „viele merkwürdige Linien und einen schwarzen Punkt.“ Dieser Punkt, so vermutete der Neurologe, ist ein Aneurysma. „Mein erster Gedanke war, das kann gar nicht sein, ich habe doch den Arztbericht, der genau das ausschließt.“ Aber Jung vergewisserte sich bei einem Kollegen, der seine Diagnose bestätigte und der Ulrike Welz empfahl, sofort einen Termin in Münster in der Radiologie zu machen, um das abzuklären.

Blutung nicht zu stoppen

„Da habe ich erst mal ne Runde geheult“, erzählt Ulrike Welz. „Ein Aneurysma, das hört sich schon so fremd und gefährlich an.“ Zumal ihr Christoph Jung schon gesagt hatte, dass ein Aneurysma in Verbindung mit dem Blutgerinnungsmittel Marcumar, das sie nehmen muss, lebensbedrohlich ist. Welz: „Platzt ein Gefäß, lässt sich die Blutung nicht mehr stoppen.“

Zwei Besuche in Münster bei einem Radiologen und einem Neuro-Chirurgen brachten die Gewissheit und die Erkenntnis, das es letztlich nicht ohne Gefahren weiter abzuklären oder gar zu beseitigen ist. „Schon die Untersuchung kann Hirnbluten und Schlaganfälle auslösen,“ erfuhr Ulrike Welz. Außerdem, so vermutete der Neurochirurg, ist die Aussackung auch zu klein, um sie zu verschließen. Für Ulrike Welz war letztlich entscheidend, dass sie an einer Stelle im Frontallappen liegt, an der auch die Persönlichkeit des Menschen zu finden ist. Sie entschied sich gegen die OP, auch wenn das Aneurysma sich vergrößern sollte. „Ich will immer noch ich selbst sein!“

„Nach dieser Entscheidung ging es mir besser“, sagt sie und ist dankbar für die weiteren praktischen Verhaltenstipps, die ihr die Münsteraner gaben. Dazu gehörte: Nicht mehr als fünf Kilo heben, nicht über Kopf arbeiten, keine Saunabesuche, nicht fliegen, nur mit Sonnenhut in die Sonne. „Das hätte ich sonst nicht gewusst.“

Vieles geregelt

Aber sie hat auch anderes geregelt, sie besitzt jetzt eine Patientenverfügung, eine Vorsorgevollmacht, ein SOS-Handy und einen Hausnotruf - „darauf hat mein Mann bestanden.“ Aber, so sagt sie, „ich habe mir auch Särge angesehen, Briefe an meine Lieben und ein Testament geschrieben und die Musik für meine Beerdigung ausgesucht.“ Danach fühlte sie sich besser. „Ich bin ein Mensch, der Dinge regeln muss.“ Immer mal zwischendurch flammt trotzdem die Angst auf, die Einschulung ihrer Enkelin, die Hochzeit ihrer Tochter nicht mehr zu erleben.

Ärgerlich über die falsche erste Diagnose im Mescheder Krankenhaus ist sie übrigens nicht. „Fehler passieren“, sagt sie. Auf eine Nachfrage, habe ihr ein Arzt gesagt, dass man so ein kleines Aneurysma gar nicht sehen könne. „Aber ich habe es doch gesehen“, sagt sie und betont, wie wichtig es sei, immer eine Zweitmeinung einzuholen.

Über das Leben mit einem Aneurysma im Gehirn möchte sich die Meschederin gern mit anderen austauschen und freut sich über Mails an ulrike-welz@web.de.

Hintergrund

Ein Aneurysma ist eine krankhafte Gefäßerweiterung einer Schlagader – und potenziell tödlich.

Prinzipiell kann ein Aneurysma überall im Körper auftreten.

Betroffen sind vier bis acht Prozent aller Männer über 65 Jahre und 0,5 bis 1,5 Prozent der Frauen ab diesem Alter.

Bei Frauen platzt die örtlich begrenzte Auswölbung allerdings häufiger.

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