Kunst

Warum ein halbes Pferd aus dem Netto-Markt in Eslohe schaut

Das Pferd schaut vom Esloher Netto-Markt direkt aufs Fachmarktzentrum.

Das Pferd schaut vom Esloher Netto-Markt direkt aufs Fachmarktzentrum.

Foto: Frank Selter

Eslohe.  Plötzlich ragt aus der Außenwand des Esloher Netto-Marktes ein halbes Pferd. Und zwar nicht irgendein Pferd, sondern eine Wunderstute!

Die künftige Esselpromenade in Eslohe hat bereits ihr erstes Kunstwerk, bevor sich auch nur eine einzige Baggerschaufel ins Erdreich gegraben hat. Mit einem schweren Autokran ist in den vergangenen Tagen das Vorderteil eines Pferdes an der Rückseite des Netto-Marktes angebracht worden. Es beobachtet seitdem die Besucher des gegenüberliegenden Fachmarktzentrums.

Wie bereits berichtet, hat Künstlerin Silke Rehberg aus Münster, das lebensgroße Kunstwerk in ihrem Atelier erschaffen. Rund anderthalb Stunden hat nun die Installation gedauert. Die Münsteraner Künstlerin hat diese spannenden 90 Minuten selbst mitverfolgt und ist froh, dass alles reibungslos funktioniert hat.

20.000 Euro Gesamtkosten

Der Esloher Ralf Schmidt hatte die Idee für das Kunstwerk gemeinsam mit dem heimischen Künstler Thomas Jessen und dem Kunstverein Pro Forma entwickelt. Pro Forma übernimmt letztlich auch einen Teil der Kosten von insgesamt 20.000 Euro. 16.000 Euro kommen aus dem Leader-Regionalbudget. Der Esloher Verein trägt mit 20 Prozent 4000 Euro der Gesamtkosten.

Die Gemeinde selbst ist bei dem Projekt zwar außen vor, profitiert am Ende aber durchaus auch von dem Vorhaben, denn das Pferd soll so etwas wie ein Mosaiksteinchen in der Attraktivität der Esselpromenade sein, die im Zuge der Ortskernsanierung entstehen wird.

„Momentan wirkt das Pferd vielleicht noch ein bisschen verloren“, sagt Ralf Schmidt. Er ist aber überzeugt, dass sich das mit der Fertigstellung der Promenade ändern wird. Deswegen wird es bis zur offiziellen Vorstellung des Kunstwerks auch noch ein Weilchen dauern. Sie soll erst erfolgen, wenn die Esselpromenade im kommenden Sommer oder Herbst fertig sein wird. Geplant ist, dazu auch Vertreter aus Eslohes ungarischer Partnerstadt Kisbér einzuladen.

Denn: Das Kunstwerk aus Keramik ist ein originalgetreues Abbild der Wunderstute Kincsem, die im März 1874 in Kisbér das Licht der Welt erblickte. Das Pferd hatte Ende des 19. Jahrhunderts alle Rennen gewonnen, in denen es angetreten war. Und das waren immerhin 54. Bereits zum 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft hatte Eslohes Bürgermeister Stephan Kersting eine Statuette Tieres als Geschenk bekommen.

Verbundenheit unterstreichen

Die lebensgroße Büste solle nun zusätzlich die Verbundenheit beider Kommunen unterstreichen, sagt Ralf Schmidt. Wenn es nach ihm geht, könnte das neue Kunstwerk nicht das einzige im Esloher Ortskern bleiben. Gemeinsam mit dem Kunstverein Pro Forma könne er sich vorstellen, Eslohe mit mehr Kunst im Außenbereich zu bestücken und so für noch mehr Attraktivität zu sorgen.

Als Initiator sieht sich Schmidt in diesem Zusammenhang jedoch nicht. Wenn es darum gehe, Kunst nach Eslohe zu holen, sei Künstler Thomas Jessen so etwas wie der Vorreiter. Gemeinsam mit Pro Forma sehe er die neuen Ziele eher als eine Art Fortführung von Jessens Engagement, so Schmidt.

„Es wäre doch schön, wenn Radfahrer Eslohe ansteuern, durch den Kurpark und den Ortskern bummeln und dort auch etwas zu sehen bekommen“, sagt Schmidt. Inspirieren lassen hat er sich bei einem Besuch im schweizerischen Bad Ragaz - ein Ort, der immer wieder mit sehenswerten Freiluftausstellungen auf sich aufmerksam macht. „So etwas könnte ich mir wohl dosiert durchaus auch für Eslohe vorstellen“, sagt Schmidt.

Möglicherweise könne man mit Pro Forma ja so etwas wie einen roten Faden für die kommenden zehn Jahre entwickeln, sagt Ralf Schmidt. Man befinde sich bereits in Gesprächen - konkret sei allerdings noch nichts, betont er.

  • Auf Facebook wird sich über das neue Kunstwerk bereits lustig gemacht - vor allem wegen seines Standortes an der Rückseite des Netto-Marktes. Mit einem Augenzwinkern wird gemutmaßt, dass es sich um eine Aktion des Discounters handelt. Ganz nach dem Motto: „Netto, so frisch das dass Fleisch noch weglaufen kann...“
  • Mit derlei Kommentaren kann der Esloher Ralf Schmidt leben. Grundsätzlich sei es ja erst einmal gut, wenn über Kunst gesprochen werde.
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben