Schule

Warum ist die Realschule in Eslohe eigentlich so beliebt?

Katrin Schulte-Bärbig an ihrem Schreibtisch in der Realschule. Die Schulleiterin freut sich über den regen Zuspruch und die hohen Anmeldezahlen. Mir dem  Begriff „Erfolgsrezept“ tut sie sich aber schwer.

Katrin Schulte-Bärbig an ihrem Schreibtisch in der Realschule. Die Schulleiterin freut sich über den regen Zuspruch und die hohen Anmeldezahlen. Mir dem Begriff „Erfolgsrezept“ tut sie sich aber schwer.

Foto: Frank Selter

Eslohe.  Die Esloher Realschule erfreut sich großer Beliebtheit. Die Anmeldezahlen steigen und steigen. Aber warum? Ein Interview mit der Schulleiterin.

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Die Esloher Realschule erfreut sich großer Beliebtheit. So großer Beliebtheit, dass aufgrund der hohen Anmeldezahlen der Platz bald nicht mehr ausreichen wird. Wir haben mit Schulleiterin Katrin Schulte-Bärbig gesprochen.

Frau Schulte-Bärbig, welches Erfolgsrezept hat die Schule, um eine so große Beliebtheit bei Eltern und Schülern zu erlangen.

Katrin Schulte-Bärbig: Ich tue mich mit dem Begriff „Erfolgsrezept“ immer ein wenig schwer. Natürlich freuen wir uns über den großen Zuspruch. Letztlich machen wir hier aber einfach unsere Arbeit. Und mit „wir“ meine ich ausdrücklich ein engagiertes und innovatives Kollegium, das sich dieser Arbeit und den Herausforderungen mit Verantwortung und Freude stellt. Uns ist es wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich unsere Schülerinnen und Schüler angenommen fühlen. Mit „wir“ meine ich gleichzeitig aber auch unsere engagierten Schüler selbst. Sie stehen bei all unseren Bemühungen grundsätzlich im Mittelpunkt und werden bei vielen Entscheidungen mit eingebunden. An unserer Schule herrscht eine familiäre Atmosphäre, die auch die Eltern leben.

Was macht für sie eine gute Schule aus?

Eine Schule ist dann eine gute Schule, wenn die Lehrerinnen und Lehrer einen guten Unterricht machen und die Schülerinnen und Schüler in ihrer Individualität mit ihren Talenten und Begabungen angenommen und entsprechend gefördert und gefordert werden.

Die Schülerzahlen sind zweifelsohne sehr hoch, wenn man sie mit anderen Schulen um Umkreis vergleicht. Aber sind sie für die Esloher Realschule wirklich so außergewöhnlich?

Unsere Schule ist historisch gewachsen. Wir haben seit jeher ein großes Einzugsgebiet. Das spiegelt sich auch in den Schülerzahlen wieder. Die 520 Kinder und Jugendlichen, die aktuell unsere Schule besuchen, sind dabei nicht der Spitzenwert. Den haben wir in den Jahren 1979/80 gehabt. Damals hatten wir 757 Schüler. Insofern sind die kommenden Jahre zwar Jahre mit hohen Schülerzahlen aber keine Rekordjahre für unsere Schule.

Ein großes Einzugsgebiet bedeutet, dass Schüler aufeinandertreffen, die zumindest geografisch nicht viel miteinander zu tun haben. Ist das eine Herausforderung?

Wir fahren hier ein Konzept des „sanften Übergangs“. Die Schüler lernen sich bereits kennen, bevor sie das erste Mal im Klassenzimmer aufeinandertreffen. Um das Zusammenwachsen als Klassengemeinschaft zu fördern, findet ein Kennenlerntag in der OT Grevenbrück statt. Außerdem steht einmal pro Woche „Soziales Lernen“ auf dem Stundenplan. Natürlich versuchen wir, bei der Klassenbildung die einzelnen Regionen zu berücksichtigen. Aber Schule ist heute mehr als nur ein Unterrichtsort. Sie ist auch Lebensraum. Dazu zählt auch, dass sich zum Beispiel Schüler aus Elspe oder Oedingen gemeinsam mit Esloher Schülern zum Freibad-Besuch verabreden.

Sie sprachen die engagierte Schülerschaft an. Haben Sie ein Beispiel?

Ich finde es zum Beispiel beeindruckend, wenn aus der Schülerschaft heraus der Wunsch an uns herangetragen wird, sich gemeinsam mit der Feuerwehr an der Aktion „Sauberes Eslohe“ zu beteiligen. Die Schüler haben sich von selbst angeboten, in ihrer Freizeit mitzuhelfen, das Dorf von Müll und Unrat zu befreien. In Begleitung der Lehrer streben wir nun an, das Projekt während der Unterrichtszeit durchzuführen. Ich finde, das ist eine ganz tolle Sache.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Schulleiterin?

Die Rolle als Schulleiterin bedeutet für mich Verantwortung und Verpflichtung zugleich. Verantwortung, das Bewährte und Gute zu erhalten und Verpflichtung, eine intensive und strukturierte Qualitätsentwicklung zu gestalten, um ein attraktives Schulangebot hier in Eslohe anzubieten. Seit der Gründung der Realschule vor 150 Jahren hat sich in der Gesellschaft und damit auch in der Schule viel verändert. Ich denke hier etwa an Zielsetzungen, Methoden und Unterrichtsmaterialien. Als Schule der heutigen Zeit muss sich eine Schule auch aktuellen gesellschaftlichen Themen - wie zum Beispiel dem Medienverhalten von jungen Menschen - widmen.

Das müssen andere Schulen auch. Wie stellen Sie sich als Realschule diesem Thema?

Auch hier kommen wieder unsere Schüler und das große „Wir“-Gefühl an unserer Schule zum tragen. Wir haben unter unseren älteren Schülern so genannte Medienscouts, die die 5er-Klassen zu diesem Thema unterrichten und sie über die Nutzung des Handys informieren und auf die Gefahren hinweisen. Vorbereitet werden diese Stunden gemeinsam mit zwei Lehrkräften. Die Scouts bieten darüber hinaus aber auch Sprechstunden an, in denen es unter anderem um WhatsApp und die damit allseits bekannten verbundenen Probleme geht. Aber auch Passwortschutz und Altersbeschränkungen bei Computerspielen sind dabei etwa ein Thema. Das Angebot kommt gut an, weil sich die Schüler hier auf Augenhöhe begegnen. Das ist etwas völlig anderes, als wenn Lehrer oder Eltern das Thema mit dem erhobenen Zeigefinger angehen.

Bringen die hohen Schülerzahlen auch Probleme mit sich?

Hohe Schülerzahlen bedeuten mehr Kinder, mehr Eltern und mehr Namen, die man sich merken muss (lacht). Verbunden damit ist aber natürlich ein größere Raumbedarf. Das aber ist kein Problem, weil die Gemeinde als Schulträger hier bereits aktiv ist und schon Pläne für eine Erweiterung erarbeitet hat, die zum kommenden Schuljahr umgesetzt werden sollen. Und auch die Personalausstattung ist gut. Wir können alle Fächer unterrichten - selbst „Sorgenkinder“ wie Physik und Chemie sind kein Problem.

Wegen des Platzbedarfs werden übergangsweise Schüler in einem Container unterrichtet. Ist das ein Problem?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Container bietet von der Ausstattung her alles, was ein Klassenzimmer auch bietet. Für die Schüler war das gar kein Problem. Wir hatten sogar mehrere Klassen, die gern in den Container gezogen wären. Unterrichtet wird dort derzeit die Klasse 6a. Das funktioniert hervorragend.

Im kommenden Jahr wird die Realschule 150 Jahre alt. Wie werden Sie dieses Jubiläum feiern?

Das besondere Jahr werden wir mit vielen Aktionen und Aktivitäten begehen. Mit den ersten Gedankenspielen haben wir schon vor zwei Jahren begonnen. Uns ist dabei eine Ausgeglichenheit wichtig, damit es ein tolles Jahr für alle wird. Für die aktuellen Schüler, denn ohne sie währe die Realschule eine Schule ohne Leben. Für die Eltern, die unser Schulleben aktiv mitgestalten und sich durch ihr Interesse und ihre engagierte Mitarbeit dafür einsetzen, dass unsere Schule lebendig ist. Und nicht zuletzt auch für die Ehemaligen, die die Wiedersehensfreude eint, wenn sie an den Ort ihrer Schulzeit zurückkehren.

Gibt es schon ein konkretes Programm?

Halbkonkret (lacht)! Wir wollen am Dienstag, 15. Mai, mit einer symbolischen Sternwanderung aus den verschiedenen Orten ins Jahr starten. Ziel wird der Kurpark sein, um die Verbundenheit mit dem Ort zu dokumentieren. Hier ist die ganze Bevölkerung zum Mitfeiern eingeladen. Außerdem wird es eine Projektwoche und natürlich ein Schulfest geben. Und auch eine besondere Aktion für die aktive Elternschaft ist geplant, mit der wir gern feiern möchten. Höhepunkt wird dann sicherlich der Ehemaligenball am 19. September in der Schützenhalle und in Zelten davor sein. Weil wir zwar viele, aber noch nicht alle Ehemaligen erreicht haben, würde ich die Gelegenheit gern für einen Appell nutzen und die Jahrgänge bitten, sich unter schuljubilaeum.rs@eslohe-schulen.de zu melden.

  • Katrin Schulte-Bärbig ist 43 Jahre alt. Sie ist verheiratet, Mutter eines Sohnes und wohnt in Lennestadt-Elspe.
  • Von 2002 bis 2009 war sie Lehrerin an der Christine-Koch-Schule in Schmallenberg.
  • Von 2002 bis 2004 war sie außerdem Lehrbeauftragte an der Universität Paderborn Fachbereich Germanistik
  • 2009 wurde Katrin Schulte-Bärbig Schulleiterin der Christine-Koch-Schule in Schmallenberg. Die Schule leitete sie bis zum Jahr 2014.
  • Seit 2014 ist sie Schulleiterin der Realschule Eslohe.
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