Tourismus

Welche Ziele sich Schmallenbergs neue Tourismus-Chefin setzt

Katja Lutter ist seit Jahresbeginn neue Tourismuschefin in Schmallenberg und Eslohe.

Katja Lutter ist seit Jahresbeginn neue Tourismuschefin in Schmallenberg und Eslohe.

Foto: Alexander Lange / Westfalenpost Meschede

Schmallenberg  Katja Lutter steht seit Jahresbeginn an der Spitze des Schmallenberger Sauerland Tourismus. Über die Corona-Krise und Qualitätsanspruch

Katja Lutter ist die . Die 44-jährige Niederberndorferin setzte sich in mehreren Bewerbungsrunden durch. Im Interview spricht sie über Tourismus-Konzepte, Corona und Qualitätsansprüche.

Rudolf Grobbel sagte, es seien viele gute Bewerbungen um das Amt dabei gewesen, am Ende konnten Sie die Jury überzeugen. Womit?

Katja Lutter: In der finalen Runde waren meines Wissens vier Kandidaten und alle hatten die Aufgabe, sich den bestehenden Entwurf des Tourismus-Konzeptes bis 2025 vorzunehmen, Prioritäten abzuleiten und Schwerpunkte für den Tourismus in Schmallenberg und Eslohe zu definieren. Ich habe geschaut, was eine Destination braucht, was im Konzept schon enthalten ist und was eben noch fehlt. Diese Aspekte habe ich, ergänzt um konkrete Maßnahmen, in eine Präsentation gesammelt mit dem Titel „Wohin geht die Reise?“

Und wohin geht die Reise?

Denn dahinter stecken umfangreiche Prozesse, die gestartet oder fortgeführt werden müssen. Dafür braucht es Personal und Finanzmittel. Zudem muss man auch schauen, wohin sich der Markt entwickelt und wo man seine Nische findet.

Also wie Schmallenberg auf sich aufmerksam machen kann?

Genau, da geht es um Medienkonsum, Marketing und neue Wege. Im Grunde gibt es ja eine Übersättigung, die Menschen können sich vor Informationen und Angeboten kaum retten. Daher fragen wir uns: Wie erreiche ich die Leute, die Lust auf Urlaub im Schmallenberger Land haben? Welche Wege und Kanäle kann und muss ich dafür nutzen?

Können Sie Beispiele geben, wie das funktionieren kann?

Ja, ein sehr gutes Beispiel gibt es aus Graubünden. Da haben die Touristiker einen urtypischen Almbewohner vor den Computer gesetzt und via Livestream zum Züricher Hauptbahnhof übertragen. Und dort spricht er die Leute direkt an, ob sie nicht Lust auf Urlaub in der Natur haben. So etwas macht erst die Digitalisierung möglich. Es gab und gibt auch in Schmallenberg und Eslohe schon viele gute Projekte, die es lohnen, sie weiterzuführen oder neu mit Leben zu füllen.

Was zeichnet Schmallenberg denn aus? Wie kann die Region aus der Masse hervorstechen?

Vor allem der Qualitätsanspruch. Die Menschen müssen wissen: Wenn ich nach Schmallenberg oder Eslohe fahre, dann bekomme ich die Qualität, die ich will. Und wenn die Leute dann nach Hause fahren und nicht sagen „der Urlaub war okay“, sondern sagen „der Urlaub war klasse, da musst Du auch einmal hin“, dann wirkt das nachhaltig.

Haben Sie lange überlegt, sich auf die Stelle als Tourismuschefin zu bewerben?

Als Freiberuflerin bin ich schon sechs Jahre im Haus und dadurch wusste ich, was in etwa auf mich zukommen würde. Die Situation war eher in zeitlicher Hinsicht schwierig, da die Stellenausschreibung mitten im Kommunalwahlkampf kam, und ich für den Rat kandidierte. Da habe ich gründlich überlegt, ob und wie ein Ratsmandat und eine Tätigkeit als Tourismus-Geschäftsführerin vereinbar sein würden. Mir ist natürlich klar, dass es Überschneidungen geben kann und ich in manchen Themen quasi „zwischen den Stühlen sitzen“ kann. Aber auf der anderen Seite finde ich die Vernetzung von Tourismus und Politik wichtig.

War es denn von Vorteil, dass sie schon hier im Haus gearbeitet haben?

Sicherlich ist es sehr hilfreich, viele Menschen, Abläufe und Strukturen zu kennen. Zudem hilft die „Mischung“ aus meiner kaufmännischen Ausbildung und der jahrelangen Tätigkeit im Bereich Kommunikation.

Sie treten in große Fußstapfen. Was nehmen Sie von Hubertus Schmidt mit und was wollen Sie ändern?

Ich bin ein anderer Mensch, deshalb kann es kein „genauso weiter“ geben. Aber es gab so ein paar Grundprinzipien, die auch ich beibehalten möchte, zum Beispiel die enge Zusammenarbeit mit den anderen Institutionen, mit Vereinen und Verbänden in der Region. Den Gedanken von Hubertus, dass das hier ein offenes Haus ist, wo die Fäden zusammenlaufen, möchte ich aufrecht halten. Nur so funktioniert es.

Und was wollen Sie ändern?

Ich möchte die Verantwortung auf mehr Schultern verteilen und nicht alles auf eine Person zentrieren. Thorsten Schulte beispielsweise wird zum Prokuristen bestellt, so dass er mich umfänglich vertreten kann.

Gibt es schon konkrete Projekte für die touristische Zukunft?

In diesem Jahr gibt es die Wander-Initiative, ein Leader-Projekt. Da werden bestimmt sechs oder sieben neue Themenwege in den Orten entstehen. Und für alle anderen Ideen sind wir auch immer offen. Wir wollen den Gästen Vielfalt bieten, auch beim Thema Radtourismus. Gerade in der Richtung wollen wir weiterdenken. Unser Pfund, das wir hier haben, Platz und Abwechslung, müssen wir deutlich nach außen tragen.

Jetzt sind Sie nicht nur Tourismus-Chefin von Schmallenberg, sondern auch von Eslohe. Muss Eslohe befürchten, auf der Strecke zu bleiben?

Nein, auf keinen Fall. Eslohe hat viele tolle Gastgeber, Wanderwege und Ausflugsziele – das trägt zur Qualität und Vielfalt insgesamt bei und spielt somit eine ebenso wichtige Rolle.

Es geht natürlich nicht ohne das Thema Corona. Es heißt, dass Schmallenberg langfristig von der Krise und einem Urlaubs-Umdenken profitieren kann. Aber wie sieht es mit der Kurzfristigkeit aus? Werden Betriebe schließen?

Ich hoffe sehr, dass die Betriebe allesamt gut durch diese Krise kommen. Schon in den vergangenen Monaten des Lockdowns war zu beobachten, dass viele Betriebe für sich Chancen finden und nutzen; sie renovieren und machen das Beste aus der „gästefreien“ Zeit. Das finde ich faszinierend. Wo andere den Kopf in den Sand stecken, krempeln die Schmallenberger die Ärmel hoch. Und das ist m.E. genau der richtige Weg, denn wenn man eine Krise nicht als Chance nutzt, bringt sie einen um.

Hätten Sie sich auch für andere Regionen als Tourismus-Chefin beworben? Eifel oder Harz zum Beispiel?

Nein, ich glaube nicht (lacht). Hier bin ich groß geworden, die Region liegt mir am Herzen. Deswegen wüsste ich nicht, was ich in der Eifel soll.

Steckbrief:

Katja Lutter ist 44 Jahre alt und lebt in Niederberndorf, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Beruflicher Werdegang: Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung, danach kaufmännische Ausbildung bei Falke, später Wechsel in den Bereich Marketing und Kommunikation inkl. Fernstudium, seit sechs Jahren selbstständig und u.a. für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Web beim Sauerland Tourismus tätig.

Kurz und knapp:

Mein Lieblingsort in der Region…

… ist mein eigener Garten

Wanderschuhe oder Fahrradpedale…

… Wanderschuhe

Beste Jahreszeit zum Wandern...

... Frühling

Das Interview wurde vor den Anstürmen der Schnee-Touristen geführt. Was Katja Lutter dazu sagt und welche Rolle das soziale Netzwerk Instagram für den Ansturm spielen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben