Prognose

Wo tausende Einwohner bis zum Jahr 2040 verloren gehen

Drei Frauen schieben ihre Kinderwagen über die Straße: Es werden deutlich weniger Jungen und Mädchen geboren als Erwachsene sterben - die Bevölkerung schrumpft.

Drei Frauen schieben ihre Kinderwagen über die Straße: Es werden deutlich weniger Jungen und Mädchen geboren als Erwachsene sterben - die Bevölkerung schrumpft.

Foto: Marcus Brandt / picture alliance / dpa

Meschede.  Allein Meschede verliert nach einer Berechnung bis 2040 tausende Einwohner. Die Kommune wehrt sich gegen die Prognose - nicht nur sie.

Das Landesamt für Statistik hat eine Vorhersage für 2040 berechnet: Demnach werden bis dahin in allen vier Kommunen deutlich weniger Menschen als bisher leben. Besonders krass könnte es Meschede treffen. So reagieren die Städte und Gemeinden.

Meschede

Die Stadt Meschede glaubt nicht, dass die Bevölkerung so stark zurückgehen wird. „Die realen Zahlen unterscheiden sich gerade in Meschede erheblich von den Prognosen“, sagte Pressesprecherin Angelika Beuter. Die NRW-Statistiker verwendeten „Altdaten“ aus der Volkszählung 2011, die hochgerechnet und fortgeführt würden. „Wie groß die Schwankungen in den Prognosen sind, zeigt die im Demografiebericht 2016 genannte Zahl: Damals rechnete IT.NRW mit 23.114 Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahre 2040. Aktuell prognostiziert werden 25.043.“ Die Stadt Meschede selbst habe die demografische Entwicklung schon seit langem erkannt und stelle sich darauf ein. Dazu gehöre ein familienfreundliches Klima zu schaffen und einen interessanten Standort für Unternehmen zu gewährleisten.

Schmallenberg

Bürgermeister Bernhard Halbe hält die Zahlen für wenig seriös. „Es ist unmöglich eine Prognose über einen so langen Zeitraum zu stellen. In einem Landesentwicklungsbericht 1992 wurde prognostiziert, dass 2020 rund 16 Millionen Menschen in NRW leben werden, jetzt sind es rund 18 Millionen. Zumal die Einwohnerzahlen nicht stimmen. Laut der Zählung des Einwohnermeldeamtes leben 25.268 Menschen hier.“

Ein generelles Problem: „Der ländliche Raum wird nach wie vor angegriffen.“ Deswegen sei er froh, dass es jetzt die Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ gibt. Sie soll Handlungsempfehlungen mit Blick auf regionale Entwicklungen und den demografischen Wandel erarbeiten. „Gleichzeitig können wir nicht die Augen verschließen. Wir wissen, dass es einen stetigen Kampf um Einwohner gibt.“

Was tut die Stadt? Ein Beispiel sei der Breitbandausbau. Viele Initiativen setzen sich zudem vor Ort ein.

Bestwig

In Bestwig sieht man die Prognosen als erwartbar an. „Die Zahlen und Prognosen hat man immer im Blick“, sagt Sprecherin Angelika Beuter. Ein Beispiel sei das Integrierte kommunale Entwicklungskonzept (IKEK), mit dem die Ortsteile zukunftsfest, attraktiv und lebenswert weiterentwickelt würden. Ziel sei es, an der Attraktivität der Gemeinde und ihrer Dörfer zu arbeiten.

Eslohe

Auch für Bürgermeister Stephan Kersting sind die Zahlen nicht überraschend. Die demografische Entwicklung gehe auch an Eslohe nicht vorbei, sagt er mit Blick auf ein prognostiziertes Minus von 9,8 Prozent. Eine Prognose bis 2040 habe für ihn jedoch wenig Aussagekraft. Zudem müsse man die Entwicklung im Vergleich mit anderen Kommunen sehen. Das mache deutlich, dass Eslohe sehr gut dastehe. Weiterhin habe sich die negative Tendenz in den vergangenen zwei Jahren speziell für Eslohe deutlich abgeschwächt und für einzelne Dörfer gar umgekehrt.

Negativen Einwohnerentwicklungen könne man mit positiven Projekten entgegentreten, betonte Kersting und verweist auf Infrastrukturprojekte wie Esselmarkt, Dorferneuerungen, Vereinsförderungen auf hohem Niveau und die gute Schulentwicklung. Auch wenn Eslohe laut Prognose unter die 8000-Einwohner-Marke zu rutschen droht: Als eigenständige Gemeinde sieht Kersting Eslohe nicht in Gefahr. „Andere Bundesländer haben Gemeinden mit unter 2000, mancherorts sogar unter 1000 Einwohnern mit einer eigenen Verwaltung und einem eigenen Bürgermeister“, sagte er:

NRW

In 119 der 373 kreisangehörigen Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen wird die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2040 steigen,während i n 254 Gemeinden Rückgänge zu erwarten sind. Das geht aus der aktuellen Modellrechnung hervor, die jetzt vom Statistischen Landesamt Information und Technik Nordrhein-Westfalen vorgelegt wurde.

Demnach wird die Bevölkerung des Landes von 17,91 Millionen bis zum Jahr 2040 um 0,9 Prozent a uf rund 18,08 Millionen ansteigen.

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