Katholische Kirche

Wormbacher Priester soll weitere Opfer missbraucht haben

Nach den Missbrauchsvorwürfen treffen sich viele Wormbacher zum Gebet in der Pfarrkirche.  Danach fanden Gespräche im Gemeindezentrum statt

Nach den Missbrauchsvorwürfen treffen sich viele Wormbacher zum Gebet in der Pfarrkirche. Danach fanden Gespräche im Gemeindezentrum statt

Foto: Laura Handke

Wormbach.   Insgesamt sind drei Meldungen bei Missbrauchsbeauftragten eingegangen. Der beschuldigte Pfarrer streitet die Vorwürfe ab.

18.45 Uhr. Die Kirchenglocken in Wormbach läuten. Einige Menschen sind schon da. Nach und nach füllt sich die Kirche, Platz um Platz. Betroffenheit ist in den Gesichtern zu erkennen.

Fassungslosigkeit, Enttäuschung, Wut. Wut über die Missbrauchsvorwürfe in Wormbach, die das Erzbistum vor wenigen Tagen bestätigt hatte.

„Viele von ihnen haben vielleicht das Vertrauen in die Kirche verloren, in Bischöfe und Priester, die den Missbrauch über Jahre vertuscht haben. Ein Priester, der die Wormbacher viele Jahre begleitet hat, mit dem viele jahrelang zusammenlebten. Wir sind alle sprachlos“, sagt Pfarrer Erik Richter im Gottesdienst, der extra zu diesem Thema einberufen worden war. Und: „Missbrauch kann auch vor der eigenen Haustür geschehen.“ Auch in Wormbach.

Jetzt sind weitere Hintergründe bekannt geworden – und es wird klar: Womöglich könnte es noch mehrere Missbrauchsfälle gegeben haben. Nicht nur eine, sondern insgesamt drei Meldungen über den Wormbacher Priester sind in den vergangenen Jahren eingegangen.

Drei Beschuldigungen eingegangen

„Erste Beschuldigungen gegen den verstorbenen Pfarrer erreichten den damaligen Missbrauchsbeauftragten Manfred Frigger am 22. März 2010“, heißt es in einer Stellungnahme von Monsignore Andreas Kurte, Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal beim Erzbistum.

Nicht der Betroffene selbst hatte sich dort gemeldet, sondern jemand, der von einem sexuellen Übergriff erfahren hatte. Die Meldung betraf Vorgänge aus den 70er-Jahren, zum Zeitpunkt der Meldung lagen sie rund 40 Jahre zurück. Der beschuldigte Pfarrer war in diesem Zeitraum Vikar in Werl.

Nur kurze Zeit später – am 22. April – ging eine weitere Meldung beim Missbrauchsbeauftragten ein. Ein Betroffener meldete sich. „Es gab verschiedene Telefongespräche mit ihm. Benannt wurden Missbrauchsfälle aus den 1966er-Jahren“, heißt es weiter. Zu dieser Zeit studierte der Beschuldigte Theologie in Paderborn.

Pfarrer streitet Vorwürfe ab

Der Pfarrer sei daraufhin vom Erzbistum Paderborn vorgeladen und mit den Vorwürfen konfrontiert worden: „Er hat alle Vorwürfe entschieden zurückgewiesen“, so Kurte. Die Vorwürfe wurden im Juli 2010 an die „Kongregation für Glaubenslehre“ in Rom weitergeleitet.

„Im Oktober antwortete die Glaubenskongregation, dass, nach eingehender Untersuchung, die Eröffnung eines kanonischen Strafverfahrens nicht angezeigt ist“, heißt es von offizieller Seite.

Dennoch seien vom Generalvikariat in Paderborn weitere Gespräche – insbesondere auch mit möglichen Zeugen – geführt worden. Es habe aber keine weiteren Erkenntnisse gegeben.

Beschuldigter bereits verstorben

Der beschuldigte Pfarrer ging im Juli 2013 in den Ruhestand, im Januar 2015 verstarb er. „Unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes meldete sich ein anderer, uns bis dahin noch nicht bekannter Betroffener, bei dem Missbrauchsbeauftragten Dr. Franz Kalde.

Es wurden Missbrauchsvorwürfe erhoben, Tathergang und Tatort beschrieben“, so Kurte. Diese Vorfälle sollen sich in den 80er-Jahren in Wormbach abgespielt haben. Weitere Beschuldigungen seien bis heute nicht bekannt.

>>>> INFO: Opfer können sich melden

Opfer leiden oft ihr Leben lang an den Gewalttaten“, sagte Dr. Petra Lillmeier bei einem anschließenden Gespräch im Wormbacher Gemeindezentrum.

Sie ist Ansprechperson für Missbrauchsfälle im kirchlichen Bereich und ermutigte: „Sollte jemand von sexuellem Missbrauch durch Kleriker oder andere Mitarbeiter der Kirche betroffen sein: Sie können sich an die Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums wenden. Sie werden Gehör finden.“

Opfer können sich bei den Missbrauchsbeauftragten melden. Kontakte: Gabriela Joepen, Mail: missbrauchsbeauftragte@joepenkoeneke.de, 0160/7024165 und Prof. Martin Rehborn, Mail: missbrauchsbeauftragter@rehborn.com, 0170/8445099.

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