Brauchtum

Zwei Dortmunder entdecken ihre Liebe fürs Schützenfest

Schützenbrüder der St. Georgs-Bruderschaft reisten zum Fahnehissen nach Dortmund: von links Ingo Küper, Ralf Beckmann, Bernd Alliger, Dirk Siebers, Anja Beckmann und Joachim Stappert.

Schützenbrüder der St. Georgs-Bruderschaft reisten zum Fahnehissen nach Dortmund: von links Ingo Küper, Ralf Beckmann, Bernd Alliger, Dirk Siebers, Anja Beckmann und Joachim Stappert.

Foto: Privat

Meschede.   Zwei Dortmunder schlittern ins Mescheder Schützenfest und entdecken eine neue Leidenschaft.

Schützenfest? Damit hatten Ralf und Anja Beckmann nichts am Hut - bis die beiden Dortmunder im vergangenen Jahr quasi ins Mescheder St.-Georgs-Schützenfest reinschlitterten und eine neue große Liebe entdeckten.

Der Freitag

Am Freitag nach Fronleichnam hatten sich die Dortmunder nach einem regenreichen ersten Tag wieder auf die Räder geschwungen, um auf dem Ruhrtalradweg Richtung Heimat zu fahren. An der Kolpingstraße stießen sie auf einen Bierwagen. „Meine Frau brauchte eine Toilette und ich freute mich auf ein kühles Bier“, erzählt Ralf Beckmann schmunzelnd. Doch dort sollte er erstmal keins bekommen. „Warum nicht? Ich habe Geld und ihr habt Bier!“, beharrte er, bis man ihm erklärte, dass das hier der Bierwagen des neuen Schützenkönigs Dirk Esser sei und dass der gleich erwartet werde. „Du bekommst dein Bier, aber dann musst du auch auf den König warten“, hieß es. Und dann waren die beiden auch schon mitten drin. „Wir sind mit fast jedem ins Gespräch gekommen.“

Es dauerte nicht lange, da erklärte die Runde: „Ihr bleibt hier!“ Denn jetzt müssten die Dortmunder auch am Abend mit „auf“ die Halle! „Und da sitzt ihr am Königstisch!“ Anja Beckmann erhielt eine Schmierkarte - „wir wussten ja gar nicht was das ist“ - und erhielt auch sofort eine Einweisung, wie die Stullen bei St. Georg zu schmieren sind „nämlich bis in die Ecken.“ Dazu die Information: „Es gibt Frauen, die kontrollieren das.“ Aber auch das schreckte die fidelen Dortmunder nicht ab.

Ein Zimmer bei von Korff war schnell gebucht und Ralf und Anja Beckmann feierten den Freitagabend mit dem Königspaar Claudia und Dirk Esser.

Der Samstag

Selbstverständlich kamen sie auch Samstagmorgen in die Halle. „Beim Zapfenstreich hatte ich eine richtige Gänsehaut. Das war ein sehr emotionaler Moment.“ Aber auch danach wollten die Mescheder die neuen Schützenfest-Freunde noch nicht gehen lassen. Dabei hatten sie schon einmal ausgecheckt. Also zurück ins Hotel und weitergefeiert. Erst am Sonntag sollte es für sie nach Hause gehen. „Zwischendurch bin ich auch in die Bruderschaft eingetreten“, erzählt der 52-Jährige. Denn Schützenvereins-Mitglied war der Dortmunder bisher nicht und das, obwohl es nur 350 Meter von seiner Wohnung einen Verein gibt. „Aber die feiern nicht so wie im Sauerland“, ist er sicher. Er und seine Frau seien mit einer solchen Herzlichkeit aufgenommen worden, dass für beide klar war: „Wir kommen wieder!“

Das Fest 2019

Diesmal haben die Beckmanns sich direkt eine Ferienwohnung für alle Tage gemietet und auch Tochter Tanja (30) will mitkommen und sich von der besonderen Stimmung auf einem Sauerländer Schützenfest überzeugen. Da kann sie dann auch ihren Vater im Schützenzug bewundern. Denn natürlich wird er auch mitmarschieren. „Eine weiße Buxe habe ich mir extra schon gekauft“, erzählt er, Hut und Jacke werden organisiert. „Ich freue mich einfach sehr darauf, alle wiederzusehen, denn zu den Terminen übers Jahr, wie Kartoffelbraten und Zugschießen - „ich gehöre zum Zug Nord“ - hat er es aus beruflichen Gründen nie geschafft. Vorher aber stand noch ein Besuch der Mescheder in Dortmund an: Da wurde die St.-Georgs-Fahne gehisst. Einen Fahnenmast hat Ralf Beckmann natürlich, „da hängt normalerweise die Borussia-Fahne.“

>>>HINTERGRUND
Das St.-Georg-Schützenfest findet traditionell über Fronleichnam statt. Es beginnt am Mittwochabend und endet mit dem Zapfenstreich am Samstagmittag. Königsschießen ist am Freitagvormittag.

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