Corona in Moers

Corona in Moers: Bettina näht Mundschutz für Lippenleser

Maria Skora-Gewinner, Bettina Klimas und Anja Reutlinger (v.l.) mit den Mundschutz-Masken.

Maria Skora-Gewinner, Bettina Klimas und Anja Reutlinger (v.l.) mit den Mundschutz-Masken.

Foto: Matthias Alfringhaus / NRZ

Moers.  Eine Gruppe von 35 Frauen hat in Moers in der Coronakrise tausende Mundschutz-Masken genäht. Eine Idee war dabei besonders pfiffig.

Die Mundschutz-Initiative von SPD Rheinkamp und dem Arbeitskreis sozialdemokratischer Frauen (AsF) geht weit über die Grenzen von Moers hinaus. Profitieren können vor allem ältere Menschen, aber auch solche, die aufs Lippenlesen angewiesen sind.

Sehr früh in der Coronakrise haben Kadriye und Norbert Behrs gemerkt: Ein Schutz für Mund und Nase ist wichtig. Das haben die Pflegerin und der Arzt in ihrer direkten Umgebung erfahren. Behrs, zusammen mit Anja Reutlinger Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Rheinkamp, hat laut Reutlinger gesagt: „Wir als SPD-Kümmerer müssen das machen.“

Viele Masken verteilt

Umgesetzt haben diesen Wunsch anschließend Reutlinger und Maria Skora-Gewinner, AsF-Vorsitzende Rheinkamp. Sie haben im Netz und in den Medien dazu aufgerufen, Masken zu nähen. Mit Erfolg, wie Reutlinger berichtet: „Rund 35 Frauen unterstützen uns, aus der Initiative ist eine große Gemeinschaftsaktion geworden.“

Masken gehen zum großen Teil an Seniorenheime

Bisher sind so 3500 Masken entstanden, die zum großen Teil längst an Seniorenheime verteilt wurden. Aber nicht nur dort wird die Handarbeit aus Rheinkamp geschätzt, wie Maria Skora-Gewinner berichtet: „Meine Schwester Edith hat auch Masken für die Feuerwehr Moers genäht.“ Reutlinger sieht das so: „Wir haben eine Brücke geschlagen von Pflegenden zu Patienten und Senioren.“

Und für Menschen, die aufs Lippen lesen angewiesen sind, hat Bettina Klimas eine Brücke geschlagen. Gehörlose oder -geschädigte haben es in der Coronakrise zusätzlich schwer, weil ihnen die Masken von Gesprächspartnern den Blick auf dessen Mund versperren. „Der Vater eines Freundes ist gehörlos. Er kann normalerweise Lippen lesen, doch das ist jetzt nicht möglich“, sagt Klimas im NRZ-Gespräch.

Fotos im Internet wiesen sie auf Ashley Lawrence aus Ost-Kentucky hin, die offenbar bereits eine Lösung gefunden hatte. Bettina Klimas hat Lawrence per E-Mail um Rat gefragt, aber: „Es kam eine automatische Antwort mit dem Hinweis, dass sie von solchen Anfragen zurzeit überschüttet wird.“

Schnittmuster per E-Mail

Immerhin war das Schnittmuster für die praktische Maske mit Kunststoff-Einsatz in der Mail, so dass Klimas sich an die Arbeit machen konnte. Rund eine Stunde dauert es, bis Stoff und Kunststoff so miteinander verbunden sind, dass beim Sprechen die Lippenbewegungen erkennbar sind. Die Gehörlosen-Masken gibt es nur auf Bestellung: E-Mail an anja.reutlinger@t-online.de oder unter 0151 / 70153699.

Jetzt ist die Produktion nicht mehr so dringend

Im Gegensatz zum Beginn der Coronakrise, als Masken Mangelware waren, ist die Produktion laut Anja Reutlinger jetzt nicht mehr zwingend notwendig. Aber: „Wir denken in Demut an die Frauen, die sich in das Projekt eingebracht haben.

Die Reste gehen jetzt an Tafeln, Schulen, Kitas und die freiwillige Feuerwehr.“ Das ehrenamtliche Engagement der 35 Frauen ist damit keineswegs abgehakt, wie Reutlinger betont: „Wenn wir uns wieder treffen dürfen, gibt es ein großes Fest der Näherinnen.“

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