Comedy

Ein Hauch „Echsoterik“ in der Kulturhalle Neukirchen-Vluyn

Noch Fragen?

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Foto: Jennifer Wirth / WP

Neukirchen-Vluyn.  Puppenspieler Michael Hatzius gastierte mit seiner Echse in der Kulturhalle. Die brachte das Publikum mit ihren Lebensweisheiten in die Spur.

„Hör auf dein Bauchgefühl“ ist ein gut gemeinter Rat. Wenn aber plötzlich eine Zigarren rauchende Echse vor einem sitzt und genüsslich übers Leben philosophiert, gerät der altbekannte Rat ins Wanken. „Hör lieber auf die Echse“ war ein Satz, den sich am Samstag wohl viele Zuschauer dachten. Immerhin stand eine Echse auf der Bühne der Kulturhalle. Fangnetze und Mehlwürmer als Lockmittel brauchte es nicht – die Echse war ganz zahm. Puppenspieler Michael Hatzius hauchte ihr Leben ein. Der 37-jährige tourt momentan mit seinem aktuellen Programm „Echsoterik“ durch Deutschland. Im Tour-Bus ist viel los, denn die Echse, Schweinchen und ein Huhn tummeln sich darin. Alle aus Stoff versteht sich.

Vorurteilsfrei und herzallerliebst

Die Aura der Stofftiere geht auch an den Neukirchen-Vluynern nicht vorüber. Bevor der grüne Guru die Bühne betrat, schnauften sich das patzige Schwein Steffi und der Eber Thorsten an: „Wo bleibt die Echse?“ Da kam sie, alles von oben betrachtend, natürlich vorurteilsfrei und herzallerliebst. „Ihr braucht einen Heiler, einen Guru und das bin ich“, sagte das Reptil. „Ich könnte im Tal leben, ‘ne Schnake essen, aber ich will euch helfen.“ Was ihn als Guru perfekt macht? „Ich bin seit dem Urknall auf der Erde.“ Mit Fingerzeig ins Publikum fragte die Echse: „Schon mal ‘ne Kontinentalplattenverschiebung gemacht?“ Das Reptil dachte, danach wäre Ruhe. Aber dann kam Michael: „Irgendwas rotzte in meinen Nacken.“ Das „Echszem“ wurde zum Freund. „Heute stärkt der mir den Rücken, das bezahlt die Krankenkasse wenigstens“, rief die Echse und nahm einen kräftigen Zigarrenzug. Echsen mögen’s nun mal gesund: „Tofu-Wurst für die Gesundheit? Pah! Eine Gurke verkleidet sich auch nicht als Schwein.“ Wer sich ernährt, scheidet eben aus, fand die Echse.

Überhaupt sei es von Al-Qaida bis zur Biomarke Alnatura nur ein kleiner Schritt – Terror eben. Ungeduschte Ökos sind nichts fürs Echsen-Herz. „Wenn ich 72 Jungfrauen will, gehe ich Informatik studieren“, wusste die Echse, die hin und wieder wohl auch durch Hörsäle schleicht. Am Samstag schlich sie durchs Publikum. Zuschauerin Ulla kam aus Moers. Die Echse wollte es genauer wissen: „Nicht aus Neukirchen fliehn’?“ Als Ulla erzählte, dass sie als Servicekraft gearbeitet habe und nun alte Männer bediene, konnte die Echse nicht anders: „Also bist du beruflich auf der Reeperbahn unterwegs.“ Am Ende gab es riesigen Applaus für eine Show, die einmal mehr zeigte, dass Tier- und Menschenwelt sich irgendwie ganz nah sind.

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