Verrohung

Hundehaufen - Beschimpfung sorgt in Moers für Entsetzen

Der Moerser Stadtteil Utfort

Der Moerser Stadtteil Utfort

Foto: Hans Blossey

Moers.   Als ein Utforter mit dem Hund spazierengeht, sieht er einen Zettel mit üblen Beschimpfungen. Die Polizei kann kaum dagegen vorgehen.

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Ein Zettel sorgte am Dienstag im sonst eher beschaulichen Moerser Stadtteil Utfort für Aufsehen und Entsetzen. Unbekannte hatten den Zettel mit krassen Aussagen um einen Baum an der Schlehenstraße gebunden. Die Worte auf dem Zettel empfinden viele als ethisch untragbar, justiziabel sind sie aber offenbar nicht.

Wie schon so oft zuvor geht am Dienstagmorgen ein Utforter Bürger mit seinem Hund im Viertel spazieren. Als er in die Schlehenstraße kommt, sieht er in der Nähe des Kinderspielplatzes zwei Zettel, die an Bäumen befestigt sind. Er schaut genauer hin und traut seinen Augen nicht. „Wenn wir Dich asoziale Drecksau erwischen, stopfen wir Dir die Scheiße in den Hals! Schäm Dich Du dumme Kreatur!!!“ steht darauf.

Grenzen zwischen verbaler und physischer Gewalt

„Dass nicht beseitigter Hundedreck sehr ärgerlich ist, kann nicht geleugnet werden. Dies berechtigt aber keineswegs eine solche verbale Entgleisung. Da die Grenzen zwischen verbaler und physischer Gewalt heute leider fließend sind, empfinde ich das als eine reale, persönliche Bedrohung“, meint der Utforter. Den Inhalt empfindet er als so „aggressiv und bedrohlich“, dass er Kontakt zur Polizei aufnimmt.

Andrea Margraf von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde hat sich mit dem Vorgang vertraut gemacht. Sie sagt: „So etwas ist das Allerletzte. Da kommen ja auch Kinder vorbei, die so etwas lesen. Moralisch kann ich die Entrüstung des Utforter Bürgers gut verstehen.“ Gleichwohl, so Margraf, gebe es aus rechtlicher Sicht wenig Handhabe, das als Anzeige aufzunehmen.

Es ist weder eine Bedrohung noch eine Nötigung

Andrea Margraf: „Eine Bedrohung liegt nur dann vor, wenn mit einem Verbrechen gegen eine Person zu rechnen ist.“ Der Tatbestand einer Nötigung sei ebenfalls nicht erfüllt. Es könne sich auch um menschliche Fäkalien handeln. Die Polizei werde die bislang in dieser Hinsicht unauffällige Gegend jetzt beobachten, der Bezirksdienstbeamte werde mit dem Utforter sprechen.

Bürgermeister Christoph Fleischhauer meldete sich am Mittwoch ebenfalls: „Die Wortwahl ist nicht tragbar. Es ist nicht gut, über ein Plakat zu kommunizieren statt miteinander zu sprechen. Es ist immer besser, einfach auf Menschen zuzugehen.“

Der Utforter hat übrigens immer Beutel dabei, um Hinterlassenschaften des Hundes zu entsorgen.

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