Taxiunternehmen

In Neukirchen-Vluyn gehört Taxi Fitzner jetzt zu Kanther

Die drei sind vom Fach: Ralf Kanther, Albert Fitzner, Thomas Kanther

Die drei sind vom Fach: Ralf Kanther, Albert Fitzner, Thomas Kanther

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Neukirchen-Vluyn.  Albert (Männ) Fitzner hat seinen Taxibetrieb an die Brüder Kanther abgegeben. An drei Nachmittagen pro Woche hat er weiterhin mit Autos zu tun.

Taxi Fitzner – das ist in der Stadt ein altbekannter Begriff. Und keine Angst, obwohl der Chef, Albert (Männ) Fitzner, nun seine Firma in die Hände der Brüder Kanther gegeben hat, müssen Fahrgäste das vertraute Gesicht hinterm Steuer nicht vermissen.

Denn an drei Nachmittagen pro Woche wird Männ Fitzner auch weiterhin aktiv sein. „Der kommt einfach nicht vom Bock runter“, witzelt Ralf Kanther. Zusammen mit seinem Bruder Thomas spricht er in der Taxizentrale an der Weserstraße 31 über die Zusammenführung beider Firmen.

Ein zweites Standbein zur Gastronomie

Männ, das stamme noch aus alten Zeiten, berichtet Fitzner. Die Eltern führten einst das bekannte Lokal Vluyner Stuben, und er sei als kleiner Junge immer um die Theke herum gewuselt. Was ihm die Kurzform von Männlein eingebracht habe. Die Eltern waren rührig: Auch wegen der Wirtschaftskrise suchten sie sich 1929 ein zweites Standbein und eröffneten den Taxibetrieb Fitzner. „Anfangs mit einem Hanomag-Pkw und einem Opel P4“, erzählt der Sohn.

Bis 1964 führten die Fitzners die Vluyner Stuben, dann gaben sie die Gastwirtschaft zugunsten des Taxiunternehmens auf. Das übernahm der Sohn später und führte es bis heute – rund 90 Jahre Familien- und Unternehmensgeschichte gehen jetzt zu Ende. Drei Söhne gebe es zwar, sagt Fitzner. „Aber keiner will es machen.“

Viele Gaststätten haben mittlerweile geschlossen

Vieles habe sich geändert im Laufe der Jahrzehnte, weiß Fitzner. Und auch das Taxigeschäft habe gelitten. „Etliche Gaststätten haben da geschlossen; vom Alt Derp und Bahnhof Neukirchen, Lingnau und Ratsstube über Petershof, Glückauf, Paprikastube oder Kamper bis zu Haus Hackstein mit dem Saal“, blickt er zurück und wundert sich selbst, dass es tatsächlich so viele sind, die ihm auf Anhieb einfallen.

Auch die Kanthers wissen das: „Früher waren die Paprikastuben am Bendschenweg nahe der Zeche nach der Schicht voll mit Bergleuten“, erinnert sich Ralf Kanther. So manche Fahrt sei da bestellt worden. Das Ausgehverhalten der Leute habe sich heute zudem geändert. „Früher fuhren wir die jungen Leute in die Stadt. Heute wird einer ausgeguckt, der fahren muss und nüchtern bleibt“, weiß auch Thomas Kanther, der trotz allem zufrieden ist mit dem heutigen Verlauf des Geschäftes.

Taxi-Unternehmen sucht dringend Mitarbeiter

Jahrzehntelang Taxi in einer Kleinstadt zu fahren, da könnte Fitzner wohl ein Buch schreiben: „Könnte ich tatsächlich, aber Diskretion ist alles in unserem Geschäft“, sagt er.

Geändert hat sich leider auch die Attraktivität des Berufes: „Wir suchen dringend noch Leute“, erklärt Ralf Kanther. Leider fahre heute kein Student mehr Taxi zur Finanzierung des Studiums, wie es früher einmal gewesen sei. „Interessierte Leute können sich gern bei uns melden“, sagt Thomas Kanther. Trotz der rund 30 Mitarbeiter suche man immer noch Leute für die etwa 26 Fahrzeuge.

Die Kantherbrüder selbst kamen beide als gelernte Niag-Fahrer zum selbst gemachten Taxi-Unternehmen. Gottlob, im Hause Kanther ist die Fortführung des Geschäftes noch gesichert: Sohn Sascha (32) arbeitet schon seit geraumer Zeit in der Firma mit; als Fuhrparkleiter, aber auch als Mädchen für alles. „Schließlich muss er bei der Firmenübergabe ja von allen Bereichen Ahnung haben“, sagt Ralf Kanther.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben