Moerser Geschichten

Joggen im Park und die Verbindung zum Moerser Bürgermeister

Anandita Schinharl schreibt für die NRZ Geschichten einer Zugereisten.

Anandita Schinharl schreibt für die NRZ Geschichten einer Zugereisten.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Moers.  Im Jahr 2003 ist Anandita Schinharl der Liebe wegen an den Niederrhein nach Moers gezogen. Hier erzählt sie ihre Geschichten einer Zugereisten.

2003 ist Anandita Schinharl der Liebe wegen nach Moers gezogen. Wie und warum die Grafenstadt für sie lebenswert geworden ist, erzählt sie unter dem Titel „Geschichten einer Zugereisten“ für die NRZ. Dieses Mal wird im Schlosspark gejoggt.

Beim Joggen im Schlosspark wird gegrüßt

Als ich vor fünfzehn Jahren nach Moers zog und anfing, durch den Schlosspark zu joggen, war ich völlig überrascht, dass mich jeder zweite Spaziergänger grüßte oder zumindest anlächelte. Wildfremde Leute gaben ihr ‚Sportlich’ oder ‚Weiter so’ zum Besten, was mir meist ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Die Walkerinnen machten sich über meine neon-grünen Laufschuhe lustig, ich drohte ‚Nur nicht so frech!’ zurück. Joggen im Park – ein kleiner social event.

Warum mich das wundert? Zwanzig Jahre zuvor war ich nach München-Schwabing gezogen. Die Anonymität der Großstadt fand ich erst mal cool. Ich hatte Freund, Job und nette Kolleginnen, mit denen ich gern etwas unternahm. Also alles prima. Aber so richtig doch nicht. Zog ich allein los, spazieren, einkaufen oder laufen, fand kaum Kontakt statt. Kein Lächeln oder mal ein netter Spruch, jeder ging seiner Wege.

Dabei spürte ich, dass ich wahrgenommen wurde und teils auch schräg beäugt, zum Beispiel wenn ich morgens noch verschlafen meine Semmel kaufte. Bald hab ich mich ohne Make-up nicht mehr zum Bäcker getraut. Denn g’schaut ham’s scho, die perfekt gestylten Nachbarinnen, und gleichzeitig signalisiert: ‚Du tust uns überhaupt nicht interessieren.’ Und die Mannsbilder waren auch nicht besser, noch nicht mal der oberste Dienstherr der Weltstadt mit Herz.

Ist der Moerser Bürgermeister netter?

Einmal stand ich im Biergarten am Breznstand hinter dem Herrn Oberbürgermeister an. Herr Ude war kleiner, als er im Fernsehen beim Wiesn-Anstich rüberkommt, und ich mir nicht sicher, ob er’s wirklich war. Also habe ich ihn sehr freundlich gefragt, ob er mein Oberbürgermeister sei. ‚Ja’, hat er unter seinem Schnäuzer hervorgebrummt, keine Miene verzogen und sich wieder nach vorn gedreht. Wir haben noch etwa 5 Minuten schweigend vor dem Breznstand verbracht, bis er dran kam. Noch nicht mal ein Pfirti hatte er für mich übrig, der Herr Oberbürgermeister.

Nun liegt die Frage nahe, ob sich unser Bürgermeister am Gemüsestand mit mir unterhalten würde? Vielleicht stell ich mich mal unauffällig hinter ihm an und sag hallo. Beim Biohändler wäre genug Zeit, da steht man ja fast so lange wie an der Ampel am Königlichen Hof.

Autsch, das war frech und würde dem Bürgermeister gar nicht gefallen. Ob er wohl Bio einkauft? Wer Fahrradhelm trägt, kauft auch Bio oder? Zack, schon wieder. Ich überleg mir das besser nochmal. Ein bisschen Anonymität ist in Moers vielleicht auch ganz cool.

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