Feuerwehr

Moers: Im Ernstfall geht Einsatz vor Alltagsgeschäft

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Moers.  Bei der Schreinerei van Wickeren ist die gesamte Belegschaft in der Freiwilligen Feuerwehr. Im Ernstfall bleibt das Alltagsgeschäft liegen.

Wenn unter der Woche der stille Alarm mittels Pieper die Freiwillige Feuerwehr in Schwafheim zu einem Wohnungsbrand ruft, macht bei sich bei der Schreinerei van Wickeren am Heideweg im Normalfall gleich die komplette Belegschaft auf den Weg: „Wenn wir nicht gerade eine Haustür beim Kunden ausgebaut haben, lassen wir alles stehen und liegen“, berichtet Philipp van Wickeren. Viele Kunden hätten dafür Verständnis, manche leider nicht. Woran viele Bürger dabei nicht denken: Zur Rettung der Menschen tragen auch die Arbeitgeber bei, die ihre Leute für all die Einsätze freistellen. So wurde der Betrieb van Wickeren anlässlich der 100-Jahr-Feier des Löschzuges Schwafheim denn auch als vorbildlich ausgezeichnet.

Seniorchef Gerd van Wickeren: „Schon mein Großvater war beim Löschzug Schwafheim aktiv, er war wohl 1919 ein Mitgründer.“ Auch Vater Theodor sei in der Feuerwehr gewesen. „Ganz früher war wohl so gut wie jeder Mitglied. Wenn’s gebrannt hat, sind ja alle mit den Ledereimern losgerannt“, weiß Gerd van Wickeren.

Nicht für jeden Betrieb zu stemmen

Er selbst habe als junger Firmenchef kaum Zeit für den aktiven Dienst gehabt, der Wehr aber gern als passives Mitglied den Rücken gestärkt. Seit einigen Jahren sind im Unternehmen van Wickeren sowohl Schwiegersohn Philipp van Wickeren als auch sämtliche Mitarbeiter aktiv im Wehrdienst; sogar der Azubi, der sich bei der Wehr in Duisburg engagiert. Und der Senior bekundet ungerührt: „Wenn der Piepser geht, bin ich hier oft ganz alleine.“

Das sei nicht für jeden Betrieb zu stemmen, wie Wehrleiter Christoph Rudolph von der Hauptwache am Jostenhof berichtet. „Der Arbeitgeber bekommt zwar den Lohnausfall erstattet, aber nicht den Gewinn- oder Produktionsausfall, wenn beispielsweise eine Maschine stehen bleiben muss.“ Zudem seien nach einem Nachteinsatz bis zu elf Stunden Pause vorgeschrieben. „Was auch nicht jeder Freiwillige einhält, viele wollen ihren Arbeitgeber nicht hängen lassen, obwohl der Schlafmangel ja auch gefährlich werden kann“, berichtet Rudolph weiter. Und Löschzugführer Holger Pannen weiß: „Mancher Chef im Betrieb sieht den Feuerwehreinsatz nicht so gern. Das Okay der Chefs ist heute nicht mehr selbstverständlich.“

Die Verfügbarkeit sinkt

Hinzu komme, dass viele Wehrleute heute außerhalb von Moers arbeiteten, die Verfügbarkeit sinke. Rudolph: „Auch die Demografie spielt uns nicht in die Karten. Wir müssen daher verstärkt Nachwuchs und die Ausbildung der Leute fördern.“ Der nächste Brandschutzbedarfsplan thematisiere dies.

Und: Mit einer größeren Veranstaltung wolle man im nächsten Jahr auch die Arbeitgeber der Wehrleute einmal ehren. Dies sei auch im Sinne der Politik in Moers.
Gesetzlich vorgeschrieben sei, so Rudolph, dass beim Eintreffen am Einsatzort immer zehn bereitstehende Kräfte der Hauptwache und mindestens sechs Mann von den Freiwilligen vor Ort sein müssten. Danach rückten die anderen Kräfte nach. Und dies seien dann naturgemäß Freiwillige. „Sie haben daher für uns eine ganz immense Bedeutung“, unterstreicht der Wehrleiter.

Der Junior-Chef van Wickeren kam vor ein paar Jahren aus voller Überzeugung zur Freiwilligen Feuerwehr. Nicht etwa aus Abenteuerlust: „Es ist die sinnvollste Freizeitbeschäftigung, die man sich aussuchen kann.“ Und: „Helfen tut gut!“

>>> 14000 Einsätze fuhr die Moerser Wehr im vergangenen Jahr
Im Jahr 2018 gab es 1313 Brand- und Hilfseinsätze für die Moerser Wehr, der Rettungsdienst fuhr stolze 14.000 Einsätze. Bei der Hauptwache sind insgesamt 127 Kräfte beschäftigt, davon 40 im Rettungsdienst.

Alle sieben Löschzüge in Moers verfügen zusammen über 290 Wehrleute, der Löschzug Schwafheim hat 38 Aktive.

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