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Tierherberge Kamp-Lintfort: Den 29 Hunden geht es gut

Tierpflegerin Carmen Schäfer spielt mit ein paar Bernedoodlen.

Tierpflegerin Carmen Schäfer spielt mit ein paar Bernedoodlen.

Foto: Markus Weißenfels / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Den beschlagnahmten Hunden geht es in der Tierherberge gut. Damit das so bleibt, haben die Verantwortlichen bestimmte Maßnahmen getroffen.

Den 29 Hunden, die die Tierherberge Kamp-Lintfort nach einer Beschlagnahmung in der Eifel von insgesamt 139 Hunden aufgenommen haben, geht es gut. Man glaubt es kaum nach solch einer schlechten Haltung in zu kleinen Kisten und Käfigen, aber Martina Klein, Vorsitzende vom Bund deutscher Tierfreunde, sagt: „Das sind tolle Hunde, sie sind sehr menschenbezogen.“

Nadine Förster von der Tierherberge hat festgestellt: „Sie kommen gut zurecht, sie toben und genießen den Auslauf. An der Leine laufen kennen sie noch nicht so gut. Manche haben Angst, durch eine Tür zu gehen.“ Baustellen, die mit ein bisschen Geduld abzuarbeiten sind. Ansonsten hätten die bedauernswerten Tiere trotz ihres bisherigen Lebens anscheinend nichts im Gepäck, was eine Vermittlung besonders schwierig gestalten könnte. „Meistens sind doch die verwöhnten Hunde die rotzigeren“, weiß Klein.

Die Tiere sind jetzt zur Vermittlung freigegeben

Die Tiere sind jetzt zur Vermittlung freigegeben. Die Besitzerin habe nun ein Halte- und Betreuungsverbot. Und ja, Interessenten gebe es schon einige. Seltsamerweise eher für die ausgewachsenen Exemplare der Rassen Australian Shepherd, Berner Sennenhunde, Dackel und Bernedoodle. „Eine neue Rasse, die die Gelassenheit der Sennenhunde und die Intelligenz und Langlebigkeit der Pudel vereinen soll“, erklärt Martina Klein.

Sie sollen bis zu 20 Jahre alt werden. Acht puschelige und quietschfidele Welpen dieser Rasse toben durch die Tierherberge und öffnen natürlich das Herz eines jeden, der sie sieht. Aber heftige Interessenten für sie gibt es aktuell komischerweise nur wenige. Anscheinend wissen viele Hundehalter, was mit einem Welpen auf sie zukommt: „Das ist wie ein Säugling. Da ist man über Monate ständig gefordert und bekommt kaum richtig Schlaf“, weiß die Tierfreundin Klein aus eigener Erfahrung. „Stellen Sie sich mal vor, diese Tiere hätten bald nichts anderes mehr zu tun gehabt, als zu werfen wie am Fließband.“ Diese Vorstellung ist Martina Klein ein Graus und sie ist froh, den Tieren das ersparen zu können.

Es war ein langer Tag, dieser 16. Juli, an dem morgens um sieben das Video von den gequälten Kreaturen aus der Eifel bei den Tierschützern in Kamp-Lintfort einging, mit dem ein befreundeter Verein um Hilfe bat. Ohne lange zu fackeln fuhren vier Mitarbeiter sofort los. Was sie gesehen haben, sei kaum zu beschreiben. „Da saßen Dackel im Nagerkäfig, andere Tiere auch in zu kleinen Kisten und Käfigen. Es gab nirgendwo einen Tropfen Wasser. Da hat sich jemand auf dem Buckel der Tiere reich machen wollen“, stellt Klein fest.

Der Grund dafür, dass alle ausgewachsenen Hunde aus der Beschlagnahmung derzeit mit Kragen rumlaufen, ist: „Wir haben sie alle kastriert, damit sie für sogenannte Vermehrer uninteressant werden. Einige von ihnen sind nämlich hochprämiert“, erklärt Klein. Da ist Vorsicht geboten, denn die Szene sei gut vernetzt. Schließlich habe man es weder bei den Schermbecker Maltesern noch eben in der Eifel von außen erkennen können, wie es drinnen wirklich aussah. „Da sieht man nichts, da riecht man nichts. Und im Showroom sind nur zwei oder drei Tiere.“

300 bis 350 Euro Vermittlungsgebühr kostet ein Hund aus der Tierherberge. „Das deckt unsere Kosten für Kastration, Impfungen, entflohen, entwurmen, für den Chip und das Futter bei weitem nicht", erklärt Martina Klein, die auch betont, dass die Mitarbeiter der Tierherberge sorgfältig darauf schauen, in welche Hände ihre Tier kommen. Es soll ihnen auch nach der Zeit in der Tierherberge gut gehen.

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Derzeit
plagt Martina Klein auch noch eine andere Sorge: „Wir müssten zwei gebrauchte Autos kaufen, einen Transporter und so was wie einen Caddy.“

Ihr Problem: Mit Autos kennt sich in der Tierherberge niemand richtig aus. Sie hat deswegen Angst, das ohnehin knappe Geld dem Falschen hinterher zu werfen und hinterher zwei Schrotthaufen vor der Tür stehen zu haben. Martina Klein: „Ich will nichts geschenkt und nichts erbetteln, aber das Vertrauen, was Gescheites zu einem vernünftigen Preis zu bekommen.“

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