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Vertrauen in Bachelor-Abschluss hängt vom Studiengang ab

Speed-Dating an der Hochschule Rhein-Waal.

Foto: Hochschule Rhein-Waal

Speed-Dating an der Hochschule Rhein-Waal. Foto: Hochschule Rhein-Waal

Kamp-Lintfort/Am Niederrhein.   Laut einer Studie streben die meisten Studenten einen Master-Abschluss an. An der Hochschule Rhein-Waal wird großer Wert auf Praxisbezug gelegt.

Das Vertrauen vieler Studenten in den Bachelor-Abschluss ist nicht sehr groß. Das zeigt eine Studie der Studenten-Zeitarbeitsvermittlung „Studitemps“ in Köln in Zusammenarbeit mit der Maastricht-Universität. Danach streben bundesweit etwa zwei Drittel der Studierenden als höchsten Abschluss den Masterabschluss an. An der Hochschule Rhein-Waal mit ihren Standorten in Kamp-Lintfort und Kleve habe man da andere Erfahrungen, wie Präsidentin Dr. Heide Naderer bekundet. „Das hängt sehr von den Studiengängen ab“, sagt sie.

„Studitemps“ unterhält 19 Standorte in ganz Deutschland. Felix Wolf von der Vermittlung in Köln berichtet, man befrage in regelmäßigen Abständen die deutschen Studenten zur Wirtschafts- und Lebenssituation. Die Studie, zuletzt für 2015/16 erhoben, greife dabei auf den „Studitemps“-Datenpool zu.

Unternehmen: Bachelor-Studenten haben wenig Praxis

Dieser verfüge, so Wolf, über etwa 40 000 Studenten. Derzeit seien rund 6800 Studierende bundesweit über Studitemps auf dem Arbeitsmarkt beschäftigt. Sie studierten an den verschiedensten Hochschulen und Universitäten im Land. In NRW streben laut der Studie mit 13,6 Prozent im Vergleich noch am meisten Studierende den Bachelor als Abschluss an (64,7 Prozent den Master).

Viele Wirtschaftsunternehmen beklagten die mangelnde Praxis der Bachelor-Absolventen, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Was Dr. Heide Naderer nicht nachvollziehen kann: „Wir legen großen Wert auf die Praxis. Dies war ja gerade ein Anliegen der Reformer, die im Jahr 2000 die Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt haben.“

An der Hochschule Rhein-Waal sind Praktika Pflicht

Elf Master- und 25 Bachelor-Studiengänge gibt es an „Rhein-Waal“. Genauere Zahlen über den Vergleich beider Abschlüsse an „Rhein-Waal“ konnte Naderer nicht geben. Seit dem Start 2009 in Kleve und 2012 in Kamp-Lintfort habe man diese Daten nicht erhoben. Erste Bemühungen, nach dem Verbleib der ehemaligen Bachelor-Absolventen zu forschen, seien jedoch gerade im Gange.

Man tue sehr viel, um die Studierenden auf die berufliche Praxis vorzubereiten, erklärt Naderer. So gebe es die Pflicht zu einem halbjährlichen Praktikum während des Studiums oder einem Auslandsaufenthalt, auch sechswöchige Vorpraktika fänden statt und müssten bis zum dritten Semester absolviert werden. Die Studierenden müssten je nach Studiengang auch praktische Module in Betrieben belegen. „Wir sind gerade dabei, die Möglichkeiten des dualen Studiums auszubauen. Dabei arbeiten Studierende schon in einem Betrieb.“ Dies sei gewissermaßen das Studium „mit Goldrand“.

Kooperationen gibt es auch bei Abschlussarbeiten

Auch dafür pflege die Hochschule Kontakte zu den Wirtschaftsunternehmen der Region. „Wir kooperieren auch, was die Abschlussarbeiten der Studierenden angeht.“ Nicht zuletzt gebe es an „Rhein-Waal“ auch gut 90 Plätze, die über das „Deutschland-Stipendium“ zur Hälfte von der Wirtschaft gefördert würden.

Regelmäßig richte die Hochschule darüber hinaus ein „Speed-Dating“ aus, bei dem Betriebe und Studenten Kontakt aufnehmen könnten. Überhaupt versuchten Unternehmen in vielen Fachbereichen schon frühzeitig, Nachwuchs zu finden: „Es kann eigentlich nicht sein, dass jemand anschließend mit leeren Händen dasteht“, zieht Naderer ein Fazit.

Sehr beliebt in Kamp-Lintfort ist die Psychologie

Renner unter den Studienfächern sind in Kamp-Lintfort und auch bundesweit, so die Studie, die betriebswirtschaftlichen Studiengänge, gefolgt von den Ingenieur-Studiengängen und den Geisteswissenschaften.

„In Kamp-Lintfort haben wir darüber hinaus auch Hunderte von Bewerbungen für das Fach Psychologie. Denn auch da sind wir mit Schwerpunkten wie Arbeits- und Organisationspsychologie sehr praxisbezogen aufgestellt.“ Weniger Nachwuchs wachse dagegen beispielsweise in der Informatik nach. „Der Bedarf am Markt ist groß, aber der Studiengang ist bekanntlich nicht einfach.“

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