Stadtplanung

Warum ein Radweg-Plan in Moers für Ärger sorgt

Ulrich Hadel (links) und Friedel Brandenbusch auf dem Trampelpfad, den die Stadt zu einem Radweg umbauen möchte.

Ulrich Hadel (links) und Friedel Brandenbusch auf dem Trampelpfad, den die Stadt zu einem Radweg umbauen möchte.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Moers.  Die Stadt plant in Moers-Asberg neben der Sanierung des Sportplatzes einen Radweg. Pächter des Grabelandes müssten dafür im Zweifel weichen.

Wo Interessen gegeneinander laufen, sind Konflikte kaum zu vermeiden. Wie momentan in Asberg. Die Stadt möchte den dortigen Sportpark sanieren und gleichzeitig das gesamte Umfeld aufmöbeln, unter anderem mit einem Radweg, der Schwafheimer Bergsee und Innenstadt miteinander verbindet.

Das gesamte Projekt soll rund 4,3 Millionen Euro kosten, allerdings würde das Bundesförderprogramm mit dem sperrigen Titel „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ rund 3,9 Millionen übernehmen. Das aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Und sehr zum Missfallen der Hobbygärtner, die dort Grabeland bewirtschaften, das sie von der Stadt gepachtet haben.

Momentan ist der Naturraum rund um den Sportplatz in Asberg lediglich über schmale Trampelpfade begehbar. Das möchte die Stadt ändern, indem sie einen Pfad ausbaut, der zwischen Schneider Baggerloch und Grabeland liegt, das elf Pächter seit teilweise 50 Jahren bewirtschaften. Ein drei Meter breiter befestigter Fuß- und Radweg soll dort entlangführen, links und rechts flankiert von 1,50 Meter breiten Bewirtschaftungsstreifen. Macht eine sechs Meter breite Trasse.

Um die zu realisieren, müssten die Pächter des Grabelandes einen beträchtlichen Teil ihrer Gärten abtreten, was die Bewirtschaftungsflächen auf ein Minimum reduzieren würde. Die Stadt sieht eine „Aufgabe des Grabelandes“ eigentlich als „unumgänglich“ an und möchte den Pächtern als Alternative Saisongärten oder Parzellen in einer Kleingartenanlage anbieten.

Mit diesem Entwurf ging die Verwaltung im Mai dieses Jahres in den Planungsausschuss – und scheiterte. Die Politiker im Ausschuss forderten die Verwaltung auf, zunächst mit den Grabeländern zu sprechen.

Pächtern stinkt das Vorgehen der Verwaltung

Den Pächtern stinkt das Vorgehen der Stadtverwaltung nämlich gewaltig. Nicht nur, dass sie anfangs nicht aktiv über die Planung informiert worden sind. Sie sehen das gesamte Umfeld des Sportplatzes, die elf Parzellen des Grabelandes, die von alten, hohen Hecken umzäunt sind, das Schneider Baggerloch und den Wald- und Baumbestand mitsamt den Trampelpfaden als zusammenhängendes Habitat, das für Tier- und Umweltschutz dringend erhalten werden muss. Ein befestigter Rad- und Fußweg zerstöre die belebte Natur, sagen Friedel Brandenbusch und Ulrich Hadel stellvertretend für alle Grabeländer.

Sie geben zu, dass sie als teils langjährige Pächter des Geländes „auf einem Auge blind“ sind, doch auch ohne Grabeland ergebe ein Radweg an dieser Stelle wegen des besonderen Naturraums keinen Sinn. Außerdem sei ein Radweg an dieser Stelle viel zu gefährlich, da er am Ende über eine Anhöhe auf die Ruhrorter Straße treffen soll, die rund vier Meter unter dem Radweg liege.

Von den Pächtern bevorzugte Variante ist nicht förderfähig

Die Verwaltung sei für einen Kompromiss nicht empfänglich, sagen die Grabeland-Pächter. Dabei habe das die Politik doch vorgegeben. Das sei allerdings nicht ganz richtig, sagt Stadtsprecher Thorsten Schröder. Die Politik habe lediglich gesagt, dass die Verwaltung das Gespräch mit den Grabeländern suchen solle, bevor man eine Entscheidung fällt. Das habe man getan und darüber hinaus auch verschiedene Alternativen aufgezeigt. Zum einen eine neue, verkleinerte Parzellierung der bestehenden Flächen, zum anderen eine Reduzierung der Wegbreite von sechs auf dreieinhalb Meter.

Beide Vorschläge seien bei den Grabeländern auf Ablehnung gestoßen. Lediglich der letzte Vorschlag habe ihnen gefallen: Dieser sieht vor, den Radweg über die Asberger und Rheinhausener Straße zu führen. Genau das steht auch in der Stellungnahme, die die Grabeländer für den nächsten Planungsausschuss am 12. September formuliert haben.

Das Problem: Diese Variante ist laut Stadt als einzige nicht förderfähig. Würde sich die Politik für den Radweg über Asberger und Rheinhausener Straße entscheiden, bliebe sie auf den gesamten Kosten von 4,3 Millionen Euro sitzen.

Die Verwaltung benötigt die Entscheidung der Politik

Nun liegt die Entscheidung in der Hand der Politik. Man werde sämtliche Vorschläge und auch die Stellungnahme der Grabeländer an den Planungsausschuss geben, sagt Thorsten Schröder und betont, dass die Stadt nicht auf einen offenen Konflikt mit den Pächtern aus sei. Allerdings benötige man eine Entscheidung, um die Modernisierung der Sportanlage bis Ende 2020 umsetzen zu können.

Um die Förderung dafür nicht zu gefährden, würde man sich im Zweifel auch entscheiden, die Planung für das Umfeld und damit für den Radweg von der Sanierung des Sportparks Asberg abzutrennen, sagt Thorsten Schröder. Das müsse aber die Politik beschließen. Und mit dem Bund müsse man dann auch nochmal reden.

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