Unternehmergeist

Wie ein Agenturchef aus Moers zum Olivenbauer wurde

Che Urselmann hatte hier in Moers-Hülsdonk seine Firma Zero Kommunikation. Inzwischen hat er sie verkauft.

Che Urselmann hatte hier in Moers-Hülsdonk seine Firma Zero Kommunikation. Inzwischen hat er sie verkauft.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Moers.  Che Urselmann gehörte eine Agentur zur Produktion von Werbemedien in Moers. Nach deren Verkauf sattelt er um: Er stellt Olivenöl in Italien her.

Che Urselmann hat in seinem Leben schon eine Menge Haken geschlagen. Noch als Student hat er als Buch- und Zeitschriftenverleger angefangen, hat seine Firma von Mülheim nach Moers verlegt und sie so oft „gehäutet“, bis sie eine Agentur zur Produktion von Werbemedien war. Wie oft er umgezogen ist, kann Urselmann auf Anhieb gar nicht sagen. Dass er nun nach dem Verkauf seines Unternehmens und mit 66 Jahren noch einmal etwas Neues anfängt, kommt in diesem bewegten Leben also gar nicht mal überraschend. Urselmann ist unter die Olivenbauern gegangen und stellt in Italien Bio-Olivenöl her.

1998 kaufte er mit seiner Familie ein Grundstück in Ligurien

Nicht, dass der Mann angesichts der vielen Veränderungen in seinem Leben ein Getriebener wäre. Im Gegenteil, er ist offenbar einer, der in sich ruht. Und es gibt ja durchaus Konstanten. Eine davon ist, dass er stets ein Linker gewesen und seit ein paar Jahren auch Mitglied der Partei Die Linke ist. In seiner Jugend formte er aus den Anfangsbuchstaben seiner Vornamen Carl Heinz den Namen Che in Anlehnung an den kubanischen Guerillaführer Che Guevara. Die meisten Freunde und Bekannten kennen Carl deshalb nur als Che.

Nun also Italien. Äußerlich können die frühere und die heutige Wirkungsstätte unterschiedlicher kaum sein: Che Urselmanns ehemalige Firma „Zero Kommunikation“, für die er gelegentlich noch als Berater tätig ist, residierte bis zu ihrem Umzug nach Kamp-Lintfort vor kurzen im Gewerbegebiet Hülsdonk in einem grauen eingeschossigen Zweckbau. In Italien dagegen ist alles grün und Natur und ein bisschen wild. 1998 hat Che Urselmann mit seiner Familie ein Grundstück im norditalienischen Ligurien gekauft und dort ein Haus gebaut. Auf dem Grundstück stehen 24 Olivenbäume, doch geerntet hat Urselmann zum ersten Mal 2004, motiviert durch Freunde, die vor Ort leben. „50 Liter sind damals zusammengekommen“, erinnert er sich. Und er kam offenbar auf den Geschmack. In den folgenden Jahren kauften und pachteten die Urselmanns weitere Grundstücke, die Zahl ihrer Olivenbäume wuchs. Demnächst werden es rund 150 sein, allesamt bis zu 200 Jahre alt.

„Die ganze Gegend ist ein riesiger Olivenhain“, erzählt Urselmann. Nur in Ligurien wird die Olivensorte Taggiasca angebaut, die Dank des konstanten und meernahen Klimas besonders mildes und fruchtiges Öl hervorbringt. Urselmanns Parzellen liegen terrassenförmig am Hügel Colle Lupi, der seinem Öl den Namen gibt: Olio Colle Lupi. Dreimal im Jahr für jeweils ein bis zwei Monate macht er sich auf ans Mittelmeer. Im Oktober geht’s zur Ernte wieder hin, wenn die meisten Oliven grün sind, beziehungsweise sich ins Blaue verfärben. Urselmann könnte auch später ernten, der Ertrag wäre sogar größer. Doch da er komplett auf Chemie verzichtet, wächst für die Frucht mit jedem Tag länger am Baum die Gefahr, dass die Olivenfliege sie schädigt.

Geerntet wird mit Teleskopschüttlern, langen Stöcken und per Hand. Etwa zwei Wochen dauert das, aber immer nach zwei bis drei Tagen werden die frisch geernteten Oliven zur Ölmühle ins Tal gebracht, nachdem sie von Blättern und kleinen Aststücken getrennt wurden, die unweigerlich mitgeerntet werden.

Che Urselmann erwartet einen Ertrag von 500 Litern

Das passiert in einer Art „Rutsche“, die im Volksmund in Ligurien „chitarra“ (Gitarre) genannt wird. In der Ölmühle werden sie gereinigt und – nachdem die Kerne vom Fruchtfleisch separiert sind – zerkleinert und dann zweieinhalb bis drei Stunden in Zentrifugen geschleudert. Die Temperatur des Öls darf dabei nicht über 27 Grad steigen, nur dann handelt es sich um kaltgepresstes Öl. Kurze Zeit reift es in Edelstahlfässern, dann füllt Urselmann es in Kanister ab.

Anfangs hat Che für den Eigenbedarf produziert. In diesem Jahr erwartet er einen Ertrag von 500 Litern – zu viel für die eigene Küche oder als schönes Geschenk für Familie, Freunde und Geschäftspartner. So entschloss er sich, das Öl mit einem Säuregehalt von 0,3 Prozent professionell zu vertreiben. Eine ganze Weile brauchte er, um die passenden, lebensmittelechten Kanister aus Weißblech zu finden. Sie wurden extra für die Lagerung und den Verkauf von hochwertigen Speiseölen entwickelt. Jetzt bietet er das Olio Colle Lupi im Internetshop zum Preis von 18 Euro pro Liter an. Zum Sortiment gehört neuerdings Olivenblättertee.

Ob es dabei bleibt, ist offen. Gut möglich, dass Urselmann nach und nach weitere Produkte – mediterrane Kräuter und Weine aus der Region beispielsweise – in den Shop aufnimmt.

Dass er mit seinen Bio-Oliven viel Geld verdienen wird, bezweifelt er. Dazu, sagt Che, seien die Investitionen zu hoch und die Erntemenge zu gering. „Die Arbeit in der Natur und in der Gruppe macht Spaß“, erklärt er seine Motivation. Freilich ist ihm zuzutrauen, dass der Verkauf von Olio Colle Lupi kein Zuschussgeschäft wird. Schließlich war Che nie angestellt und hat seinen Lebensunterhalt stets als Unternehmer verdient: „Jetzt die Hände in den Schoß legen, das will ich nicht.“

Mehr über Che Urselmanns Olivenöl finden Sie auf www.olio-colle-lupi.de

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