Abenteuer

18-jähriger Mülheimer erlebt das Abenteuer seines Lebens

Für den 18-jährigen Mülheimer Leon Kaminski wurde eine geplante Erlebnistour in den Norden Englands zu einem echten Abenteuer.

Für den 18-jährigen Mülheimer Leon Kaminski wurde eine geplante Erlebnistour in den Norden Englands zu einem echten Abenteuer.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Für den Mülheimer Leon Kaminski wird aus einer geplanten Erlebnistour echtes Abenteuer. Dabei musste er manch gefährliche Situation überstehen.

Leon Kaminski ist mit seinen 18 Jahren ein junger Mann, der ein ganz gewöhnliches Leben führt. Er ist Schüler an einem Essener Sportgymnasium, lebt in der Mülheimer Innenstadt, spielt gerne Fußball und liebt noch mehr den britischen Fußballverein FC Aston Villa aus Birmingham. So weit, nicht ungewöhnlich. Möchte man meinen!

Doch Leon Kaminski hat Besonderes erlebt, er ist aufgebrochen mit Sack und Pack, als junger Mensch und kam zurück – als Abenteurer. Und wenn er so erzählt, von dem, was er so alles erlebt hat, da möchte man fast gar nicht mehr aufhören, ihm zuzuhören.

„Wenn du 18 bist, machst du etwas ganz anderes“

Alles fing zu Beginn des Jahres an. Er fasste einen Entschluss: Er wollte Urlaub machen, in diesen Sommerferien, seinen letzten Sommerferien. 2020 steht das Abitur an. So weit, nicht ungewöhnlich. „Ich bin früher oft mit Freunden weggefahren“, berichtet Leon Kaminski. Aber auch in diesem Jahr einen Party-Trip, dafür auch noch viel Geld ausgeben? „Das war es mir nicht wert.“ Außerdem hatte er sich fest vorgenommen: „Wenn du 18 bist, dann machst du etwas ganz anderes.“

So sollte es sein. Er nahm sich vor, fest entschlossen: Es sollte ein Trip sein, der ihn weit weg von der Zivilisation führt. Er musste gar nicht weit fahren, um das zu erleben, was ihn an den Rand seiner psychischen und vor allem seiner physischen Kräfte brachte.

Einmal in Englands Norden von West nach Ost

Das Ziel: England. Denn zu diesem Land hat er doch schon immer einen Hang gehabt. Nicht zuletzt durch Aston Villa, dessen Spiele er mitunter gerne auch mal live und unter britischem Flutlicht in Birmingham verfolgt. Sein Vorhaben: Durch intensive Recherche stieß er auf den „Coast to Coast Walk“ – einmal Englands Norden von West nach Ost. 300 Kilometer. Von Küste zu Küste. Die Route sollte ihn durch drei Nationalparks führen, währenddessen wollte er insgesamt 13.000 Höhenmeter bewältigen.

Er bereitete sich vor, er recherchierte, las Erfahrungsberichte, stattete sich mit allerhand Ausrüstung aus. Denn er brauchte für seine Wanderung eine ganze Menge. In seinem 80-Liter-Rucksack trug er ein Zelt, eine Kochausrüstung, Kleidung und noch viel mehr bei sich. Alles war ultraleicht, hatte so wenig Gewicht wie möglich. Und doch waren es am Ende 15 Kilogramm Gepäck.

Leon Kaminski wollte aus seiner Komfortzone raus

Leon Kaminski beschreibt sich selbst als entscheidungsfreudig. Und wenn man ihm so zuhört, dann scheint er sehr offen, für neue Dinge, Erlebnisse und Begegnungen. „Ich wollte einfach mal aus der Komfortzone raus“, sagt Leon Kaminski heute, drei Wochen nach seiner Rückkehr.

Raus aus der Komfortzone – so war es dann auch. In der ersten Nacht auf englischem Boden tat er kein Auge zu. „Es regnete in Strömen und stürmte. Ich hatte Angst, dass das Zelt wegfliegt. Es war eine Horror-Nacht.“ Die zweite Nacht verbrachte er, ebenfalls nach einigen Widrigkeiten und 32 per Fuß zurückgelegten Kilometern später, in tiefem Schlaf. Ausgeruht für die nächste Etappe macht er sich auf den Weg. Doch dabei führte es ihn, wider Erwarten, in die Berge hinein. „Ich dachte, ich wäre sehr gut vorbereitet, doch darauf war ich es absolut nicht“, erinnert sich Kaminski. „Das war kein Zuckerschlecken.“

Auch körperlich stieß der junge Mann an seine Grenzen

Es kam noch schlimmer: Denn es gab noch eine weitere Nacht ohne Schlaf, dafür aber mit heftigem Gewitter. „Mein Vater hatte mir noch zu Beginn der Reise gesagt: ,Du kannst alles machen, aber schlaf nur nicht bei einem Gewitter im Zelt’.“ Wieder tat er kein Auge zu.

Auch körperlich stieß er an seine Grenzen. Es gab Tage, da war es über 30 Grad warm, Leon lief und wanderte, Kilometer um Kilometer, ohne ausreichend zu trinken. Sein Speiseplan in all der Zeit: Müsli und Trekking-Nahrung, die bald nur noch „abscheulich“ schmeckte. Irgendwann im Laufe dieser Reise hat der junge Mann festgestellt: „Für diesen Weg bist du eigentlich gar nicht gut genug ausgerüstet.“

Aus der Erlebnistour wurde später eine Überlebenstour

Die Fragen, die sich ihm stellten: Abbrechen? Weitergehen? Die Antwort: Leon Kaminski brach seine Reise, die am 21. Juli begonnen hatte, am 26. Juli wieder ab. „Aus der Erlebnistour wurde für mich später eine Überlebenstour, ich habe im Vorfeld nicht an die Gefahren gedacht“, resümiert der Schüler. Denn eigentlich wollte er doch viel länger bleiben, sich elf bis zwölf Tage auf Wanderschaft begeben. „Ich bereue es nicht“, sagt der 18-Jährige. „Für mich war es ein Erfolg.“

Denn: „Ich habe dabei festgestellt, dass man nicht zu sehr auf andere hören sollte. Man muss seine eigenen Erfahrungen machen.“ Und: „Inmitten dieser wunderschönen Natur kommt man sich so wahnsinnig klein vor.“ Zuhause sei man stark, im Kreise von Familie, Freunden, im gewohnten Umfeld. „Während meines Trips habe ich gespürt, dass die Natur das Sagen hat.“ Und, dass er ganz schön einsam war. „Erst wenn man ganz alleine ist, weiß man die Gesellschaft der anderen Menschen um einen herum zu schätzen.“

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