Friedhofssatzung

Baby stirbt durch Keim: Mülheimer Mutter kämpft um Steingrab

Jasmina Hockauf kämpft dafür, ihr Grab so gestalten zu dürfen, wie sie das möchte.

Jasmina Hockauf kämpft dafür, ihr Grab so gestalten zu dürfen, wie sie das möchte.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  James ist mit nur einem Monat durch einen Keim gestorben. Seine Mutter wünscht sich ein Steingrab – das verbietet die Mülheimer Friedhofssatzung.

James wurde nur einen Monat alt. Ein Keim legte sich erst auf seine Lunge, dann auf sein Herz. Sechs Wochen zu früh geboren, starb er am 11. Juni 2018 in einem Essener Krankenhaus. Seine Mutter, in Broich aufgewachsen, wollte ihn bestatten lassen in ihrer Heimat, dort, wo sie schon ihren Vater zwei Jahre zuvor hatte begraben müssen. „Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, ich hätte ihn woanders beerdigt“ sagt Jasmina Hockauf heute, ein Jahr später.

Mülheimer Mutter: „Für einen selbst hört die Trauer ja nie auf“

Nach dem Tod ihres kleinen Sohnes geht sie in eine Trauergruppe, trifft andere Eltern, die ihr Kind verloren haben, geht mit ihnen zu den Gräbern. „Ich bin die einzige, die kein Steingrab haben darf, weil mein Kind in Mülheim begraben liegt.“ Was sich Jasmina Hockauf wünscht, ist eine Steingrabumrandung. Weil die Hecke schnell vertrocknet, weil das Unkraut sprießt und auch, weil sie in ihrer Trauer das Grab so gestalten möchte, wie es ihr gut tut. „Für einen selbst hört die Trauer ja nie auf“, sagt die 36-Jährige, die mit dem Tod ihres Sohnes auch ihren Partner verloren hat. „Die Trauer hat uns getrennt.“

Manchmal sitzt sie stundenlang am Grab, will die Jahreszeiten mit ihrem Sohn feiern, will dekorieren für Ostern und Weihnachten. Und manchmal schafft sie es vor lauter Schmerz nicht, zum Grab zu gehen, will, dass es trotzdem noch gepflegt ist, wenn sie die Kraft hat wiederzukommen.

Mülheimer Friedhofssatzung verbietet „Einfassung auf Kindergrabstätten“

Doch nach der Friedhofssatzung ist die „Verlegung von Einfassungen auf Kindergrabstätten“ nicht erlaubt. Jasmina Hockauf wendet sich an die Stadt, an die Friedhofsverwaltung, bei der sie sich nicht gut behandelt fühlt. Man habe ihr gesagt, sie könne einen Antrag stellen, aber er würde ohnehin abgelehnt. Ein neues Friedhofskonzept sei in Arbeit, derzeit ließe sich aber nichts an den bürokratischen Regeln ändern.

Die Bürgeragentur vermittelt und muss der 36-Jährigen die gleiche Mitteilung machen. Denn, so ist es in Paragraph 24 der Friedhofssatzung festgelegt: „Soweit nicht in den Belegungsplänen oder in dieser Satzung ausdrücklich erlaubt, sind Einfassungen nicht zugelassen.“

Jasmina Hockauf startet eine Petition, „ich bin nicht alleine“, sagt sie, denn viele Eltern wollen Freiheit für die Gestaltung der Gräber ihrer Kinder. Über 300 Menschen haben sie bislang unterzeichnet; die 36-Jährige hat am Treffen der Interessensgemeinschaft gegen das Friedhofskonzept teilgenommen, um Unterstützer zu finden. Nun ist auch die Politik aufmerksam geworden: Die CDU bringt einen Antrag in den Umweltausschuss ein, fordert, dass mit einer gesonderten Satzungsbestimmung „Eltern größere Gestaltungsspielräume bei Kindergrabstätten eingeräumt werden“.

36-jährige Krankenschwester ist nicht mehr berufsfähig

Der Steinmetz, den Jasmina Hockauf beauftragt, sagt, ihre Wünsche „seien in Mülheim nicht erlaubt, aber möglich“, ohne andere Gräber zu beeinflussen. Bei der Friedhofsverwaltung habe man die Sorge geäußert, dass andere Eltern neidisch wären, wenn sie ihr Grab so gestalte, wie sie wolle. „Es geht um Kindergräber, da ist niemand neidisch“, sagt Jasmina Hockauf.

Seitdem ihr Sohn gestorben ist, ist die 36-Jährige nicht berufsfähig. Sie, die Krankenschwester, die so vielen Menschen geholfen hat. „Aber ich konnte meinem eigenen Sohn nicht helfen.“ Nachdem er starb, stand sie vor seinem Bett, in dem er nie schlafen würde, die kleinen Strampler vor sich, die er nie tragen würde. „Mein kleines Kind hat so gekämpft“, sagt sie. „Manche meinen, wenn es beerdigt ist, ist es durch, aber als Mutter, als Vater, ist das Thema nie durch. Es macht mich so traurig, dass ich nun so kämpfen muss.

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