Buchhandel-Krise

Corona: Wie Mülheimer Buchhändlerinnen um Kunden kämpfen

Ursula Hilberath (re.) und Brigitta Lange versuchen in ihrer Buchhandlung, der Corona-Krise zu trotzen. (Archivbild)

Ursula Hilberath (re.) und Brigitta Lange versuchen in ihrer Buchhandlung, der Corona-Krise zu trotzen. (Archivbild)

Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Mülheim.  Aus der Coronavirus-Krise etwas lernen? Warum die Mülheimer jetzt den Buchhandel in ihrer Stadt mit überlegtem Einkaufen stärken könnten.

Eigentlich müsste der Buchhandel in Zeiten des drohenden Stubenhockens durch die Decke gehen. In der Saarner Buchhandel Hilberath und Lange hat man bereits einen eigenen Bringservice auf die Beine gestellt, halten die Inhaberinnen im verschlossenen Laden an der Düsseldorfer Straße am Telefon Wache, planen den eigenen Youtube-Kanal mit Buchneuvorstellungen. Jetzt liegt’s nur noch an einem: dem Kunden. Er müsste dem mächtigen Onlinehändler mit dem großen A die Absage erteilen und stattdessen den lokalen Einzelhandel stärken.

Wenn das Coronavirus überhaupt etwas Gutes hat, dann vielleicht die Besinnung auf die eigene Kaufmacht. „Die Krise bietet die Chance, darüber nachzudenken, dass nicht globale Unternehmen, sondern wir als lokale Einzelhändler die Steuern an die Kommune zahlen und damit die Stadt unterstützen“, bricht Ursula Hilberath die Lanze nicht nur für die eigene Branche.

Kontaktsperre wegen Coronavirus: Das Dorf Saarn wirkt „gespenstisch“

Wer bei lokalen Händlern bestelle, so die Buchhändlerin, trage auch dazu bei, dass mehr Fördermittel aus dem Rettungsschirm des Bundes und NRW an diejenigen Branchen fließen können, die unter den aktuellen und vielleicht weiteren Zwangsschließungen leiden.

Doch beim Bewusstsein bedarf es offenbar noch der Feinjustierung, wenn man den einfallsreichen Saarner Buchhändlerinnen folgt, denn noch scheint das große Rennen auf gebundenes Blattwerk auszubleiben. Aber nicht nur hier: Durch das Dörfchen weht derzeit ungehindert von Kunden und Autos ein einsames Lüftchen. „Gespenstisch“, meint Ursula Hilberath, die eine wie ausgestorbene Düsseldorfer Straße so noch nicht erlebt hat. Nur vor Rossmann sieht sie eine Kundenschlange. Dort interessiert man sich wieder für Papier, dreilagiges.

Saarner Bücherfrühling soll im Mai starten

Der Coronavirus hatte bereits den Frühlingsmotor – die Leipziger Buchmesse – ins Stottern gebracht. „Normalerweise gibt sie immer einen ersten Schub im Februar“, sagt die Händlerin. Jetzt schlummern die künftigen Bestseller neben den fertigen Bestsellerlisten. „Alles da“, nur die Kunden fehlen. Einzig der beliebte Saarner Bücherfrühling, der schon am 4. Mai starten soll, wird wie verrückt gebucht.

„Die Menschen sind zum Glück optimistisch und wild entschlossen, unsere Veranstaltungen zu besuchen. Das ist ein schönes Gefühl“, muss Hilberath über ihre Formulierung lächeln – oder aus Freude über die Anerkennung.

Für Depression haben Hilberath und Lange ohnehin keine Zeit: Die Fixkosten drängen, vier Mitarbeiterinnen und ein Azubi brauchen Sicherheit, vermutlich wird’s auch hier Kurzarbeit geben. Die Geschäftsfrauen bereiten für sich derweil Homeoffice vor.

Buchhändler liefern an die Türklinke zu Hause

Der Bücherbringdienst steht auch: „Was wir vorrätig haben, kann am selben Tag bis an die Türklinke geliefert werden. Alles andere braucht einen Tag“, sagt sie. Sogar auf Rechnung. Das dauert genauso lang wie beim großen Konkurrenten Amazon, dem es egal sein kann, ob er Bestseller oder Toilettenpapier in den virtuellen Einkaufskorb purzeln lässt.

Für die beiden Frauen, die vor 27 Jahren mit Büchern in eine Metzgerei einzogen, ist das jedoch nicht gleich. Und im Grunde auch nicht für die Stadt Mülheim, für die sie nicht nur Steuern zahlen sondern auch 25 Jahre lang beliebte Literaturveranstaltungen auf die Beine gestellt haben. „Verantwortung ist so ein großes Wort ...“, sucht Ursula Hilberath nach einem Begriff, der nicht moralisch klingt. „Wir alle haben jetzt die große Chance, das zu kapieren, dass wir es in der Hand haben.“

Auch andere Buchläden in Mülheim bieten Bestellservice

Wie Hilberath & Lange bieten auch andere Buchgeschäfte in Mülheim einen persönlichen Bestell- und Lieferservice an, um die Corona-Zwangspause zu überbrücken. Das gilt beispielsweise für die Buchhandlung am Löhberg ( 0208-74049380, www.buchamloehberg.de) oder die Bücherträume in Broich (0208 / 82146184,www.bücherträume.de).

Auf jeden Fall lohnt es sich, im vertrauten Buchgeschäft vor Ort nachzufragen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben