Alzheimergesellschaft

Demenz: Auch in Mülheim ein Tabuthema, das keins sein sollte

Alterstüddeligkeit ist nicht gleich Demenz: Auch darauf wollen die Mülheimer Alzheimer Aktionstage aufmerksam machen.

Alterstüddeligkeit ist nicht gleich Demenz: Auch darauf wollen die Mülheimer Alzheimer Aktionstage aufmerksam machen.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Mülheim.  Demenz ist eine Herausforderung – nicht nur für die Betroffenen. Ein Aktionstag am 17. September im Ev. Krankenhaus klärt auf und unterstützt.

Der Begriff Demenz ist in aller Munde – wenn auch oft hinter vorgehaltener Hand. Sobald jemand etwas vergesslich wird, wird er von Angehörigen schnell als dement diagnostiziert. Oftmals wird eine solche Diagnose viel zu voreilig getroffen. Aber auch Sätze wie: „Er ist alt, er wird halt etwas tüddelig“, hört Christian Triebel, Chefarzt der Altersmedizin im evangelischen Krankenhaus Mülheim, immer wieder. Das sollte nicht einfach so hingenommen werden. Manches ist behandelbar. Außerdem sei Demenz nicht gleich Demenz. Und Altersvergesslichkeit nicht gleich Demenz. Und erst Recht sei Demenz nicht gleich Alzheimer.

Das Thema Demenz werde oft falsch dargestellt, sagt Triebel. Nicht nur der Betroffene selbst, sondern auch die Angehörigen hätten mit der Krankheit zu kämpfen. Deshalb bietet die Alzheimergesellschaft Mülheim am Dienstag, 17. September, bei den Mülheimer Alzheimer Aktionstagen vom 17. bis zum 27. September einen Tag zum Thema „Herausforderung Demenz“ an. Im Evangelischen Krankenhaus Mülheim können sich von 16 bis 19 Uhr Betroffene, Angehörige und Interessierte bei Gesprächen und Vorträgen informieren und austauschen.

„Es muss nicht immer gleich Alzheimer sein“

„Es muss nicht immer gleich Alzheimer sein“, sagt Svenja Ester, Mitarbeiterin im Sozialen Dienst im Seniorenpark Dimbeck. Deshalb geht es an dem Aktionstag unter anderem darum, die Augen zu öffnen für die Komplexität der Krankheit. Und um darauf hinzuweisen, dass Verhaltensweisen wie Vergesslichkeit, Verwirrung und Aggressivität auch ganz andere Ursachen haben können, wie zum Beispiel Gehirnblutungen, Fehlfunktionen der Schilddrüse, Suchtprobleme oder einfach Einsamkeit.

All das ist behandelbar, darum sind Birgit Krause, Leitende Ärztin im Zentrum für Altersmedizin im St. Marien-Hospital, gründliche Diagnosen sehr wichtig. „Man braucht viel Zeit und das Gespräch, um Patienten richtig behandeln zu können.“

Aktionstage bieten auch gestressten Angehörigen Infos zu Hilfestellungen

Der Runde Tisch Demenz ist zusammen mit der Mülheimer Alzheimer Gesellschaft der Veranstalter der Aktionstage. Er besteht aus einem Netzwerk von Senioreneinrichtungen, Ärzten und Pflegekassen. Gemeinsam wollen sie Betroffenen dabei helfen, die für sich passenden Ansprechpartner und Angebote zu finden. Denn jeder Mensch und jede Krankheit ist individuell.

Demenz ist eine Herausforderung, die das ganze Umfeld des Erkrankten betrifft. „Wir erleben ganz häufig nicht nur die Patienten, sondern auch die gestressten Angehörigen“, so Birgit Krause. Familienmitglieder eines dementen Menschen nehmen viel Last auf sich, sie können selbst krank werden. Darum stehen während des Aktionstages auch gerade für die Angehörigen viele Ansprechpartner zur Verfügung. Es werden Unterstützungsangebote vorgeschlagen, die helfen sollen. Besucher werden Antworten darauf bekommen, wie sie mit einem dementen Familienmitglied am besten umgehen und merken, dass sie mit ihren Fragen und Bedürfnissen nicht alleine sind.

Demenz sollte aus der Tabuzone geholt werden – keiner muss sich dafür schämen

Wichtig ist der Alzheimergesellschaft vor allem, betroffene Menschen in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen ein lebenswertes Leben zu schaffen. „Junge und alte Menschen müssen wieder mehr füreinander da sein, sich helfen und aufeinander achten“, wünscht sich Svenja Ester. „Demenz sollte viel mehr wahrgenommen und aus der Tabuzone rausgeholt werden. Keiner muss sich dafür schämen“, ergänzt Birgit Krause.

Die Aktionstage bieten genau dazu die Gelegenheit. In ungezwungener Atmosphäre können Menschen „zwanglos mit den Ärzten quatschen“, ohne sich schämen zu müssen. „Diese Tage hatten bisher immer eine sehr gute Resonanz“, erinnert sich Christian Triebel. Viele Menschen kämen dann auf sie zu, die sonst eher nicht Termine für Beratungen oder Behandlungen wahrgenommen hätten.

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