VHS-Bürgerentscheid

Der VHS-Erhalt und die möglichen Folgen für Mülheim

Geht der Bürgerentscheid zu Gunsten des VHS-Gebäudes an der Bergstraße aus, muss die Stadt rund 30 Millionen Euro für die Instandsetzung bereitstellen. Welche Bauprojekte dann um mehrere Jahre verschoben werden müssen, zeigt Kämmerer Frank Mendack auf einer langen Liste.

Geht der Bürgerentscheid zu Gunsten des VHS-Gebäudes an der Bergstraße aus, muss die Stadt rund 30 Millionen Euro für die Instandsetzung bereitstellen. Welche Bauprojekte dann um mehrere Jahre verschoben werden müssen, zeigt Kämmerer Frank Mendack auf einer langen Liste.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Am 6. Oktober stimmt Mülheim über die Zukunft der VHS ab. Fällt das Ergebnis pro Erhalt aus, müssen Schulsanierungen verschoben werden.

Der Bürgerentscheid für oder gegen einen Volkshochschulbetrieb im alten Gebäude an der Bergstraße in Mülheim ist für den 6. Oktober terminiert. Die genaue Fragestellung für die Abstimmung steht noch nicht fest. Fest steht aber schon jetzt: Findet das zurzeit leerstehende, denkmalgeschützte Betongebäude am Müga-Park die erforderliche Mehrheit, dann muss der Rat schmerzlichen Einschnitten zustimmen.

„Weil wir uns im Stärkungspakt befinden und die baulichen Investitionen auf rund 15 Millionen Euro eingefroren sind, können wir das Geld nur einmal ausgeben“, erklärt dazu Kämmerer Frank Mendak auf Nachfrage dieser Redaktion. Rund 30 Millionen Euro veranschlagen Gutachter und Kämmerer für die Instandsetzung und weitere 30 Jahre Betrieb des VHS-Baus aus den 1970er Jahren.

Bürgerinitiative: Vorliegendes Gutachten war bestellt

Die Bürgerinitiative, die sich für die Sanierung des Baudenkmals und die Rückverlegung der Erwachsenenbildung in das alte VHS-Gebäude stark macht, sieht das anders. Sie unterstellt der Stadt, „das vorliegende Gutachten bestellt“ zu haben, mit falschen Zahlen zu argumentieren und eine „überteuerte Luxussanierung“ an der Bergstraße anzusetzen, um den ehemaligen VHS-Standort totzurechnen.

„Wir müssen vorgegebene bauliche Standards einhalten. Beim Brandschutz gibt es keine Alternative“, stellt der Kämmerer klar. Ein schön gerichteter Blick in die Zukunft kann nicht Grundlage sein für den aktuellen Bedarf. Keiner weiß heute, wie Erwachsenenbildung sich in der Zeit des Internets entwickeln wird“, blickt Frank Mendack nach vorne.

Bürgerinformation am 3. September

Um alle Bürger auf den aktuellen Stand zum Gebäude an der Bergstraße zu bringen, lädt die Stadt zu ihrer bereits angekündigten Bürgerinformation ein. Diese ist angesetzt für Dienstag, 3. September, um 18 Uhr, in der Aula des Schulzentrums Saarn, an der Lehnerstraße 67. Etwa zwei Stunden sollen Vorträge und die Debatte dauern. „Wir wollen aber keinen abwürgen“, ergänzt Stadtsprecher Volker Wiebels.

„An diesem Abend werden Ingenieure der Assmann-Gruppe – sie haben das VHS-Gutachten erstellt – sowie weitere Fachleute, die das VHS-Gebäude in seiner Substanz untersucht haben, die Lage erläutern und die Fragen der Teilnehmer beantworten“, kündigt der Kämmerer an. „Wir wollen umfassend und sachlich informieren, damit sich die Bürger ihre Meinung bilden können.“

Stadt hat die Beschwerden an Aktienstraße geprüft

Fast komplett steht das Gutachten, das vor knapp zwei Monaten veröffentlicht wurde, jetzt auf der Heimseite der Stadt. „Nur die Art der Berechnungserhebungen dürfen wir nicht darstellen. Der Gutachter fürchtet, damit seine interne Kalkulationen für Mitbewerber im Internet offenzulegen“, erklärt Mendack. Genau das kritisieret die Bürgerinitiative und erwartet Vollständigkeit. Jeder Bürger kann jedoch Akteneinsicht im Rathaus nehmen.

Das angemietete Gebäude an der Aktienstraße entspreche den von der Stadt definierten Anforderungen. „Wir sind den Beschwerden nachgegangen, haben Prüfer dort hingeschickt“, sagt der Kämmerer. „Die Fenster stammen nachweislich aus deutscher Produktion. Auch die Sanitäranlagen sind nicht minderwertig, wie behauptet wurde. Gegenüber der Sanierung und dem Weiterbetrieb der alten VHS sparen wir an der Aktienstraße insgesamt 18 Millionen, davon allein jedes Jahr 120.000 Euro“, rechnet Mendack vor.

Ab 2021 hätte die VHS-Sanierung Vorrang

Stimmt beim Bürgerentscheid die erforderliche Mehrheit für den Erhalt und Unterrichtsbetrieb in der schadhaften Heinrich-Thöne-Volkshochschule, „können wir Schulen und Sporthallen vorerst nicht mehr sanieren. Ab 2021 wären wir gezwungen, zunächst nur die alte VHS zu sanieren“, zeigt der Kämmerer die Daumenschrauben des Spardiktates auf.

Ob beispielsweise am Gymnasium Heißen, an der Sporthalle Von-der-Tann-Straße, an der Barbaraschule, am Tersteegenhaus, am Bismarckturm oder am städtischen Baubetriebshof vor 2027 notwendige Sanierungen beginnen können, sei fraglich.

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