Einst war Mülheim protestantisch geprägt

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde St. Peter auf dem Kirchenhügel zur reformierten Petrikirche. Bis dahin hatte es nur eine christlich-katholische Konfession gegeben. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts kehrte mit den Jesuiten katholisches Leben auf den Kirchenhügel zurück.

1786 wurde dort die erste Marienkirche errichtet, der 1872 und 1929 zwei weitere, jeweils größere Marienkirchen folgten. Bis dahin blieben allein das Kloster Saarn und das Schloß Styrum katholische Enklaven im protestantischen Mülheim.

Allerdings kritisierte schon der 1769 in Mülheim gestorbene pietistische Mystiker, Dichter und Menschenfreund Gerhard Tersteegen den amtskirchlichen Konfessionalismus seiner Zeit als Widerspruch zur Frohen Botschaft Jesu Christi.

Erst durch die Industrialisierung und die mit ihr verbundene Zuwanderung von Arbeitskräften wuchs der katholische Bevölkerungsanteil der Stadt. In den 1920er Jahren war bereits ein Drittel der Mülheimer katholisch. In den 1970er Jahren waren etwa gleich viele, jeweils gut 60.000 Mülheimer, katholisch und evangelisch.

1973 erreichte Mülheim mit 193.000 Einwohnern seinen höchsten Bevölkerungsstand. Heute leben etwa 172.000 Menschen in der Stadt. Der evangelischen und katholischen Stadtkirche gehören inzwischen jeweils weniger als 50.000 Mülheimer an. Kirchenaustritte und Überalterung lassen die Zahl der christlichen Kirchenmitglieder und damit auch die Finanzkraft der Stadtkirchen tendenziell weiter schrumpfen.

Auch wenn die aktuelle vergleichsweise gute Beschäftigungslage die Kirchensteuern auf einem immer noch hohen Niveau hält, müssen sich die beiden christlichen Stadtkirchen auf massive Finanzkraftverluste einstellen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente gehen. Beide Stadtkirchen versuchen sich bereits seit einigen Jahren mit Gemeindefusionen, kostensparenden Strukturreformen und mit der Aufgabe oder Umwidmung von Kirchengebäuden auf die absehbare Entwicklung einzustellen. (T.E.)